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Vorzeitige Entlassung

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Hier kommen vor allem zwei verschiedene Varianten in Betracht, die ½ Strafe und die 2/3 Strafe. Eine vorzeitige Entlassung muss beantragt werden, insofern sollten Sie sich fachkundige Unterstützung holen. 

½ Strafe

Unter der sogenannten ½ Strafe versteht man eine vorzeitige Entlassung nach Verbüßen der halben Strafe. In der Praxis hat dies eher Ausnahmecharakter, ihr Anteil beträgt schätzungsweise 1,5 %. Voraussetzung dafür ist:

Der Verurteilte muss Erstverbüßer sein, also erstmals zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden sein und es muss eine günstige Legalprognose vorliegen. Das ist eine Abwägung zwischen der zu erwartenden Wirkung des bereits erlittenen Vollzuges und den Sicherheitsinteressen der Allgemeinheit.

Hier ist nicht ausschlaggebend, ob der Verurteilte weitere Straftaten begehen könnte. Es muss gerade keine Gewissheit künftiger Straffreiheit vorliegen, es genügt das Bestehen einer naheliegenden Chance für ein positives Ergebnis. Die Prognose wird anhand der Schwere der Tat und der abgesessenen Strafe bemessen. Das heißt, je schwerer die Tat, desto höher die Anforderungen. Aber die abgesessene Strafe wird hier berücksichtigt, je länger der Verurteilte sitzt, desto weniger wird die begangene Tat gewichtet. Gerade bei Ersttätern wird vermutet, dass der Vollzug seine Wirkung erreicht hat und dies der Begehung neuer Straftaten entgegenwirkt.

Das Leugnen oder das Nichtaufarbeiten der Tat steht einer vorzeitigen Entlassung nicht entgegen.

Auch eine Krankheit kann sich positiv auf die Legalprognose auswirken.

Des Weiteren darf die verhängte grundsätzlich Strafe 2 Jahre nicht übersteigen und es müssen mindestens 6 Monate der Strafe bereits verbüßt sein.

Ausnahmsweise kann auch eine Halbstrafe bei einer Freiheitsstrafe von mehr als 2 Jahren in Betracht kommen. Dafür muss eine Gesamtwürdigung von Tat, Persönlichkeit und der Entwicklung des Verurteilten während des Strafvollzuges ergeben, dass besondere Umstände vorliegen.

Besondere Umstände sind zum Beispiel, eine hohe Strafempfindlichkeit, besonders intensive Mitwirkung an der Erreichung des Vollzugsziels, reibungslose Vollzugslockerung über einen längeren Zeitraum, die Überwindung der die Tat auslösenden Konfliktsituation durch Festigung der Persönlichkeit.

Als letzte Voraussetzung muss der Verurteilte in die vorzeitige Entlassung einwilligen, das sollte die unproblematischste Voraussetzung sein.

2/3 Strafe

Hierfür muss 2/3 der Strafe bereits verbüßt sein. Des Weiteren muss eine günstige Prognose vorliegen. Hier ist nicht entscheidend, dass der Verurteilte keine weiteren Straftaten mehr begeht, sondern es wird zwischen der erwartenden Wirkung des erlittenen Vollzuges und den Sicherheitsinteressen der Allgemeinheit abgewogen. Das bedeutet, je schwerer die Tat, desto höher sind die Anforderungen. Auf der anderen Seite werden die Anforderungen auch geringer, je länger der Verurteilte bereits in Haft ist. Grundsätzlich ist eine Entlassung zum 2/3 Termin als Erstverbüßer der Regelfall, außer Sie fallen besonders negativ während des Vollzuges auf.

Achtung!

Bei einer vorzeitigen Entlassung entfällt die Reststrafe nicht, Sie wird in eine Bewährungsstrafe umgewandelt. Wird in der Bewährungszeit eine neue Straftat begangen, kann die Bewährung widerrufen werden und die Strafe muss bis zum Ende abgesessen werden.


Rechtstipp vom 17.08.2018
aus der Themenwelt Untersuchungshaft und Haftbefehl und dem Rechtsgebiet Strafrecht

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