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Verspätetes Gepäck auf Flugreisen: Was tun, wenn der Koffer verspätet ankommt?

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Die Wahrscheinlichkeit, dass man nach einem Flug vergebens am Gepäckband auf seinen Koffer wartet, liegt in etwa bei 7 %. Sollte einem tatsächlich dieses Unglück widerfahren, so sollte man direkt im Anschluss am Flughafen bei der Airline den Verlust des Gepäcks melden, nach Möglichkeit schriftlich mittels eines entsprechenden Formulars.

Sollte die Gepäckverspätung am Reiseziel eintreten, ist man als Reisender zumeist darauf angewiesen, Ersatzkäufe zu tätigen. Die jeweiligen Kaufbelege sollten gut aufbewahrt werden, um der Airline den konkreten Schadensbetrag nachweisen zu können.

Rechtlich folgt der Anspruch gegen die Airline auf Schadensersatz ( = für Ersatzkäufe ausgegebener Geldbetrag) u. a. aus Art. 19 MÜ (Montrealer Übereinkommen). Demnach hat der Luftfrachtführer den Schaden zu ersetzen, der durch Verspätung bei der Luftbeförderung von Reisenden, Reisegepäck und Gütern entsteht. Die Ersatzpflicht ist jedoch dann ausgeschlossen, wenn der Luftfrachtführer nachweisen kann, dass er alle zumutbaren Maßnahmen zur Schadensvermeidung getroffen hat. Dies wäre bspw. dann der Fall, wenn die Verspätung wegen Maßnahmen des Zolls eintritt, auf welche der Luftfrachtführer keinen Einfluss hat.

Ein Ersatzanspruch nach dem Montrealer Einkommen ist dann möglich, wenn Abflug- und Zielflughafen in einem Mitgliedsstaat des Montrealer Übereinkommens liegen oder Abflug- und Zielflughafen sich im selben Vertragsstaat befinden, jedoch ein Zwischenstopp in einem Drittstaat erfolgt. Die meisten Länder, die von Deutschland aus angeflogen werden, sind ebenso wie Deutschland Mitgliedsstaaten des Montrealer Übereinkommens (MÜ). Durch die Verordnungen (EG) 2027/97 und 889/2002 wurde der Anwendungsbereich des MÜ erweitert: Das MÜ gilt nunmehr auch für Beförderungen innerhalb eines einzelnen Mitgliedstaates, d. h. bei einer Gepäckverspätung auf einem innerdeutschen Flug können ebenfalls Ansprüche nach dem MÜ geltend gemacht werden.

Voraussetzung für einen Schadenersatzanspruch wegen Gepäckverspätung ist außerdem, dass der Reisende innerhalb von 21 Tagen nach Erhalt des Gepäcks der Airline schriftlich die Verspätung sowie den entstandenen Schaden mitteilt (Art. 31 MÜ). Wird dies versäumt, ist eine Klage gegen die Airline in der Regel ausgeschlossen.

Nach einer Entscheidung des OLG Celle vom 06.03.2003 – 11 U 141/02 braucht die Schadensanzeige nicht unterschrieben zu sein. Eine Anzeige per Email ist ausreichend, da es genügt, wenn die Airline den Text ausdrucken kann. Sollte der Flug nicht von der gebuchten, sondern von einer anderen Airline ausgeführt worden sein, so ist es nun möglich und ausreichend, wenn gegenüber einer der beiden Airlines die Anzeige erfolgt.

Die Höhe des Ersatzanspruchs ist gemäß Art. 22 Abs. 2 MÜ auf „1131 Sonderziehungsrechte je Reisenden“ beschränkt. Der offizielle Kurs der sog. „Sonderziehungsrechte“ wird vom Internationalen Währungsfonds berechnet. Derzeit (Stand 17. Dezember 2017) entspricht dies einem Betrag von 1.361,03 €.

Ersatzfähig sind sämtliche Ersatzkäufe, die der Reisende billigerweise tätigen durfte. Welche Ersatzkäufe dies sind, hängt jeweils von den Umständen des Einzelfalls, insbesondere dem Reisezweck ab.

Oftmals weigern sich Airlines, die Kosten für die getätigten Ersatzkäufe zu übernehmen. Hiervon sollten sich Reisende nicht einschüchtern lassen und sofort einen auf Reiserecht spezialisierten Rechtsanwalt beauftragen. Die Kosten des Rechtsanwalts können sodann zumeist auf die Airline abgewälzt werden.


Rechtstipp vom 17.12.2017

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