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Volljährigenunterhalt

  • 3 Minuten Lesezeit
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Eltern müssen ihrem Kind auch trotz Volljährigkeit weiterhin Unterhalt bis zum ersten Abschluss der Berufsausbildung oder des Studiums zu zahlen. Es kommt regelmäßig dann zu Zweifeln bei den Eltern an der Unterhaltsverpflichtung, wenn die Kinder wenig ambitioniert und zielstrebig ihre Ausbildung oder ihr Studium verfolgen. 

Immer wieder treten Eltern dann mit der Frage an uns heran, wie lange sie denn nun wirklich noch ihr Kind „finanzieren“ müssen. Hierbei gilt es einige Aspekte zu berücksichtigen.

Finanzierung kostspieliger Ausbildungen

Eltern sind zwar gesetzlich dazu verpflichtet, bis zum Abschluss einer ersten Berufsausbildung ihrem Kind Unterhalt zu zahlen (s. § 1610 Abs. 2 BGB), jedoch müssen auch die finanziellen Voraussetzungen der Eltern berücksichtigt werden. So müssen Eltern nicht bedingungslos jede kostspielige Ausbildung des Kindes finanzieren, wenn sie sich dafür selbst verschulden müssen und dies sogar zu ihrem wirtschaftlichen Ruin führen könnte. 

Abbruch der Ausbildung und Arbeitslosigkeit

Immer wieder kommt es vor, dass Kinder nach dem Abbruch einer Ausbildung zunächst arbeitslos sind, da sie nicht gewillt sind, sich eine neue Arbeitsstelle zu suchen. In diesem Fall müssen die Eltern ihr Kind nicht auf Dauer finanziell unterstützen, das Kind hat seinen Unterhaltsanspruch sozusagen verwirkt. 

Dennoch besteht für eine angemessene Übergangszeit weiterhin eine Unterstützungspflicht der Eltern gegenüber dem arbeitslosen Kind. Welche Zeit hier als angemessen erachtet wird, ist jeweils eine individuelle Entscheidung, bei der die genauen Gründe und Umstände des Abbruchs berücksichtigt werden müssen.

Anzahl der Ausbildungen 

Wie bereits zuvor gesagt, sind Eltern nur dazu verpflichtet, ihr volljähriges Kind bis zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss zu unterstützen. Kommt es dazu, dass das Kind immer wieder Ausbildungen abbricht, um neue zu beginnen, oder möchte es mehrere hintereinander machen, gilt dieser Grundsatz, sodass Eltern nur für eine Ausbildung den Unterhalt zahlen müssen. Ausnahmen gibt es hier jedoch auch. 

So kann es durchaus möglich sein, dass Eltern auch weiterhin unterhaltsverpflichtet sind, wenn nach der Ausbildung ein inhaltlich zusammenhängendes Studium begonnen wird, um die berufliche Qualifikation zu erhöhen (z. B. erst eine Lehre zum Bauzeichner und dann ein Studium zum Architekten). 

Hat ein Studium jedoch nichts mit einer vorherigen Ausbildung zu tun, so sind die Eltern auch nicht verpflichtet dieses Studium zu finanzieren (z. B. zuerst eine Lehre zur Versicherungskauffrau, dann ein Studium der Tiermedizin).

Verwirkung des Unterhaltsanspruchs 

Häufig stellt sich Eltern die Frage, ob sie noch unterhaltsverpflichtet sind, obwohl ihr Kind die Ausbildung abbricht oder die Studienzeit stark überschreitet. Prinzipiell gesteht der Gesetzgeber einem jungen Menschen zu, sich umentscheiden zu dürfen. Sind die Gründe nachvollziehbar, so darf das Kind seine Ausbildung abbrechen und eine neue beginnen, ohne dabei seinen Unterhaltsanspruch gegenüber den Eltern zu verlieren. Kritisch wird die Unterhaltssituation dann, wenn immer wieder Ausbildungen abgebrochen werden und erkennbar ist, dass das Kind nicht zielstrebig den Weg verfolgt, wirtschaftlich unabhängig von den Eltern zu werden. 

Ein grober Wert stellt hier beispielsweise die Regelstudienzeit dar. Dennoch kann auch für den Fall, dass nachweisbare Gründe vorliegen (z. B. Krankheiten), die durchschnittliche Studienzeit überschritten werden, ohne dass das Kind seinen Unterhaltsanspruch verloren hat. 

Insbesondere für Studenten sieht der Gesetzgeber eine Umorientierungsphase vor. So führt ein früher Studienfachwechsel beispielsweise während der ersten 3 Semestern nicht dazu, dass der Unterhaltsanspruch verwirkt wird. Anders sieht es jedoch bei einer Promotion aus. Hier besteht für das Kind kein Unterhaltsanspruch mehr. Nach Abschluss des Studiums können Kinder noch für eine Bewerbungsfrist von 3 Monaten Unterhalt von den Eltern verlangen. Darüber hinaus, sind Eltern jedoch nicht mehr zum Unterhalt verpflichtet.

Verdienst des Kindes während Ausbildung und Studium

Prinzipiell gilt, dass Auszubildende, die in ihrer Ausbildung Geld verdienen, dieses auf ihren Unterhaltsanspruch anrechnen lassen müssen. Für Studenten gilt, dass gelegentliche Nebenjobs nicht dazu führen, sich auf den Unterhaltsanspruch auszuwirken. Aber auch hier gibt es Ausnahmen, beispielsweise wenn ein Student durch die Nebentätigkeit selbst sehr hohe Einkünfte erzielt. 

Scheidung und Unterhalt

Sind die Eltern geschieden, dann sind beide mit Eintritt der Volljährigkeit barunterhaltsverpflichtet . Hat beispielsweise bislang nur der Vater den Barunterhalt für das Kind bezahlt und die Mutter den Naturalunterhalt in Form der Erziehung und Unterbringung des Kindes erbracht, muss nun auch die Mutter finanziell für das Kind aufkommen, in dem Rahmen, wie sie es sich finanziell leisten kann. 

Ein schlechtes Verhältnis zu einem Elternteil oder gar ein Kontaktabbruch, rechtfertigen übrigens nicht, dass der Elternteil den Unterhalt für das Kind verweigert. Die Unterhaltspflicht besteht weiterhin.

Tipp

Wie Sie sehen, sieht der Gesetzgeber in vielen Situationen Ausnahmen vor, sodass es sinnvoll ist, Ihre eigene Lebens- und Ausbildungssituation hinsichtlich etwaiger Unterhaltsverpflichtungen anwaltlich prüfen zu lassen. 

Gerne können wir Sie in Ihrer Angelegenheit beraten und anwaltlich vertreten. Ausdrücklich möchten wir jedoch darauf hinweisen, dass wir keine kostenlose Beratung anbieten. Aufgrund der Vielzahl von Anfragen aus dem Internet können wir auch Nachfragen zu diesem Artikel grundsätzlich nicht kostenlos beantworten.

Ihre KGK-Rechtsanwälte aus Köln-Rodenkirchen


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Familienrecht

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