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Unterhalt trotz Wechselmodell ?

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Immer mehr Eltern betreuen ihre Kinder nach der Trennung oder Scheidung im sog. Wechselmodell, das heißt die Kinder sind bei beiden Elternteilen gleichermaßen zuhause, werden von beiden Elternteilen in annähernd gleichem Umfang betreut, und zwar bezogen auf das gesamte Jahr einschließlich Ferienzeiten, Krankheitszeiten etc., und beide Elternteile sind in gleichem Umfang auch für die alltäglichen Belange der so betreuten Kinder zuständig und verantwortlich. Die erfolgreiche Umsetzung dieses Betreuungsmodells zum Wohl und im Interesse der Kinder setzt ein nicht unerhebliches Maß an elterlicher Kooperationsfähigkeit voraus, und zwar auch und gerade in finanziellen Fragen das Kind betreffend, die anders als bei dem sog. Residenzmodell, bei dem das Kind seinen Lebensmittelpunkt bei einem Elternteil hat, so dass der andere Elternteil allein zum Barunterhalt für das Kind verpflichtet ist, viel stärker in den Vordergrund rücken: Ist beim Residenzmodell mit dem Kindesunterhalt, den der überwiegend betreuende Elternteil von dem anderen Elternteil gemäß Düsseldorfer Tabelle erhält, der Bedarf des Kindes für Kleidung, Essen, Wohnen, Schuldbedarf, Hobbies etc. gedeckt, so bleibt beim Wechselmodell die Frage offen und ist von den Eltern einvernehmlich zu klären, wer denn nun für welche Anschaffungen wie etwa Kleidung, Hobbies, Schulausflüge etc. in welchem Umfang aufkommen soll.

Weit verbreitet ist nach wie vor die Vorstellung, allein der Umstand, dass ein Wechselmodell praktiziert werde, entpflichte von vornherein von jeder weiteren Zahlung an den anderen Elternteil. Doch diese Überlegung ist so nicht richtig und greift nur in den Fällen, in denen beide Elternteile über annähernd gleiche Einkommen verfügen. In den anderen Fällen, in denen die Einkommen der Eltern deutlich auseinandergehen, kann der Elternteil mit dem höheren Einkommen gleichwohl verpflichtet sein, zusätzlich dem anderen Elternteil einen finanziellen Ausgleich zu zahlen unter Einbeziehung des staatlichen Kindergeldes, das beiden Elternteilen je zur Hälfte zusteht. Die Rechtsprechung  liefert dafür bislang unterschiedliche Berechnungsmodelle. Das Wechselmodell führt somit im Ergebnis sicherlich zu einer Reduzierung der Zahlungsverpflichtung an den anderen Elternteil im Vergleich zu einer alleinigen Barunterhaltsverpflichtung, im Einzelfall sogar auf Null; es ist jedoch kein „Unterhaltsvermeidungsmodell" und würde darauf reduziert auch seinem Sinn und Zweck kaum gerecht.


Rechtstipp vom 24.09.2013
aus der Themenwelt Sorgerecht und Umgangsrecht und dem Rechtsgebiet Familienrecht

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