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Verteidigung in Jugendstrafsachen

Rechtstipp vom 15.02.2013
Aktualisiert am 20.06.2017
Rechtstipp vom 15.02.2013
Aktualisiert am 20.06.2017

In diesem Artikel soll kurz auf die Besonderheiten des Jugendstrafrechts eingegangen werden.

1. Anwendbarkeit von Jugendstrafrecht

Das Jugendstrafrecht ist ein spezielles Strafrecht, das auf Jugendliche angewendet werden muss und bei Heranwachsenden zur Anwendung kommen kann. Grund dafür ist, dass das Jugendstrafrecht im Gegensatz zum allgemeinen Strafrecht das Erziehungsprinzip verfolgt. Jugendliche sollen in erster Linie nicht bestraft, sondern erzogen werden.

Jugendliche im Sinne des Gesetzes sind alle 14 bis 17-Jährigen. Als Heranwachsenden bezeichnet man Personen von 18 bis 20 Jahren. Für Personen, die 21 Jahre und älter sind, gilt das Erwachsenenstrafrecht. Entscheidend für die Beurteilung ist der Zeitpunkt der vorgeworfenen Tat.

2. Rechtsfolgen im Jugendstrafrecht

Das Jugendstrafrecht hat keine eigenen Straftatbestände, sondern regelt das besondere Verfahren bei Jugendlichen und die vom Erwachsenenstrafrecht abweichenden Strafen bzw. Rechtsfolgen. Die Rechtsfolgen des Jugendstrafrechts sind Erziehungsmaßregeln, Zuchtmittel und die Jugendstrafe. Erziehungsmaßregeln sind Weisungen des Richters, wie beispielsweise die Verpflichtung zur Teilnahme an einem sozialen Trainingskurs oder die Erbringung von Arbeitsleistungen. Unter dem Begriff Zuchtmittel werden die Erteilung von Auflagen, die Verwarnung und der Arrest zusammengefasst. Die Jugendstrafe ist der Freiheitsentzug in einer Jugendstrafanstalt.

3. Besonderheiten im Jugendstrafverfahren

Das Jugendstrafrecht sieht im Gegensatz zum Erwachsenenstrafrecht vor, dass die Hauptverhandlung gegen den jugendlichen Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Zudem nimmt ein Vertreter der Jugendgerichtshilfe an dem Verfahren teil, der dem Gericht etwas über die Persönlichkeit des Jugendlichen und seine Lebensumstände berichten soll. Die Jugendgerichtshilfe schlägt dem Richter zudem vor, wie der Jugendliche zu bestrafen ist. Zumeist finden schon im Vorfeld der Hauptverhandlung Gespräche des Jugendlichen mit der Jugendgerichtshilfe statt. Aber Obacht, die Vertreter der Jugendgerichtshilfe sind nicht zur Verschwiegenheit verpflichtet und haben kein Zeugnisverweigerungsrecht.

Eine weitere Besonderheit des Jugendstrafverfahrens ist, dass es neben den Einstellungsmöglichkeiten im Erwachsenenstrafrecht noch zahlreiche weitere Optionen gibt, das Verfahren durch Einstellung zu beenden. Verfahrenseinstellungen sind im Jugendstrafrecht sogar bei Verbrechensvorwürfen möglich. Hier hat Ihr Verteidiger einen wichtigen Ansatzpunkt auf einen für Sie günstigen Verfahrensabschluss hinzuwirken.

Gegen einen Jugendlichen kann kein Strafbefehl erlassen und eine Privatklage erhoben werden. Zudem ist der Anschluss des Verletzten als Nebenkläger erheblich eingeschränkt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass das Gericht davon absehen kann dem jugendlichen und auch dem heranwachsenden Angeklagten, auf den Jugendstrafrecht angewendet wird, die Verfahrenskosten aufzuerlegen.

4. Verhaltenstipps

Machen Sie gegenüber der Polizei keine Angaben, auch wenn die Polizeibeamten noch so nett erscheinen. Nehmen Sie auf jeden Fall Kontakt zu einem Strafverteidiger auf. Je früher Sie einen Strafverteidiger in das Verfahren einbeziehen, desto bessere Verteidigungsmöglichkeiten bestehen insbesondere im Hinblick auf eine Einstellung des Verfahrens gegen Sie. Sollte eine Einstellung in Ihrem Fall nicht in Betracht kommen, wird Ihr Anwalt Sie im Hinblick auf den weiteren Fortgang des Verfahrens und die beste Verteidigungsmöglichkeit beraten.

Kristin Raddi

Fachanwältin für Strafrecht

Schumacher & Partner PartG mbB


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Strafrecht

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