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Unbefristeter Kitastreik – was tun berufstätige Eltern?

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Unbefristeter Kitastreik – was tun berufstätige Eltern?
Kinderbetreuung ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe.

Im Tarifkonflikt rund um den Sozial- und Erziehungsdienst gibt es noch immer keine Einigung. Die Beschäftigten streiten für eine Aufwertung der sozialen Berufe, die sich auch in einer neuen Eingruppierung widerspiegeln soll. Durch die neuen Gehaltsgruppen erwarten sich die Erzieherinnen und Erzieher Lohnerhöhungen um durchschnittlich 10 Prozent.

Länger als die bisherigen kurzen Warnstreiks

Inzwischen ist die Gewerkschaft ver.di von Warnstreiks zu einer unbefristeten Arbeitsniederlegung übergangen. Bei der Urabstimmung hatten laut ver.di über 93 Prozent der Mitglieder dafür gestimmt.

Nach Angaben der Gewerkschaft soll der nun schrittweise begonnene unbefristete Streik in Kitas und anderen sozialen Einrichtungen gegebenenfalls auch über Pfingsten hinaus andauern.

Anders als bei den Warnstreiks, die in der Regel nur wenige Stunden oder Tage dauern, müssen sich berufstätige Eltern nun längerfristig Gedanken machen, wie sie die Betreuung ihrer Kinder sicherstellen können.

Notbetreuung oder Kinder mit zur Arbeit nehmen?

In manchen Kitas gibt es sogenannte Notgruppen, in denen die Kinder berufstätiger Eltern trotz des Streiks betreut werden. Doch dürfte die Nachfrage hier größer sein als die Anzahl der vorhandenen Plätze.

Den Nachwuchs einfach mit zur Arbeit zu nehmen, ist eine weitere Möglichkeit. Das sollte aber dringend vorher mit dem Chef abgesprochen werden. Natürlich kommt es auch auf den ausgeübten Beruf an, ob Kinder im dortigen Umfeld tatsächlich sicher aufgehoben sind. Auch die vorübergehende Arbeit von zu Hause aus – allgemein bekannt als Homeoffice – kann vielleicht eine Lösung sein.

Persönlicher Verhinderungsgrund nach § 616 BGB

Viele Medien ziehen den Paragrafen 616 aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) heran, nach dem Arbeitnehmer ihr Gehalt auch dann weiterhin erhalten, wenn sie aus persönlichen Gründen nicht arbeiten konnten. Tatsächlich kann die nicht anderweitig zu organisierende Betreuung von Kindern ein derartiger persönlicher Verhinderungsgrund sein.

Allerdings darf die Verhinderung laut § 616 BGB nur für eine „verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit“ bestehen. Maximal 2 bis 3 Tage, sagt man, darf ein Beschäftigter danach fehlen. Für einen unbefristeten Streik, der Wochen oder sogar Monate dauern kann, ist § 616 BGB damit keine dauerhafte Hilfe.

Individuelle Lösung mit dem Arbeitgeber suchen

Können sich Verwandte, Freunde oder Nachbarn nicht um die Kinder kümmern, bleibt vielen Beschäftigten nur, Urlaub zu nehmen, Überstunden abzufeiern oder im Zweifel eine unbezahlte Freistellung von der Arbeit in Kauf zu nehmen.

Das alles muss aber mit dem Arbeitgeber abgesprochen werden. Wer – ohne seinen Arbeitgeber zu informieren – einfach zu Hause bleibt, riskiert eine Abmahnung oder im schlimmsten Fall sogar die Kündigung.

Überhaupt gilt: Informieren Sie Arbeitgeber und Vorgesetzte möglichst früh und umfassend. Viele Chefs und Chefinnen haben ebenfalls Kinder und entsprechend Verständnis für Ihre Situation.

(ADS)

Foto : ©Fotolia.com/Petro Feketa

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