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Von vergitterten Orten, brennenden Ladendieben und Geschwindschreibern

Rechtstipp vom 27.10.2008
Rechtstipp vom 27.10.2008

Sicher ist Ihnen auch schon mal aufgefallen, dass wir Juristen gelegentlich eine etwas eigensinnige Ausdrucksweise pflegen, die nur schwer verständlich ist. Ein Beispiel:

„Soweit auf Seiten Ihrer Mandantin die Auffassung vorliegt, die Vindikationslage bezüglich des streitgegenständlichen Chronometers sei eindeutig, stellen wir Klageerhebung anheim und bitten gleichzeitig, uns als bevollmächtigt im Passivrubrum zu berücksichtigen." Alles klar? Hier die Übersetzung:

„Die Uhr gehört nicht Ihrer Mandantin! Wenn sie das meint, soll sie klagen!"

Warum machen wir es eigentlich so kompliziert? Tja, ich denke, das ist wohl historisch bedingt. Wir lernen das nicht explizit, sondern wir gewöhnen es uns mit der Zeit an. Die verstaubte Juristensprache ist über Generationen seit dem römischen Reich übernommen worden und ist zu einem Großteil bis heute unverändert. Daher übrigens auch die vielen lateinischen Fachbegriffe mit denen hilflose Jurastudenten auch heute noch gequält werden. Einige davon sind allerdings auch in den gewöhnlichen Sprachgebrauch übergegangen, ohne dass man sich noch Fragen nach der Übersetzung stellt. Demnach müssten wir Anwälte eigentlich täglich im Knast sitzen, denn das Wort „Kanzlei" bedeutet ursprünglich „vergitterter Ort". Dem Ladendieb, der beim Griff ins Regal vom Detektiv erwischt wird, müsste eigentlich ziemlich heiß werden, denn „in flagranti" bedeutet übersetzt „in den Flammen".

Notare hingegen dürften Stenoprofis sein, denn sie sind dem Wortsinn nach „Geschwindschreiber". Nun, mit dem „geschwind schreiben" hapert es vielleicht etwas bei meinem Kollegen Walter Thimm, weil heutzutage das meiste diktiert wird. Aber das Amt des Notars hat eine lange Tradition, die bis ins frühe Mittelalter zurückreicht. Ein Notar hatte als einer der wenigen die lesen und schreiben konnten, wichtige Vorgänge zwischen Parteien niederzuschreiben und damit zu beurkunden. So ist es auch heute noch. Bestimmte Verträge mit enormer Tragweite für die Parteien, wie Grundstücks-, Erb- oder Eheverträge, müssen notariell beurkundet werden. Auch ein Testament sollte grundsätzlich in notarieller Form errichtet werden um sicherzustellen, dass es wirksam ist. Immer häufiger wird auch von Bürgerinnen und Bürgern die erst seit einigen Jahren bestehende Möglichkeit genutzt, über einen Notar die eigene Patientenverfügung oder eine Vorsorgevollmacht im so genannten Vorsorgeregister speichern zu lassen. Damit lässt sich gewährleisten, dass beispielsweise im Falle einer dauerhaften Bewusstlosigkeit die Person des Vertrauens zum Betreuer bestellt wird und nicht etwa ein völlig unbekannter Berufsbetreuer. Außerdem kann man wirksam verfügen, dass in gravierenden Fällen auf die Apparatemedizin mit lebensverlängernden Maßnahmen verzichtet werden soll, wenn man sich das so wünscht.

Dieses weite Feld lässt sich hier gar nicht abschließend darstellen. Einzelheiten zu derartigen Themen können wir Ihnen gerne erläutern. Aber auch bei sonstigen Fragen oder wenn Sie schon immer mal wissen wollten, was eine Vindikationslage ist, können sie uns natürlich anrufen und einen Beratungstermin in unserem „vergitterten Ort" vereinbaren.

 
P. Strüwe
Rechtsanwalt

aus den Rechtsgebieten Betreuungsrecht, Erbrecht, Familienrecht

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