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Verkehrsunfall, was nun? 10 Gebote, wie Sie Ihre Ansprüche sichern

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Ein Verkehrsunfall ist stets eine für alle Beteiligten außergewöhnliche und belastende Situation. Das ist verständlich und lässt sich auch nicht ändern. Oftmals stellen sich jedoch gerade in dieser Situation bereits die Weichen hin zu einer erfolgreichen Regulierung der Unfallschäden oder auch von ihr weg. Der Beitrag soll daher einige wichtige Hinweise geben, wie Sie sich nach einem Unfall verhalten sollten, um danach Ihre Ansprüche in vollem Umfang durchsetzen zu können. Die „10 Gebote“ seien bereits hier vorangestellt: 

Tipp Nr. 1: Fotos von der Unfallsituation machen!

Tipp Nr. 2: Kennzeichen und Namen des Unfallgegners notieren!

Tipp Nr. 3: Die Polizei rufen!

Tipp Nr. 4: Name und Anschrift (oder zumindest Telefonnummer) von Zeugen notieren!

Tipp Nr. 5: Keine Äußerungen zum Unfallgeschehen gegenüber der Polizei!

Tipp Nr. 6: Gehen Sie zum Arzt!

Tipp Nr. 7: Bringen Sie das Fahrzeug zum Gutachter!

Tipp Nr. 8: Führen Sie ein Unfalltagebuch!

Tipp Nr. 9: Informieren Sie Ihren Arbeitgeber!

Tipp Nr. 10: Gehen Sie zum Anwalt!

Zwar sollte eigentlich „unmittelbar“ nach dem Unfall schon mit der Aufarbeitung der Ereignisse angefangen werden, jedoch sei in aller Deutlichkeit noch einmal festgehalten, dass die Rettung der durch den Unfall verletzten Personen natürlich allen anderen Handlungen vorgeht. Dies also bitte nie aus den Augen verlieren!

Ohne hieraus direkt Vorwürfe erwachsen lassen zu wollen, muss eines festgehalten werden: Die Unfallaufnahmen durch die Polizei sind zwar fast immer nötig, selten jedoch für die spätere Regulierung wirklich zufrieden stellend. Daher müssen und heutzutage können Sie als Unfallbeteiligter die Beweissicherung selbst in die Hand nehmen. Fast jeder hat heutzutage ein Handy dabei, mit dem man Fotos machen kann.

Tipp Nr. 1 lautet daher: Fotos von der Unfallsituation machen!

Diese ersten Fotos sind übrigens so schnell gemacht, dass Sie sich nicht durch einen hinter Ihnen bildenden Stau nervös machen lassen sollten. Nach diesen ersten Fotos können Sie immer noch beiseite fahren. Falls die Unfallsituation selbst nicht mehr festgehalten werden kann, sollten unbedingt Fotos der Schäden an beiden Fahrzeugen gemacht werden. Nur in diesen Fällen verbleibt überhaupt die Chance, in späteren Streitigkeiten eine einigermaßen hochwertige Unfallrekonstruktion zu bekommen.

Natürlich muss man für eine Unfallregulierung wissen, bei wem man die Schäden geltend machen kann.

Tipp Nr. 2 lautet daher: Kennzeichen und Namen des Unfallgegners notieren!

Mehr brauchen Sie gar nicht tun, der Rest lässt sich rauskriegen. Über das Kennzeichen kann beim Zentralruf der Autoversicherer die zuständige Haftpflichtversicherung des Gegners ermittelt werden.

Trotz der oben leise geäußerten Kritik gilt nach wie vor:

Tipp Nr. 3: Die Polizei rufen!

Mit den herbeigerufenen Polizeibeamten haben Sie zwar keine unmittelbaren Unfallzeugen, jedoch immerhin neutrale Beobachter der Unfallfolgen. Sollte es Zeugen des Unfalls geben, gilt natürlich:

Tipp Nr. 4: Name und Anschrift (oder zumindest Telefonnummer) von Zeugen notieren!

Zeugen sind - sofern vorhanden - unentbehrlich und stets eine große Hilfe. Sie müssen hierbei immer bedenken, dass bei nicht mehr aufklärbaren Unfällen fast immer eine 50-50-Haftungsverteilung vorgenommen wird.

Wenn die Polizei dann einmal da ist, sollten Sie bedenken, dass Sie in aller Regel keine juristisch erfahrene Person sind und daher nicht einschätzen können, welche von Ihnen geäußerten Worte wie verstanden werden können. Die Juristerei besteht auch daraus, dass Ihnen Ihre Worte im Hals herumgedreht werden. Daher:

Tipp Nr. 5: Keine Äußerungen zum Unfallgeschehen gegenüber der Polizei!

Die Polizei ist auch nicht berechtigt dazu, jemandem an Ort und Stelle die Schuld für den Unfall zu geben. Das ist eine zivilrechtliche Frage! Dennoch kann Ihnen gar nicht oft genug dazu geraten werden, eine Einlassung zum Unfallgeschehen erst nach Rücksprache mit einem Anwalt abzugeben. Der Anwalt kennt die Fallstricke vor allem der Strafverfolger und Versicherer und hilft Ihnen, diese zu umschiffen.

Auch nachdem die Unfallstelle verlassen ist, gilt weiterhin: Wissen ist Macht! Sie sollten sich also auch danach darum bemühen, dass alles, was mit dem Unfall zu tun hat, möglichst gut dokumentiert ist. Sollten Sie (auch noch so leicht) verletzt worden sein, gilt unbedingt:

Tipp Nr. 6: Gehen Sie zum Arzt!

Lassen Sie durch Ihren Arzt die Verletzungen diagnostizieren. Oftmals kommt es teilweise Jahre später noch darauf an, festzustellen, ob die Verletzungen unfallbedingt waren. Es ist daher immer gut, Ihren gesundheitlichen Status quo nach dem Unfall mit dem davor abgleichen zu können. Außerdem ist die ärztliche Diagnose der Verletzungen unentbehrlich für einen eventuellen Schmerzensgeldanspruch. Hierzu jedoch gleich mehr.

Natürlich wollen Sie auch die Schäden an Ihrem Fahrzeug ersetzt haben. Aber Hand aufs Herz: Könnten Sie mir sagen, wie viel der Austausch des bei dem Auffahrunfall beschädigten Stoßfängers kostet? Können Sie erkennen, ob ein wirtschaftlicher Totalschaden vorliegt? Sehen Sie, daher beachten Sie bitte auch

Tipp Nr. 7: Bringen Sie das Fahrzeug zum Gutachter!

Sollte es sich um Kleinstschäden handeln, bei denen die Reparaturkosten einen Betrag von 750 - 1.000 € nicht übersteigen werden, reicht auch ein Kostenvoranschlag, denn dann werden Gutachterkosten nicht vom Gegner übernommen. In diesen Fällen also im Zweifel zuerst zur Werkstatt fahren und einen Kostenvoranschlag einholen.

Noch einmal zurück zum Schmerzensgeld: Hier kommt es oftmals darauf an, dass detailliert und genau zu den Unfallfolgen vorgetragen werden kann. Es kommt nicht nur auf die Verletzungen an sich an, sondern auch darauf, wie sich diese Verletzungen bei Ihnen bemerkbar gemacht haben. So ist es bspw. schmerzensgelderhöhend anzusehen, wenn Sie wegen der Verletzungen bestimmte Hobbys nicht ausüben konnten oder einen geplanten Urlaub absagen müssen. Daher lautet

Tipp Nr. 8: Führen Sie ein Unfalltagebuch!

In das Tagebuch ist einzutragen, wie es Ihnen heute geht, was für Aufgaben anstehen und inwieweit Sie Ihre Verletzung behindert. Durch solch plastischen und genauen Vortrag kann dann auch der Sachbearbeiter der gegnerischen Versicherung in Ihre Lage versetzt werden, was oftmals zu einem höheren Schmerzensgeld führt als wenn nur die in medizinischer Fachsprache verfassten Atteste auf dem Tisch liegen.

Bei Verletzungen, die zu Arbeitsunfähigkeit führen, dürfen Sie auch

Tipp Nr. 9: Informieren Sie Ihren Arbeitgeber!

beherzigen. Auch der Arbeitgeber hat Ansprüche gegen den Unfallgegner, denn der Arbeitgeber muss Sie bis zu 6 Wochen lang weiter bezahlen, obwohl Sie nicht arbeiten gehen können, woran wiederum ein anderer die Schuld trägt.

Wenn Sie die ersten 9 Tipps beherzigt haben, sind Sie schon auf einem guten Weg. Die effektive Durchsetzung der Ansprüche hängt jetzt nur noch davon ab, dass Sie diese einer Person überlassen, die sich damit auskennt. Daher lautet

Tipp Nr. 10: Gehen Sie zum Anwalt!

Suchen Sie sich hierbei bitte einen Anwalt aus, der sich auf das Verkehrsrecht spezialisiert hat. Bei der mittlerweile eingetretenen Vielfalt von möglichen Ansprüchen kann nur der Spezialist zuverlässig einschätzen, welche Ansprüche Ihnen in welcher Höhe zustehen und Sie auch entsprechend beraten und vertreten. Während z.B. die Geltendmachung eines Haushaltsführungsschadens durch viele nicht spezialisierte Anwälte gar nicht erst in Angriff genommen wird, kann Ihnen der Spezialist diese bereits im Erstgespräch halbwegs zuverlässig beziffern. Dies ist jedoch nur eine von vielen Stellen, wo der Unterschied zwischen Spezialisten und Nicht-Spezialisten deutlich wird. Deshalb mache ich z.B. auch kein Baurecht: Es bringt Ihnen nichts! Im Verkehrsrecht hingegen können Sie von mir umfangreiche und kompetente Beratung und Vertretung erwarten und erhalten diese auch.


Rechtstipp vom 02.12.2014

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