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Vorladung von der Polizei zur Beschuldigtenvernehmung? Die 3 wichtigsten Regeln!

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Wenn man ein Schreiben von der Polizei aus dem Briefkasten fischt, ist das immer ein Schock. Erst recht, wenn es sich um die Vorladung zu einer Beschuldigtenvernehmung handelt. Wenn Sie diesen Rechtstipp lesen oder sich mein oben verlinktes Video dazu anschauen, werden Sie garantiert alles richtig machen, wenn Ihnen eines Tages eine Vorladung zur Beschuldigtenvernehmung von der Polizei ins Haus flattert. Das kann schnell passieren, dafür reicht es schon aus, dass Sie einen Verkehrsunfall verursachen, bei dem jemand verletzt wird. 

Eine Vorladung von der Polizei wirkt immer irgendwie bedrohlich. 

Das ist klar, denn schon der Begriff „Vorladung“ klingt so, als würde etwas Schlimmes passieren, wenn man den Termin verpasst. Ungünstig ist auch, dass man oft nicht genau weiß, worum es eigentlich geht. In der Vorladung wird zwar der Vorwurf grob benannt. Da steht dann etwa: fahrlässige Körperverletzung am 01.01.2019. So richtig was anfangen kann man damit aber meistens nicht. Deshalb greifen viele direkt zum Telefonhörer und rufen bei der Polizei an, entweder, um den Termin zu verschieben, oder um zu erfahren, was eigentlich Sache ist. 

Das ist ein Fehler, denn im schlimmsten Fall wird man direkt am Telefon ausgefragt, ohne dass man das merkt. Brauchbare Infos zum Tatvorwurf wird man von der Polizei nicht bekommen. Und ein Verschieben des Termins ist nicht notwendig, dazu gleich mehr. 

Regel Nummer 1: Niemals bei der Polizei anrufen, wenn Sie eine Vorladung zur Beschuldigtenvernehmung erhalten.

Was bedeutet es eigentlich, wenn man eine Vorladung zur Beschuldigtenvernehmung von der Polizei bekommt? 

Das ist ganz einfach: 

Wenn Sie eine solche Vorladung bekommen, bedeutet das in jedem Fall, dass gegen Sie ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren geführt wird. Das wiederum setzt voraus, dass der Verdacht besteht, dass Sie eine Straftat begangen haben. Vielleicht hat jemand Strafanzeige erstattet. Das muss nicht immer das Opfer selbst gewesen sein. Die meisten Straftaten können auch durch Dritte angezeigt werden. Vielleicht hat die Polizei auch selbst irgendetwas wahrgenommen. 

Regel Nummer 2: Eine Vorladung von der Polizei zur Beschuldigtenvernehmung muss man immer ernst nehmen!

Als Beschuldigter haben Sie Rechte.

Eines davon ist, dass Sie sich zu den Vorwürfen äußern dürfen, um den Verdacht zu entkräften. Viele denken deshalb: Dieser Termin bei der Polizei ist eine gute Gelegenheit, um klarzustellen, dass man gar nichts gemacht hat. Das Blöde ist nur, dass man noch gar nicht so richtig weiß, worum es geht und was man gegen Sie in der Hand hat. Da kann es leicht passieren, dass man sich in Widersprüche verstrickt, selbst dann, wenn man die Wahrheit sagt.

Außerdem können rechtliche Laien oft gar nicht einschätzen, welches Verhalten vielleicht eine Straftat sein könnte. Und dann belastet man sich unbewusst selbst, indem man Dinge zugibt, von denen man gar nicht wusstet, wozu sie letztendlich geführt haben oder dass sie strafbar sind. 

Wenn Sie eine Vorladung von der Polizei erhalten, gehen Sie deshalb am besten einfach nicht hin. Man muss den Termin auch nicht absagen. Die Polizei vermerkt dann einfach in der Akte, dass Sie nicht erschienen sind. Obwohl der Begriff „Vorladung“ es vermuten lässt, ist man als Beschuldigter nicht verpflichtet, bei der Polizei zu erscheinen. Richtigerweise müsste es deshalb „Einladung“ heißen.

Regel Nummer 3: Nicht hingehen!

Was soll man denn dann tun?

Am besten ist es natürlich, einen Strafverteidiger zu beauftragen, der für Sie Einsicht in die Ermittlungsakte beantragt. Dann wird er mit Ihnen gemeinsam eine Verteidigungsstrategie erarbeiten. Wenn Sie sich keinen Verteidiger leisten können, können Sie selbst versuchen, mit dem auf unserer Internetseite unter Downloads zur Verfügung gestelltem Musterschreiben Einsicht in Teile der Akte zu bekommen. 

Ausnahme

Wenn die Vorladung zur Beschuldigtenvernehmung aber nicht von der Polizei, sondern von der Staatsanwaltschaft oder vom Gericht kommt, müssen Sie den Termin wahrnehmen. Trotzdem haben Sie als Beschuldigter eines Strafverfahrens auch dann das Recht, zu schweigen.

Schauen Sie sich gern auch mein Video zu diesem Thema an. 

Sie haben eine Vorladung zur Beschuldigtenvernehmung erhalten? Vereinbaren Sie gern einen persönlichen Termin mit mir. 


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Strafrecht | Europäisches Recht, Russisches Recht

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