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Verkehrsunfall - Was tun?

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Rechtsanwalt Gergec aus der Kanzlei KGSW-Anwälte informiert über Rechte aus einem Verkehrsunfall

 

Das Statistische Bundesamt hat erst am 14. Juli 2020 offiziell die Unfallstatistik für das Jahr 2019 mitgeteilt. Danach ist die Zahl der polizeilich erfassten Unfälle in Deutschland in den letzten Jahren stetig gestiegen und erreichte in 2019 einen neuen Höchststand von rund 2,69 Millionen Verkehrsunfällen, was einer leichten Steigerung von knapp 2% im Vergleich zum Vorjahr entspricht, denn im Jahre 2018 lag die Anzahl der Verkehrsunfälle bei 2,64 Millionen. Statistisch gesehen hat die Polizei damit alle 12 Sekunden einen Verkehrsunfall aufgenommen.

 

Dabei erreichte die Zahl der Verkehrstoten (3046 Verkehrsopfer) auf deutschen Straßen im Jahr 2019 hingegen den niedrigsten Stand seit Beginn der Statistik vor mehr als 60 Jahren.

 

Laut des Statistischen Bundesamtes waren am 1. Januar 2020 bereits 58,2 Millionen Kraftfahrzeuge gemeldet. Auf Deutschlands Straßen sind demnach immer mehr Autos unterwegs und immer häufiger kommt es zu einem Verkehrsunfall.  Damit ist jeder, der am Straßenverkehr teilnimmt vor dem Risiko Beteiligter eines Autounfalls zu werden, nicht geschützt. Kurze Momente der Unachtsamkeit oder der Selbstüberschätzung genügen und das Unglück nimmt seinen Lauf.

Nach einem Unfall sind alle Beteiligten zunächst etwas verwirrt und stehen vermutlich unter Schock. Doch ist dieser erstmal bewältigt, gilt es für den Unfallgeschädigten Forderungen einzuholen. Allerdings ist dieser Part manchmal einfacher gesagt als getan, versuchen gegnerische Versicherungen zuweilen die Kosten zu drücken. Daher ist es nur recht, zu hinterfragen, was einem Geschädigten tatsächlich zusteht und was nicht.


Was tun als Geschädigter? 

 

Als Unfallgeschädigter hat man insbesondere gegenüber der gegnerischen Versicherung einiges zu beachten.

 

Einen Unfallbericht schreiben

Für die Schuldklärung, beispielsweise für die Zahlung von Schadenersatz durch die Versicherung, ist eine genaue Beschreibung des Geschehens entscheidend. Der Unfallbericht ist ein wichtiges Beweismittel bei der Aufklärung des Unfallhergangs. Er dient dazu, die Abfolge des Autounfalls zu rekonstruieren.


Den Unfallort fotografieren

Im Zeitalter des Smartphones ist es hilfreich, Fotos vom Unfallort mit den genauen Schäden zu machen. Achten Sie darauf, sowohl den Schaden am eigenen Auto als auch den des gegnerischen Unfallfahrzeugs zu fotografieren.

Machen Sie Bilder vom gesamten Unfallort aus verschiedenen Perspektiven. Darüber hinaus kann auch die Endstellung der Fahrzeuge für die spätere Rekonstruktion des Unfalls entscheidend sein.


Polizei rufen bei einem Autounfall?

Bei einem Verkehrsunfall die Polizei zu rufen, ist in vielen Fällen empfehlenswert. Zu den wichtigsten Situationen, die für eine Unfallaufnahme durch die Polizei sprechen, gehören:

  • Die Unfallsituation ist zu komplex, um Sie einfach in einem Unfallbericht (idealerweise führen Sie einen Unfallbericht im Handschuhfach mit) zu erfassen.
  • Beide Parteien des Unfalls sind zerstritten und es gibt keinerlei Kooperationsbereitschaft.
  • Der Unfall hat zu größeren Sachschäden oder gar Personenschäden geführt.
  • Sie kennen als Unfallgeschädigter Ihren Unfallgegner nicht.

 

An der Unfallstelle eingetroffen, findet eine polizeiliche Unfallaufnahme statt. Fotos und Protokolle sind eine wichtige Grundlage für den Gesetzgeber sowie der Haftpflichtversicherung, weshalb die professionelle Unfallaufnahme oft zu empfehlen ist.

 

Wann muss die eigene Versicherung informiert werden?

 

Nur für den Fall einer Teilschuld müssen Sie Ihre eigene Versicherung vom Unfall schnellstmöglich informieren, andernfalls riskieren Sie Ihren Versicherungsschutz und der Versicherer kann bei Ihnen ggf. Regress nehmen. Trifft Sie keinerlei Schuld, sollten Sie dringend davon absehen, Ihrer eigenen Versicherung den Unfall zu melden. Denn ansonsten besteht die Gefahr einer Höherstufung.


Sollte man einen eigenen Gutachter beauftragen?

 

Unfallgeschädigte sollten nichts dem Zufall überlassen. Im Rahmen des sog. Schadensmanagements gehen viele Haftpflichtversicherer dazu über, im Falle eines Unfalls den Beteiligten schnelle und unproblematische Hilfe anzubieten. Das Interesse des Versicherers liegt dabei oftmals darin, den Schaden durch einen eigenen – und nicht durch einen unabhängigen – Gutachter beurteilen zu lassen.

Das Hinzuziehen des „Hausgutachters“ der Versicherung dient in der Regel dazu, den erlittenen Schaden am Auto unnötig niedrig anzusetzen. Ein solches Kfz Gutachten müssen Sie nicht akzeptieren. Dem Geschädigten steht es offen, ein eigenes versicherungsunabhängiges Kfz-Gutachten durch einen erfahrenen Kfz-Sachverständigen erstellen zu lassen. Darüber hinaus soll erreicht werden, dass der Geschädigte selbst keinen Anwalt mit der Geltendmachung seiner Ansprüche beauftragt.

Die Hinzuziehung eines Sachverständigen ist immer sinnvoll, wenn nicht gerade ein Bagatellschaden vorliegt. Einen solchen nimmt die Rechtsprechung an, wenn die Schadenshöhe unterhalb von 750,00 € Reparaturkosten liegt. Sofern man der Geschädigte ist, übernimmt die gegnerische Versicherung die Gutachterkosten.

 

Kann ich im Schadensfall einen Rechtsanwalt zur Schadensabwicklung beauftragen und wer bezahlt dann die Anwaltskosten?

 

Im Rahmen eines Verkehrsunfalls sind dem Geschädigten nach gefestigter Rechtsprechung auch die Anwaltskosten zuzusprechen.

Der Unfallgeschädigte kann sich jederzeit zur professionellen Schadensabwicklung eines Rechtsanwaltes bedienen. Dies gilt auch in einfach gelagerten Fällen, in denen die Schuldfrage eindeutig zu Lasten des Unfallschädigers geklärt. Auch in diesen Fällen hat die Schädigerversicherung die Rechtsanwaltskosten des Unfallgeschädigten zu übernehmen.


OLG Frankfurt/Main (Az.: 22 U 171/13): „Auch bei einfachen Verkehrsunfallsachen ist die Einschaltung eines Rechtsanwalts von vornherein als erforderlich anzusehen. Gerade die immer unüberschaubarere Entwicklung der Schadenspositionen und der Rechtsprechung zu den Mietwagenkosten, Stundenverrechnungssätzen u.ä. lässt es geradezu als fahrlässig erscheinen, einen Schaden ohne Einschaltung eines Rechtsanwalts abzuwickeln.“

 
Wer also nach einem Unfall keinen Anwalt einschaltet, kann nach Auffassung des OLG Frankfurt/Main wegen der unüberschaubaren Entwicklung der Schadenspositionen und der Rechtsprechung zu den Mietwagenkosten, Stundenverrechnungssätzen u. a. nicht sicher sein, ob der eigene Schaden korrekt und vollständig beziffert wurde.


Das heißt: Sie müssen sich nicht um die nervenaufreibende und zeitintensive Abwicklung Ihres Unfalls kümmern. Das Honorar des Rechtsbeistands sowie die Kosten für das Gutachten sind von der Haftpflichtversicherung des Schädigers zu übernehmen. Dabei sollte ein Rechtsanwalt mit Schwerpunkt im Verkehrsrecht beauftragt werden.

 

 

 


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Verkehrsrecht

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