Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Unfall – Zettel an der Windschutzscheibe reicht nicht!

Rechtstipp vom 02.07.2009
Rechtstipp vom 02.07.2009

Der Straftatbestand des § 142 StGB „Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort", im Volksmund einfach Fahrerflucht genannt, ist einer der Straftatbestände im Straßenverkehr, der den meisten Fahrern und Fahrerinnen in seiner Konsequenz nicht vollständig bekannt ist. Es handelt sich um ein Vergehen, welches je nach Schwere mit Geld- oder sogar Freiheitsstrafe, Fahrverbot oder Führerscheinentzug und Punkten in der Verkehrszentraldatei in Flensburg geahndet wird.

Rechtsanwalt Sönke Tetting, Fachanwalt für Verkehrsrecht aus Garbsen, hierzu: Wer beispielsweise auf einem Parkplatz ein anderes abgestelltes Fahrzeug mit seinem Wagen anrempelt, ist Beteiligter an einem Verkehrsunfall. Sind nun keine anderen Personen zugegen und auch der Geschädigte nicht sofort greifbar, reicht es entgegen einer weitverbreiteten Auffassung keinesfalls aus, einen Zettel oder die Visitenkarte am beschädigten Auto zu hinterlassen und dann davon zu fahren. Damit wäre der Tatbestand der Fahrerflucht erfüllt! Vorsicht auch bei der Einschätzung, es sei ja nichts passiert: Die überwiegende Rechtsprechung der Gerichte sieht bereits einen Schaden ab 20 - 50 € nicht mehr als Bagatelle an.

Um ganz sicher zu gehen, dass Sie sich nicht doch strafbar machen, bleiben Ihnen nur zwei Varianten: Entweder Sie warten so lange vor Ort, bis der Fahrer des angerempelten Autos oder jemand aus dessen Umfeld (Freund, Nachbar) erscheint oder Sie informieren per Handy die Polizei und geben sich als Beteiligter zu erkennen. Wer kein Handy sein Eigen nennt, muss mindestens 30 Minuten am Unfallort warten, ehe er eine Telefonzelle aufsucht oder zur nächstgelegenen Polizeidienststelle fährt. Grundsätzlich gilt: je höher der Schaden, desto länger die Wartezeit.

Unangenehme weitere Folge einer Unfallflucht: Die eigene Kfz-Haftpflichtversicherung kann ihre Leistung an den Geschädigten vom flüchtigen Versicherungsnehmer in erheblicher Höhe zurückverlangen und die Vollkaskoversicherung die Zahlung verweigern oder kürzen.


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Ordnungswidrigkeiten­recht, Verkehrsrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.