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Vom wilden Affen gebissen

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Vom wilden Affen gebissen
anwalt.de kurios - skurrile Ereignisse zum Thema Recht

Oft muss man während des Urlaubs seine Unterkunft mit so manchem tierischen Bewohner teilen, z. B. mit Kakerlaken, tellergroßen Spinnen, Salamandern, Flöhen oder … Affen. Doch nicht immer kann der Feriengast – wenn er sich vom ersten Schreck erholt hat – deswegen den Reisepreis mindern. Diese Erfahrung mussten Urlauber machen, denen ihre Vorliebe für Bananen zum Verhängnis wurde.

„Warnung vor dem Affen“

Wer kennt es nicht, das Sprichwort: „Jemanden in die Hand beißen, die einen füttert“? Für zwei Urlauber, die es nach Kenia verschlagen hatte, erhielt dieser Satz eine ganz neue Bedeutung. In beiden Fällen machte ihnen nämlich nicht nur die Affenhitze in Afrika zu schaffen – auch die bekanntlich bananenzugeneigten Affen machten ihnen den Aufenthalt schwer. Während der erste Urlauber aber noch mehrfach darauf hingewiesen wurde, dass er wohl mit einem Affentheater rechnen muss, wenn er vor den Augen der haarigen Bananenliebhaber mit Essen herumrennt, wurde die Reisende im zweiten Fall unvorhergesehen Hauptdarstellerin des traurigen Theaters. Die Tiere stürzten sich nämlich mit einem Affenzahn auf die zwei Bananenträger, die ihn auch wortwörtlich zu spüren bekamen. Die Mundraubopfer zeigten daraufhin ebenfalls den nötigen Biss und zogen gegen ihren jeweiligen Reiseveranstalter vor Gericht.

Urlauber beißen auf Granit

Sowohl das Amtsgericht (AG) Köln als auch das AG München wiesen jedoch sämtliche Ansprüche der zwei Touristen ab. So liegt kein Reisemangel vor, wenn der Reiseveranstalter seine Reisegäste ausreichend darüber informiert hat – etwa auf einer entsprechenden Informationsveranstaltung und/oder mit diversen Warnschildern –, dass mit den Affen nicht gut Kirschen, besser gesagt Bananen essen ist. Selbst Mitteleuropäern müsste nach Ansicht des AG Köln bekannt sein, „dass Affen sich auf der Suche nach Nahrung nähern und bei Erspähen einer Banane auch versuchen, diese sich zu erobern“. Selbst wenn sich der Urlauber am liebsten in den Hintern gebissen hätte: Den Reisepreis durfte er nicht mindern (AG Köln, Urteil v. 18.11.2010, Az.: 138 C 379/10).

Doch auch wenn zuvor nicht über die hungrigen Affen im Hotel aufgeklärt wurde, so gehört ein Affenbiss in Kenia ebenso zum allgemeinen Lebensrisiko wie in Deutschland der Biss durch einen frei laufenden Hund. Nur: In Deutschland müsste der Hundehalter in den sauren Apfel beißen und Schadensersatz leisten. Hinzu kommt, dass gerade Touristen die Klettertiere immer wieder füttern – wen wundert es da, dass Letztere auf der Suche nach den wandelnden Futterquellen Hotelanlagen belagern und ihr Lieblingsnahrungsmittel einfordern? Die Richter des AG München jedenfalls nicht, weshalb sie auch einen Schadensersatzanspruch der Frau ablehnten (AG München, Urteil v. 08.12.1995, Az.: 111 C 24235/95).

(VOI)

Foto : ©iStockphoto.com


Rechtstipp vom 28.07.2014
aus dem Rechtsgebiet Reiserecht

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