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Unberechtigte Veröffentlichung eines Bildes – Anspruch auf Schmerzensgeldzahlung (AG Mannheim)

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Die Klägerin macht mit ihrer Klage einen Zahlungsanspruch gegen die Beklagte wegen Veröffent­lichung ihres Bildes im Zusammenhang mit einer Presseberichterstattung der Beklagten geltend.

Die Klägern, die seit ihrer Kindheit an einer Niereninsuffizienz leidet, unterzieht sich regelmäßig der Dialyse. Im Jahr 2001 erteilte die damals 18-jährige Klägerin dem Magazin G. eine Einwilligung zur Herstellung und Veröffentlichung eines Fotos im Rahmen ihrer Behandlung. Eine schriftliche Erklärung der Klägerin wurde nicht abgegeben. Ebenso wurde kein Entgelt vereinbart. Im August 2001 wurde das Bild unter dem Titel „Wie viel Sport braucht der Mensch“ veröffentlicht. Unter dem Foto der Klägerin wurden Name und Alter der Klägerin genannt.

Im September 2007 (Ausgabe 39/2007) veröffentlichte die Beklagte das Bild der Klägerin aus dem Jahre 2001 (ohne Namens- und Altersnennung) im Rahmen eines Artikels mit der Überschrift „schleichender Exitus“. Ein weiteres Mal veröffentlichte die Beklagte das Bild in der Ausgabe 41/2007 in der Rubrik Leserbriefe. Die Beklagte wurde über die Rechtsanwälte der Klägerin zur Unterlassung aufgefordert. Die Beklagte gab die Unterlassungserklärung ab und erstattete die insoweit entstandenen Rechtsanwaltskosten. Die Klägerin erhielt keine Geldzahlung.

Die Klägerin ist der Ansicht, es liege ein schwerwiegender Eingriff in ihr Persönlichkeitsrecht vor, da die Beklagte ihr Foto unberechtigt veröffentlicht hat. Die Einwilligung gegenüber dem Magazin G. sei eine einmalige gewesen, einer weiteren Veröffentlichung habe sie nicht zugestimmt. Gegenteiliges konnte der Beklagte nicht vortragen.

Das Amtsgericht Mannheim gab der Klage vollumfänglich statt. Die Veröffentlichung der Fotos der Klägerin bei der Dialyse berühre nach Überzeugung des Gerichts die Intimsphäre der Klägerin, die der Beklagte fahrlässig durch die unstreitige Abbildung in der Zeitschrift verletzt habe. Die Einwilligung aus dem Jahre 2001 decke entgegen der Auffassung des Beklagten die vorliegende Veröffentlichung nicht ab.

Das Urteil des Landgerichts könnte Signalwirkung für die „Paparazzi-Industrie“ haben, deren Vorgehen mit dem vorliegenden Sachverhalt vergleichbar erscheint.

 
RA K.Gulden, LL.M. (Medienrecht)
 
Weiter Infos finden Sie unter: www.ggr-rechtsanwaelte.de



Rechtstipp vom 23.07.2008

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