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Vor- und Nachteile des Adhäsionsverfahrens

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Als Verletzter hat man sowohl im Bereich des Zivil-, aber auch des Strafrechts die Möglichkeit, seine aus einer Straftat erwachsenden vermögensrechtlichen Ansprüche durchzusetzen. Hierzu gehört auch die Geltendmachung von Schmerzensgeld. 

Der Adhäsionsantrag kann in jedem gegen einen Erwachsenen geführten Strafverfahren gestellt werden. Aus § 406 b S. 2 und S. 3 StPO ergibt sich, dass eine richterliche Entscheidung über den Adhäsionsantrag nur am Schluss der Hauptverhandlung ergehen kann.

Bereits im Ermittlungsverfahren kann man einen Adhäsionsantrag gegenüber der Staatsanwaltschaft ankündigen, um den Staatsanwalt / die Staatsanwältin darauf zu sensibilisieren, dass das Verfahren nicht bloß gegen Auflagen vorläufig eingestellt werden soll bzw. nicht in das Strafbefehlsverfahren übergeleitet werden soll. Dann wäre die Geltendmachung der Opferansprüche im Wege des Adhäsionsverfahrens leider verschlossen.

Vorangestellt: Ein Prozesskostenhilfeantrag kann auch im Adhäsionsverfahren gestellt werden.

Vorteil eines Adhäsionsverfahrens

1. Es gilt der Ermittlungsgrundsatz, d. h. der / die Vorsitzende muss den Sachverhalt ausermitteln, wofür dem Richter / der Richterin häufig Zeugen, Urkunden oder Sachverständige zur Verfügung stehen. Der Zeuge muss bspw. vor Gericht erscheinen und die Wahrheit (selbstverständlich auch vor dem Zivilgericht!) aussagen. Im Gegensatz zum im Strafverfahren geltenden Ermittlungsgrundsatz gilt im Zivilprozess der Beibringungsgrundsatz, d. h. die Parteien müssen alle entscheidungsrelevanten Tatsachen dem Gericht gegenüber vorbringen, vgl. § 282 ZPO, sodass eine richterliche Entscheidung gefällt werden kann.

2. Das Opfer muss nicht Gerichtskosten vorleisten, wie bspw. im Zivilprozess, mit Ausnahme bei Prozesskostenhilfebewilligung.

3. Bei mehreren Hauptverhandlungstagen erhält der Adhäsionsklägervertreter / die -vertreterin trotz allem „nur“ einmal eine 2,0 Gebühr – unabhängig vom Arbeitsumfang und der Anzahl der Hauptverhandlungstermine. Sollte der Mandant / die Mandantin kostenbewusst sein, so spart er / sie im Gegensatz zur zivilrechtlichen Geltendmachung (1,3 außergerichtliche Gebühr zzgl. 1,3 Gerichtsgebühr, ggf. unter Anrechnung einer 0,65 Gebühr zzgl. 1,2 Terminsgebühr) finanziell.

Vor- und auch Nachteil eines Adhäsionsantrags

Häufig ist der / die Vorsitzende im Strafrecht – gerade bei der Bemessung eines angemessenen Schmerzensgelds – auch und insbesondere nach einem Verkehrsunfall, der eine strafrechtliche Konsequenz haben könnte – überfordert. Die Geltendmachung eines angemessenen Schmerzensgelds liegt in der Regel einem / einer zivilrechtlich tätigen Vorsitzenden. Darin kann aber auch bei entsprechender Vorarbeit des Adhäsionsklägervertreters / der -vertreterin ein Vorteil liegen. Richtig vorbereitet, kann man einen Strafrichter / eine -richterin sogar zu einem Ausspruch auf einen höheren Schmerzensgeldbetrag bewegen.

Häufiger Nachteil eines Adhäsionsantrags

Ein Strafverfahren nimmt einige Zeit in Anspruch, weil der Sachverhalt zunächst von den Ermittlungsbehörden ausermittelt wird. Erst dann wir von der Anklagebehörde entschieden, wie das Verfahren fortgeführt wird: Einstellung, Anklage, Strafbefehlsantrag. Sobald die Anklage vorliegt und das Hauptverfahren eröffnet ist, kann der Adhäsionsantrag ans Gericht übermittelt werden – ggf. sind Verjährungsfristen zu beachten.

Achtung

Wenn der Anspruch bereits vor einem anderen Gericht geltend gemacht wird und anhängig ist, darf kein Adhäsionsantrag mehr gestellt werden.


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Opferhilfe, Strafrecht, Verkehrsrecht, Zivilprozessrecht, Zivilrecht

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