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Verkehrsrecht: Haftung bei Massenkarambolage

Jeder kennt den Grundsatz im Unfallrecht: „Wer auffährt, haftet!”

Juristen nennen das einen sogenannten Beweis des ersten Anscheins.

Um einen solchen Beweis des ersten Anscheins zu widerlegen, bedarf es in einem Prozess schon einer gewissen Kunst und auch dann ist es nur selten möglich. Daher kommt der Grundsatz, dass der Auffahrende bei einem klassischen Auffahrunfall zu 100 % haftet. 

Komplizierter sind Fälle, wo es im Rahmen einer Massenkarambolage zu mehreren Auffahrunfällen hintereinander kommt. Herr Mayer fährt Frau Müller hinten auf. Frau Schulz kann nicht rechtzeitig bremsen und fährt ihrerseits auf Frau Müllers Auto auf.

Das Kammergericht Berlin hat jetzt entschieden, dass bei solchen Kettenauffahrunfällen die Festsetzung einer Quote vom Normalfall abweicht. Bei der Quotenbildung kommt es auf die sogenannte Betriebsgefahr des Fahrzeugs an. Sind beispielsweise bei einem Unfall ein LKW und ein PKW beteiligt, so haftet der Halter des LKW grundsätzlichen quotenmäßig zu einem größeren Anteil, weil sein Fahrzeug im Vergleich mit einem PKW eine höhere Betriebsgefahr hat.

In dem hier vorliegenden Fall hat das Kammergericht entschieden, dass durch den vorangegangen Unfall die Betriebsgefahr des auffahrenden Fahrzeugs (in der Kette also des zweiten Fahrzeugs) dadurch erhöht wird, dass es den Bremsweg des dritten PKW reduziert und somit eine höhere Betriebsgefahr hat. Deshalb haftet der zuletzt Auffahrende nur zu 75 % und nicht nach dem oben beschriebenen Grundsatz zu 100 %.

Frau Rechtsanwältin Hermann ist Fachanwältin für Verkehrsrecht. Auch Frau Rechtsanwältin Ludolf und Frau Rechtsanwältin Steppling zählen das Verkehrsrecht zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten. Sollte Sie also Fragen bei der Abwicklung eines Verkehrsunfalls haben, stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung.


Rechtstipp vom 29.07.2015
aus dem Rechtsgebiet Verkehrsrecht

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