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Wann sollte effektive Strafverteidigung einsetzen?

Rechtstipp vom 04.11.2015
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Die Antwort ist:

So früh als möglich.

Es gibt immer noch Kollegen, die sich darauf verlassen, es in der Hauptverhandlung schon richten zu können. Diese Einstellung kann ich nicht teilen.

Hierbei muss man wissen, dass die Mittel der Strafverteidigung in der Hauptverhandlung durchaus begrenzt sind. Häufig genug werden Verteidiger seitens des Gerichtes und der Staatsanwaltschaft als störendes Element im Strafverfahren betrachtet, insbesondere dann, wenn der Verteidiger konsequent die Rechte des Angeklagten wahrnimmt.

Auf diesem Hintergrund wird deutlich, dass die beste Hauptverhandlung die ist, die gar nicht erst stattfindet.

Dies hängt maßgeblich damit zusammen, dass eine Hauptverhandlung nur dann stattfindet, wenn zuvor das Gericht die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft zugelassen hat. Hier hat sich der Richter bereits im Vorfeld festgelegt und wird so schnell seine Meinung nicht revidieren. Denn Richtern geht es nicht anders als anderen Menschen: Sie haben Schwierigkeiten, eine einmal gefasste Meinung wieder zu ändern.

Deshalb muss aus meiner Sicht das Bestreben des Strafverteidigers dahingehen, die Hauptverhandlung möglichst zu vermeiden und bereits im Ermittlungsverfahren zu einem vertretbaren Ergebnis zu kommen. Dies kann zwar nicht immer gelingen. Jedoch wird sich ein nachhaltiger Einsatz im Ermittlungsverfahren auch regelmäßig im Hauptverfahren auszahlen.

Es gibt durchaus kreative Möglichkeiten, in geeigneten Fällen das Verfahren zu beenden. Es sind Einstellungen nach dem Opportunitätsprinzip, beispielsweise gegen Geldauflage, denkbar.

Es kann durchaus sein, dass in Absprache mit der Staatsanwaltschaft ein von dieser zu beantragender Strafbefehl akzeptiert wird, wenn eine Verfehlung des Mandanten nicht von der Hand zu weisen ist.

In jedem Fall ist dem Mandanten anzuraten, an seinem Fall aktiv hinsichtlich der konkreten Fragestellungen mitzuarbeiten.

Es reicht nicht aus, einmal eine Besprechung mit dem Strafverteidiger durchzuführen und sich dann in der trügerischen Hoffnung zu wähnen, der Strafverteidiger werde es schon richten.

Deswegen ermutige ich Mandanten immer wieder, an ihrer Sache engagiert mitzuarbeiten, wenn sie einem strafrechtlichen Ermittlungsverfahren oder einem Strafverfahren ausgesetzt sind.

Remagen, im November 2015


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Strafrecht

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