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Unter das Auto geraten: Arbeitsunfall?

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Unter das Auto geraten: Arbeitsunfall?
Eine angezogene Handbremse kann auch nicht immer vom Wegrollen schützen.

Der Unfallversicherer muss auch dann zahlen, wenn das Auto vor der Garage abgestellt wird, trotz angezogener Handbremse einen Berg herunterrollt und dabei den Arbeitnehmer verletzt. Bei einem Arbeitsunfall muss die Unfallversicherung für den entstandenen Schaden aufkommen. Ein solcher Unfall kann aber nicht nur während der Arbeit, sondern nach § 8 II Nr. 1 SGB VII (Sozialgesetzbuch VII) auch auf der Fahrt von und zu der Arbeitsstätte passieren. Macht man aber aus privaten Gründen einen Umweg, greift der Versicherungsschutz grundsätzlich nicht mehr.

Auto rollt einen Berg herunter

Im konkreten Fall fuhr eine Frau nach der Arbeit nach Hause und hielt mit ihrem Auto vor der Garage. Nachdem sie ausgestiegen war, um das Garagentor zu öffnen, rollte das Kfz trotz angezogener Handbremse die Auffahrt wieder herunter. Als die Frau hinter dem Auto herrannte, um es aufzuhalten, wurde ihr linkes Bein vom Kfz überrollt. Die Unfallversicherung verneinte einen Arbeitsunfall. Immerhin stelle die Verfolgung eines Autos „Privatvergnügen" dar und gehöre nicht mehr zum versicherten Heimweg. Dazu hätte sie sich vielmehr in Richtung der Wohnung bewegen müssen. Das Auto sei aber in die entgegengesetzte Richtung den Berg heruntergerollt. Die Frau hielt das Ereignis aber für einen Arbeitsunfall und zog vor Gericht.

Unfallversicherung muss zahlen

Das Sozialgericht (SG) Wiesbaden gab der Frau Recht. Da sie sich die Verletzungen auf dem Heimweg von ihrer Arbeit zugezogen habe, sei ein versicherter Arbeitsunfall nach § 8 II Nr. 1 SGB VII (Sozialgesetzbuch VII) zu bejahen. Zwar stelle das Herunterrollen des Kfz eine Abweichung vom normalen Heimweg dar; immerhin wollte es die Frau eigentlich in die Garage fahren und dort parken. Stattdessen verfolgte sie das „flüchtende" Auto, um dessen Beschädigung zu verhindern. Das stelle aber keinen rein privaten Grund dar, der zur Unterbrechung des Heimwegs geführt habe. Denn die Frau wollte das Auto auch einholen, um den Heimweg abschließen zu können. Die Unfallversicherung sei daher zahlungspflichtig.

(SG Wiesbaden, Urteil v. 27.10.2011, Az.: S 13 U 49/11)

(VOI)

Foto : ©fotolia.com/Enigmatico


Rechtstipp vom 06.03.2012
aus dem Rechtsgebiet Sozialrecht

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