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Unautorisierte Werbung mit Promis kann teuer werden

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Wie Gerichte urteilen, wenn Promis ohne ihr Einverständnis vor den Karren einer Werbekampagne gespannt werden und daraufhin klagen, ist nicht immer ganz einfach zu verstehen.

Werbung mit Promis kann ein echter Hingucker sein, vor allem, wenn sie das Zwerchfell kitzelt. Designer von Werbeanzeigen erliegen daher hin und wieder der Versuchung, jemand aus dem öffentlichen Leben in einer Anzeige oder einem sonstigen Werbemedium, ohne ihn zu fragen, als Werbeträger einzuspannen. Das kann jedoch unter Umständen teuer werden.

Satire scheint erlaubt zu sein

Was das Verulken von Prominenten in den Medien allgemein angeht, sind die Grenzen der künstlerischen und der Meinungsfreiheit recht weit gesteckt: Wer beispielweise Kabarett mag, weiß, dass sich vor allem Politiker hier recht derbe Späße gefallen lassen müssen, die teilweise bis hart an die Grenzen des guten Geschmacks gegen, ohne dass sie etwas dagegen tun können.

Auch bei der Werbung akzeptieren Richter offenbar scherzhafte Anspielungen: In einer Zigarettenwerbung wurde mit der Anrede „Lieber Dieter" und geschwärzten Worten darauf angespielt, dass Dieter Bohlen in einem von ihm geschriebenen Buch hatte Textstellen schwärzen müssen. Der Promi klagte - und verlor: Eine satirische Anspielung auf einen in der Öffentlichkeit diskutierten Sachverhalt sei hinzunehmen.

Jemanden aber ungefragt einfach so abzubilden und damit Werbung zu machen, ließ der BGH unlängst jedoch nicht durchgehen: Bild am Sonntag hatte mit einem heimlich geknipsten Bild von Gunter Sachs Werbung für sich selbst gemacht, auf dem der Playboy und Kunstsammler mit eben diesem Blatt vor der Nase auf seiner Yacht zu sehen war und dies samt zugehörigem Text auch noch als redaktionellen Artikel getarnt. Ein Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit über das Leseverhalten von Gunter Sachs konnte der BGH nicht erkennen und sprach den Erben des inzwischen Verstorbenen Anspruch auf Unterlassung sowie Lizenzgebühren in Höhe von 50.000 Euro zu.

Frau Kanzlerin verstand Spaß

Gar nicht gut weg kam Angela Merkel bei einer Anzeige, die für die Cabrios warb, die man sich bei der Autovermietung Sixt ausleihen kann - und nahm's doch gelassen. In der früher sehr beliebten Manier der Vorher-Nachher-Gegenüberstellung war sie einmal mit äußerst unvorteilhafter Schnittlauchfrisur und einmal mit hochgesträubten Haaren zu sehen: „Lust auf eine neue Frisur? Mieten Sie sich ein Kabrio." Damit hatte die Autovermietung natürlich die Lacher auf ihrer Seite.

Der Kanzlerin jedoch fiel es nicht ein, denn Autoverleiher und/oder den Macher der Anzeige, Jung von Matt, vor den Kadi zitieren zu lassen. Sie schlug lediglich scherzhaft eine Art außergerichtlichen Vergleich mit der Gattin des Sixt-Chefs vor: „Ich finde, Frau Sixt könnte mich als Wiedergutmachung einmal zu einer Kabriofahrt einladen."


Rechtstipp vom 05.06.2012
aus der Themenwelt Marketing und Internet und dem Rechtsgebiet Urheberrecht & Medienrecht

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