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Unfallschaden – Darf die Haftpflichtversicherung kürzen und auf freie Werkstatt verweisen?

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Ein Unfall ist immer ärgerlich, umso mehr, wenn dieser fremdverschuldet ist. Zwar bekommt man den Schaden grundsätzlich von der gegnerischen Kfz-Haftpflichtversicherung ersetzt, doch ist dies häufig mit viel Aufwand, Papierkram und Problemen verbunden. Zunächst muss der Schaden von einem Sachverständigen begutachtet werden. Dieses Gutachten ist sodann der gegnerischen Haftpflichtversicherung zu übermitteln. 

Regelmäßig werden diese Gutachten von der Versicherung, zumindest der Höhe nach, nicht akzeptiert. Die Versicherung nimmt regelmäßig Kürzungen vor. Doch wie kann es sein, dass die Berechnung des Schadens durch die Versicherung immer niedriger ausfällt, als im Sachverständigengutachten ausgewiesen? Dies fragt sich der Geschädigte zurecht.

Vorab: Der Geschädigte hat stets das Recht, auf Gutachtenbasis abzurechnen! Er ist nicht zur Reparatur verpflichtet! Es handelt sich um die sog. fiktive Abrechnung. Allerdings bekommt der Geschädigte nur den Nettobetrag erstattet, da die Mehrwertsteuer tatsächlich nicht angefallen ist. Wird eine Reparatur durchgeführt, erhält er den Bruttobetrag erstattet. Die Versicherung fordert in der Regel einen Reparaturnachweis, wie zum Beispiel eine Rechnung oder eine schriftliche Reparaturbestätigung der Werkstatt.

Aber: Meistens fällt die Schadensberechnung durch die Versicherung niedriger aus. Es kann zu erheblichen Abweichungen kommen. Dies rührt in der Regel daher, dass die Versicherung den Geschädigten auf eine Alternativwerkstatt verweist, die die Arbeiten günstiger ausführt, als die vom Geschädigten ausgewählte (Marken-) Werkstatt. Außerdem werden häufig UPE-Aufschläge (Preisaufschlag auf die unverbindlich empfohlenen Preise für Ersatzteile aufgrund der Lagerhalterung), obwohl diese zu erstatten wären. 

Muss der Geschädigte Verweis auf freie Werkstatt dulden?

Dies hängt von mehreren Faktoren ab:

  • eine gleichwertige Reparatur mit Original Ersatzteilen in Alternativwerkstatt muss gewährleistet sein (Beweislast trägt die Versicherung!)
  • die Alternativwerkstatt muss mühelos erreichbar sein (max. 20 km Entfernung) 
  • es darf kein Versicherungstarif vorliegen (günstiger Reparaturtarif, den nur Versicherung erhält)
  • beschädigtes Fahrzeug ist älter als 3 Jahre alt (Erstzulassung)
  • beschädigtes Fahrzeug wurde zuvor nicht regelmäßig in markengebundener Fachwerkstatt gewartet

Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, spricht vieles dafür, dass der Geschädigte die Kürzung des Schadens unter Verweis auf eine Referenzwerkstatt hinnehmen muss.

Fazit: Der Geschädigte hat ein Recht auf fiktive Abrechnung. Die Versicherung darf den Schaden unter bestimmten Voraussetzungen jedoch kürzen. 


Rechtstipp vom 29.04.2017

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            Rechtsanwältin Denise A. Sondermann Rechtsanwältin Denise A. Sondermann

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