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Viel Theater um den Opernbesuch

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Viel Theater um den Opernbesuch
anwalt.de kurios - skurrile Ereignisse zum Thema Recht

Für den einen ist ein Abend in der Oper ein erstklassiges Musikerlebnis, für den anderen ist er ein Grund, am nächsten Tag den Hals-Nasen-Ohren-Arzt seines Vertrauens aufzusuchen. Vorausgesetzt, man hat es überhaupt am Opernhauspersonal vorbei in den Saal geschafft! Dass es gar nicht so leicht ist, eine Opernaufführung anzusehen, ohne selbst plötzlich und unfreiwillig im Rampenlicht zu stehen, zeigt folgender Fall.

„Kein Zutritt für Nachzügler!“

Ein Ehepaar wollte sich in Aachen die Oper „Nabucco“ ansehen, erschien jedoch aus unerfindlichen Gründen nicht rechtzeitig zum Vorstellungsbeginn. Frei nach dem Motto „Besser spät als nie“ verlangten die Eheleute unter Vorlage zweier gültiger Eintrittskarten Zutritt zum Saal, der ihnen jedoch versagt blieb. Der Ehemann fühlte sich hinters Licht geführt und machte eine Szene, bei der der Musikfreund kein Blatt vor den Mund nahm und den Hausmeister unter anderem mit Tiernamen betitelte – jedoch ohne Erfolg. Nach dem kurzen „Affentheater“ verließen die beiden verhinderten Opernbesucher das Gebäude. Später verlangte der Mann jedoch gerichtlich Ersatz des Eintrittspreises sowie der vergebens aufgewandten Fahrtkosten.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben

Das Amtsgericht (AG) Aachen wies sämtliche Ansprüche des Musikliebhabers zurück. Zu Recht hat das Opernhauspersonal den Nachzüglern den Zutritt zum Saal verwehrt. Schließlich herrscht beim Theater seit Jahrhunderten der Grundsatz „Vorhang auf Türen zu“. Grund dafür ist, dass sowohl Bühnenakteure als auch das restliche Publikum gestört werden, wenn sich Nachzügler „unter vielen ‚Entschuldigung‘ und ‚Darf ich mal‘ auf ihren Platz drängeln“. Hinzu kommt, dass gerade die Zuspätkommer zumeist ausgerechnet zur Mitte der Sitzreihe bzw. in besonders störanfällige Bereiche müssen und daher „unter den bereits sitzenden Zuschauern den aus Fußballstadien bekannten ‚La-Ola-Effekt‘ auslösen“.

Das Ehepaar konnte somit keinen Ersatz der Fahrtkosten verlangen. Eine Fahrt nach Aachen konnte nach Ansicht des Gerichts ohnehin nicht als vergebens angesehen werden – schließlich war es durchaus im Bereich des Möglichen, dass die Eheleute sich trotz des verdorbenen Opernabends in einem Restaurant oder einer übrigen Unterhaltungsstätte einen „vergnüglichen Abend“ gemacht haben.

Letztendlich blieben die Eheleute auch auf den Kosten für die Eintrittskarten sitzen. Nur weil jemand Eintrittskarten für die Oper oder das Theater hat, muss er ja noch lange nicht erscheinen und der Aufführung lauschen – oder er kann zwar körperlich anwesend sein, den Kunstgenuss aber im Rahmen eines „Opernschläfchens“ verweigern. Denn wie bereits George Bernard Shaw bemerkte, ist auch Schlafen eine Form der Kritik, vor allem im Theater. Vor diesem Hintergrund kann vom Karteninhaber kein pünktliches Erscheinen vertraglich verlangt werden – es ist lediglich eine Obliegenheit, wie auch das „Antreten zu einer Operation, der Anprobe für einen Maßanzug oder einer Porträtsitzung“. Als Ausgleich für das Bereitstellen der Akteure, des beheizten Saals und der Aufführung als solcher darf der Veranstalter dann aber das Eintrittsgeld behalten.

Dabei spielt es keine Rolle, was der Grund für das Zuspätkommen war, also z. B. ob sich seine Frau bei der Auswahl ihrer Garderobe einfach nicht entscheiden konnte oder ob er Opfer einer Autopanne oder der Parkplatznot in Aachen geworden ist.

(AG Aachen, Urteil v. 24.04.1997, Az.: 10 C 529/96)

(VOI)

Foto : ©iStockphoto.com


Rechtstipp vom 09.10.2014
aus dem Rechtsgebiet Zivilrecht

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