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Untersuchungshaft: Was können Angehörige und Freunde tun?

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Wird ein Haftbefehl gegen einen Verdächtigen vollstreckt, kommt er in Untersuchungshaft. In Berlin wird diese in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Moabit vollzogen.

Die Inhaftierung geschieht meist für alle Beteiligten plötzlich und unerwartet. Und es weiß auch keiner so genau, wann sie wieder aufhört. Die Betroffenen werden unvorbereitet aus ihren Familien und ihrer Umgebung gerissen. Häufig erleben neu Inhaftierte gerade die ersten Stunden und Tage als ungeheure Belastung. Es kommt zum sog. Haftschock.

Für Angehörige stellt sich die Frage: Wie kann dem Inhaftierten schnell geholfen werden?

1. Anwalt informieren, der den Betroffenen schnell in der Haft besucht

Nach der Festnahme braucht der Betroffene schnell jemanden, dem er vertrauen kann. Angehörige oder Freunde sollten daher so schnell wie möglich einen Rechtsanwalt für Strafrecht beauftragen, damit dieser den Inhaftierten besuchen kann. Wenn dann ein Vertrauensverhältnis zu dem Inhaftierten besteht, kann der Anwalt einen Antrag auf Beiordnung als Pflichtverteidiger stellen, damit der Betroffene auch im Strafverfahren vertreten ist.

Ein Anwalt kann zudem – soweit es seine Berufspflichten zulassen – als Mittler zwischen seinem Mandanten und der Familie des Betroffenen agieren. Denn die Familien sind meist ebenso geschockt von der Situation und benötigen ebenfalls Beistand. Zudem teilt der Verteidiger den Angehörigen die sog. Buch-Nummer des Inhaftierten mit und kümmert sich um eine Besuchserlaubnis (sog. „Sprechschein“). Die Buch-Nr. ist für die nachfolgend genannten Schritte wichtig.

2. Kleidung vorbeibringen – keine sonstigen Gegenstände

Untersuchungshäftlinge haben das Recht, ihre eigene Kleidung zu tragen. Sie gelten als unschuldig und müssen daher nicht in Anstaltskleidung herumlaufen. Die Kleidung muss dem Betroffenen aber beschafft werden. Sie muss in der Wäscheabgabestelle vorbeigebracht werden (unter Angabe des Namens/der Buch-Nummer des Inhaftierten).

In der JVA Moabit besteht bspw. einmal pro Woche (bis zu 3x im Monat) die Möglichkeit, Kleidung von jeweils bis zu 5 kg abzugeben. Diese Regelungen gelten auch in anderen Vollzugsanstalten. Ein örtlich ansässiger Verteidiger kann hierzu beraten oder Sie rufen in der jeweiligen JVA an.

3. Geld nur auf das Haftkonto überweisen!

Es ist nicht zulässig, Geld jeglicher Währung abzugeben. Jeder Häftling hat allerdings ein sog. Haftkonto, auf das Geld überwiesen oder vom Anwalt direkt eingezahlt werden kann. Die Höhe des Betrags ist nicht begrenzt. Bei der Überweisung sollten Sie unbedingt Namen, Vornamen und (wenn Sie sie kennen) die Buch-Nr. des Inhaftierten angeben. Der Name sollte aber ausreichen.

Von diesem Geld kann der Betroffene im sog. Einkauf in der Haftanstalt Dinge des täglichen Bedarfs erwerben, was von den Inhaftierten als große Erleichterung empfunden wird.

In Berlin ist das Geld auf folgendes Konto zu überweisen: DE81 1001 0010 0007 2771 01 (Kontoinhaber: Zahlstelle der JVA Moabit, Bank: Postbank Berlin).

4. Sprechschein beantragen und Besuchstermin vereinbaren

Der Besuch von Angehörigen oder Freunden ist für jeden Inhaftierten eine gute Ablenkung vom tristen Haftalltag. Diese Abwechslung ist rar, denn die Gefangenen dürfen nur zweimal im Monat für 60 Minuten Besuch bekommen.

Sofern dem Inhaftierten Beschränkungen auferlegt wurden (das kann ein Anwalt für Sie klären), ist es vor einem Besuch in der JVA notwendig, einen sog. Sprechschein zu beantragen. Diesen stellt die Staatsanwaltschaft bzw. das Gericht aus. Gerne beantragt auch Ihr Anwalt eine Sprecherlaubnis.

Sodann sollten sich die Angehörigen oder Freunde rechtszeitig um einen Besuchstermin bemühen. Das muss telefonisch beim Besuchsdienst der Haftanstalt geschehen. In Berlin erreichen Sie den Besuchsdienst der JVA Moabit unter der Nummer: (030) 9014 – 5535. Die Termine sind stark begrenzt und sehr begehrt. Kümmern Sie sich also rechtzeitig um einen Termin.

Bringen Sie zu dem Termin unbedingt ein Ausweisdokument mit. Vorteilhaft wäre auch Bargeld von 15 EUR, denn damit können Sie für den Inhaftierten aus dort vorhandenen Automaten Nahrungs- und Genussmittel erwerben und an ihn übergeben lassen. Nahrungs- und Genussmittel (bspw. Zigaretten) können Sie nicht selbst mitbringen.

Seien Sie unbedingt pünktlich! Bei Verspätungen kann es sein, dass Sie einen neuen Termin vereinbaren müssen oder der Besuch verfällt.

Meiner Erfahrung nach benötigen auch immer die Angehörigen und Freunde von Untersuchungsgefangenen Hilfe beim Umgang mit der sehr belastenden Situation. Auf Strafrecht spezialisierte Rechtsanwälte können diese Hilfe leisten. Gerne stehe auch ich Ihnen hierfür zur Verfügung!


Rechtstipp vom 18.04.2016
aus der Themenwelt Untersuchungshaft und Haftbefehl und dem Rechtsgebiet Strafrecht

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