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Verluste bei geschlossenen Investmentfonds sind garantiert!

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Die Gewinnerwartungen der Anleger werden durch geschlossene Fonds häufig nicht erfüllt. Die versprochene Rendite von bis 10 % p. a. kann regelmäßig nur für einen sehr kurzen Zeitraum, gemessen an der Laufzeit des Investments, gezahlt werden. Eine Finanztest-Untersuchung ergab, dass von 1139 untersuchten geschlossenen Fonds (Immobilien-, Schiffs-, Windkraft- und Filmfonds) im Schnitt nur 6 % der Fonds ihre Gewinnprognose erfüllt haben. Der Großteil der untersuchten Fonds bescherte den Anlegern nicht unerhebliche Verluste.

Vielzahl von erheblichen Risiken für den Anleger

Geschlossene Fonds bergen bereits durch die Ausgestaltung als GmbH & Co. KG ein hohes Risiko für unerfahrene Anleger. In der Regel beteiligt sich der Anleger als Kommanditist mit einer Kommanditeinlage, welche je nach Fonds zwischen 5.000,00 EUR-25.000,00 EUR liegt, an der Fondsgesellschaft. Der Erfolg des Fonds hängt von dem wirtschaftlichen Erfolg und Geschick der Verwaltungsgesellschaft ab, so dass sich wirtschaftliche Fehler oder falsche Prognosen der Verwaltungsgesellschaft negativ auf die Beteiligung des Anlegers auswirken. Die Renditeziele einer Vielzahl der untersuchten Fonds wurden zu optimistisch angesetzt.

Spezielle Risiken des jeweiligen Investitionsobjekts

Darüber hinaus trägt der Anleger das spezifische Risiko des jeweiligen Investitionsobjekts. Bei Immobilien trägt der Anleger über sein Investment das Risiko der Mietauslastung oder von etwaigen versteckten Baumängeln. Der Anleger trägt bei Schiffsfonds das Risiko der Auslastung des Containerschiffs und der Unterhaltung (schwankende Betriebskosten etc.) und bei Filmfonds das Risiko, ob der produzierte Film ein Flop oder Erfolg wird.

Hohe Vermittlungsprovisionen

Die vermittelnden Banken verlangten hohe Vermittlungsprovision von min. 5 % der Beteiligungssumme, so dass durch die Gewinne der Anlage zunächst die hohen Anschaffungskosten des Anlegers refinanziert werden müssen, bevor die Anlage in die „Gewinnzone“ fährt.

Feste Laufzeit

Die Rücknahme der Anteile wird durch die Fondsgesellschaft für einen festen langfristigen Zeitraum ausgeschlossen, so dass sich der Anleger nicht durch eine vorzeitige Kündigung von seiner Beteiligung lösen kann. Eine Rücknahme der Beteiligung durch die Fondsgesellschaft ist für den festgelegten Zeitraum ausgeschlossen.

Kein öffentlicher Markt für die Beteiligung

Für Beteiligungen an geschlossenen Fonds besteht kein mit dem Aktienmarkt vergleichbarer Markt. Die Beteiligung kann nur über den Zweitmarkt über einen Makler veräußert werden, so dass der Anleger keine tagesaktuellen Kaufpreise für seine Beteiligung erhält. Die Veräußerung der Beteiligung ist nur mit deutlichen Abschlägen möglich.

Totalverlustrisiko

Ein bedeutendes Risiko der geschlossenen Immobilienfonds ist das Totalverlustrisiko, sollte sich die wirtschaftliche Entwicklung des Fonds negativ gestalten und das Anlagekonzept nicht aufgehen, ist ein erheblicher Verlust bis hin zum Totalverlust vorprogrammiert.

Nachschusspflicht

In den ersten Jahren nach der Auflage der Fonds werden die getätigten Renditezusagen, welche teilweise bei 10 % p.a. lagen, noch erfüllt. Regelmäßig werden die Ausschüttungen in den Folgejahren drastisch gekürzt oder eingestellt, da der Fonds nicht die prognostizierten Gewinne erwirtschaftet. Stellt sich später heraus, dass die getätigten Ausschüttungen nicht durch Gewinne gedeckt waren, stellen diese eine verdeckte Rückzahlung der Kommanditeinlage nach § 172 Abs. 4 HGB dar. Daraus folgt, dass der Verbraucher nicht nur sein investiertes Kapital verliert, sondern auch die vermeintlichen Gewinne zurückzahlen muss.

Anlageberatungshaftung

Dem Anleger steht gegebenenfalls ein Schadensersatzanspruch gegen die Bank, über die der jeweilige Fonds vermittelt wurde, zu. Die Kapitalanlage in einem geschlossenen Fonds entspricht häufig nicht dem Anlageinteresse und den Erfahrungen des Anlegers mit Kapitalanlagen. Geschlossene Fonds wurden regelmäßig als sichere Altersvorsorge angepriesen, diese Einschätzung ist, insbesondere wegen des potentiellen Totalverlustrisikos und der beschränkten Handelbarkeit der Anlage, nicht zutreffend.

Rückabwicklung und Verzinsung des eingesetzten Kapitals

Im Rahmen der Anlageberatungshaftung kann der Anleger das eingesetzte Investmentkapital als Schaden von der Bank gegen Übertragung der Beteiligung verlangen. Darüber hinaus kann der Anleger eine angemessene Verzinsung des Kapitals als Schadensersatz verlangen. Des Weiteren hat die Bank den Anleger von Forderungen wegen einer verdeckten Rückzahlung der Kommanditeinlage nach § 172 Abs.4 HGB freizustellen.

Demnach hat das Fondsinvestment keine negativen Folgen für den Anleger, wenn ein Fall der Anlageberatungshaftung vorliegt.

Wir, Decker & Böse Rechtsanwälte empfehlen, Ihre Beteiligungen an geschlossenen Fonds durch einen im Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisierten Rechtsanwalt prüfen zu lassen. In einer Vielzahl der Fälle können die Beteiligungen erfolgreich rückabgewickelt werden.

Ihr

Ulf Böse
Rechtsanwalt für Bank-, Kapitalmarkt- und Verbraucherrecht
Rechtanwalt und Partner bei Decker & Böse Rechtsanwälte


Rechtstipp vom 23.03.2016
aus der Themenwelt Finanzen und Versicherung und dem Rechtsgebiet Bankrecht & Kapitalmarktrecht

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