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Verkehrsunfall und Reparaturkosten - Tipps im Umgang mit der KfZ-Versicherung!

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Leider ist es immer wieder einer der Hauptstreitpunkte, mit denen man sich als Geschädigter im Rahmen seiner Schadenersatzansprüche nach einem Verkehrsunfall herumschlagen muss. Obwohl man mit dem Unfall an sich schon genügend zu klären hat und auch psychisch und u.U. physisch so ein Ereignis nicht spurlos an einem vorübergeht, steht immer häufiger auch noch die Versicherung im Weg und bereitet zusätzliche Schwierigkeiten. Oft gibt man dann genervt auf, weil man es einfach als lästig empfindet, hier nun auch noch Zeit, Nerven und Energie zu verwenden.

Aber auch wenn es zusätzlich Geld kostet, kann ich nur dazu raten:

Nehmen Sie sich im Schadensfall einen Anwalt und lassen Sie sich nicht durch ein schnelles Angebot der Versicherung mit einem Betrag abspeisen. Auch die Versicherung will Kosten sparen! Oft stehen dem Geschädigten mehr Geldleistungen zu, als ihm die Versicherung anbietet. Und nur ein im Verkehrsrecht erfahrener Anwalt weiß genau, was Ihnen alles zusteht!

Übrigens: Auch die Kosten, die Sie für den Anwalt in einem solchen Fall aufwenden müssen, muss die Versicherung letztlich erstatten!

Als kleines Beispiel möchte ich Ihnen eine aktuelle BGH-Entscheidung erläutern, die sich mit diesem seit langem heiß umstrittenen Thema in der Schadensregulierung bei Verkehrsunfällen befasst:

Der Kläger macht gegen den Beklagten restlichen Schadensersatz aus einem Verkehrsunfall geltend. Dabei wurde das Fahrzeug des Klägers, ein zum Unfallzeitpunkt ca. 9,5 Jahre alter VW Golf mit einer Laufleistung von über 190.000 km, beschädigt. Die Haftung des Beklagten steht dem Grunde nach außer Streit. Die Parteien streiten nur noch um die Frage, ob sich der Kläger im Rahmen der fiktiven Abrechnung seines Fahrzeugschadens auf niedrigere Stundenverrechnungssätze einer ihm vom Schädiger bzw. von dessen Haftpflichtversicherer benannten "freien Karosseriefachwerkstatt" verweisen lassen muss oder ob er auf der Grundlage des von ihm vorgelegten Sachverständigengutachtens die Stundenverrechnungssätze einer markengebundenen VW-Fachwerkstatt erstattet verlangen kann.

Der BGH hat an seiner bereits im sog. Porsche-Urteil (Urteil vom 29.04.2003, Az.: VI ZR 398/02) geäußerten Rechtsauffassung festgehalten, dass der Geschädigte seiner Schadensberechnung grundsätzlich die üblichen Stundenverrechnungssätze einer markengebundenen Fachwerkstatt zugrunde legen darf, die ein von ihm eingeschalteter Sachverständiger als Wert auf dem allgemeinen regionalen Markt ermittelt hat. Will der Schädiger den Geschädigten unter dem Gesichtspunkt der Schadensminderungspflicht im Sinne des § 254 Abs. 2 BGB auf eine günstigere Reparaturmöglichkeit in einer mühelos und ohne Weiteres zugänglichen "freien Fachwerkstatt" verweisen, muss der Schädiger darlegen und ggf. beweisen, dass eine Reparatur in dieser Werkstatt vom Qualitätsstandard her der Reparatur in einer markengebundenen Fachwerkstatt entspricht.

Ist dies der Fall, kann es für den Geschädigten gleichwohl unter dem Gesichtspunkt der Schadensminderungspflicht unzumutbar sein, sich auf eine Reparaturmöglichkeit in dieser Werkstatt verweisen zu lassen. Dies gilt insbesondere für Fahrzeuge bis zum Alter von 3 Jahren. Denn bei neuen bzw. neuwertigen Kraftfahrzeugen muss sich der Geschädigte im Rahmen der Schadensabrechnung grundsätzlich nicht auf andere Reparaturmöglichkeiten verweisen lassen, die ihm bei einer späteren Inanspruchnahme von Gewährleistungsrechten, einer Herstellergarantie und/oder Kulanzleistungen Schwierigkeiten bereiten könnten.

Auch bei älteren Kraftfahrzeugen kann es für den Geschädigten unzumutbar sein, sich im Rahmen der Schadensabrechnung auf eine alternative Reparaturmöglichkeit außerhalb einer markengebundenen Fachwerkstatt verweisen zu lassen. Dies ist etwa dann der Fall, wenn der Geschädigte konkret darlegt, dass er sein Kraftfahrzeug bisher stets in der markengebundenen Fachwerkstatt hat warten und reparieren lassen oder sein besonderes Interesse an einer solchen Reparatur durch eine konkrete Reparaturrechnung belegt.

Im Streitfall war das Urteil des Berufungsgerichts bereits deshalb aufzuheben und an das Berufungsgericht zurückzuverweisen, weil dieses zur Gleichwertigkeit der aufgezeigten alternativen Reparaturmöglichkeit noch keine Feststellungen getroffen hatte.

Sie sehen also es kann langwierig und schwierig sein Recht zu bekommen! Schon ein alter Rechtsgelehrter schrieb ein bedeutendes Werk: "Der Kampf ums Recht!" (R. Jhering)...

Wie man unschwer erkennt, gilt dies heute noch nach wie vor. Mitunter gewinnt man nicht selten den Eindruck, dass auch die gerade bestehende Wirtschaftskrise ihren Anteil mit dazu leistet, dass die Fronten zwischen den Parteien immer mehr verhärten.

Auch das ist mit ein Grund, warum wir Anwälte mehr denn je unseren Beitrag dazu leisten sollten, damit Betroffene zu ihrem Recht kommen.

Björn Blume, Rechtsanwalt


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Schadensersatzrecht & Schmerzensgeldrecht, Verkehrsrecht

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