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Warum zum Fachanwalt für Strafrecht?

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Wer eine Vorladung von der Polizei oder eine Anklage im Briefkasten vorfindet, ist im ersten Moment – verständlicherweise – aufgeregt und geschockt. Ein Anwalt muss her!

Doch welcher Rechtsanwalt ist der richtige? Viele Beschuldigte kontaktieren „ihren Anwalt“, der sie bereits bei einer Scheidung oder dem letzten Verkehrsunfall vertreten hat. Oder man folgt einer Empfehlung von Verwandten und Freunden und geht zu einem Anwalt, der die letzte Mieterhöhung abgewehrt und das letzte Filesharing-Verfahren gewonnen hat.

Die Kollegen werden auf ihrem Rechtsgebiet (z. B. Mietrecht, Verkehrsrecht etc.) sicherlich gute Arbeit geleistet haben. Wenn Sie allerdings ein strafrechtliches Problem haben, sollten Sie immer einen ausgewiesenen Fachanwalt für Strafrecht zurate ziehen.

Oder gehen Sie bei Herzproblemen zum Zahnarzt?

Was ist ein Fachanwalt?

Der Fachanwaltstitel ist rechtlich geschützt. Er wird durch die Rechtsanwaltskammer nach einem förmlichen Verfahren verliehen.

Fachanwalt wird, wer in einem bestimmten Rechtsgebiet „besondere theoretische Kenntnisse“ und „besondere praktische Erfahrungen“ vorweisen kann. Ist der Rechtsanwalt zugleich Fachanwalt, verfügt er also auf seinem Fachgebiet über Kenntnisse, die „erheblich das Maß dessen übersteigen, das üblicherweise durch die berufliche Ausbildung und praktische Erfahrung im Beruf vermittelt wird“ (§ 2 Fachanwaltsordnung FAO).

Vergleichbar ist der Fachanwalt mit einem Facharzt.

Wie wird man Fachanwalt für Strafrecht?

Der Fachanwalt für Strafrecht verfügt nach § 13 Fachanwaltsordnung (FAO) über eine zusätzliche Qualifikation im Fachgebiet des Strafrechts. Es müssen besondere theoretische und praktische Kenntnisse nachgewiesen werden.

Fachanwaltslehrgang

Um den Titel „Fachanwalt für Strafrecht“ verliehen zu bekommen, ist zunächst das erfolgreiche Absolvieren eines theoretischen Fachanwaltslehrganges erforderlich. Dieser erstreckt sich meist über ein halbes Jahr und findet neben dem Hauptberuf, meist im Block am Wochenende, statt.

Im Strafrecht umfasst der Fachanwaltslehrgang folgende Bereiche:

  • Methodik und Recht der Strafverteidigung sowie den maßgeblichen Hilfswissenschaften
  • Materielles Strafrecht einschließlich Jugend-, Betäubungsmittel-, Verkehrs-, Wirtschafts- und Steuerstrafrecht
  • Strafverfahrensrecht einschließlich Jugendstraf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren sowie Strafvollstreckungs- und Strafvollzugsrecht

Am Ende der jeweiligen Lehrgangseinheiten muss der Teilnehmer eine 5-stündige Klausur erfolgreich bestehen, mithin also insgesamt drei Klausuren.

Besondere praktische Erfahrungen

Darüber hinaus hat der zukünftige Fachanwalt für Strafrecht „seiner“ Rechtsanwaltskammer nachzuweisen, dass er in den vergangenen drei Jahren mindestens 60 strafrechtliche Fälle bearbeitet und an mindestens 40 Hauptverhandlungstagen vor dem Schöffengericht oder einem höheren Gericht (ab Landgericht) teilgenommen hat.

Bei Verhandlungen vor dem Schöffengericht (oder einem höheren Gericht) handelt es sich um Verfahren, die besonders schwere Tatvorwürfe betreffen (Verbrechen, Freiheitsstrafe ab einem Jahr) oder um Rechtsmittelverfahren (Berufung, Revision).

Fortbildungspflicht

Nach dem Erhalt des Fachanwaltstitels ist er verpflichtet, jährlich an Fortbildungsveranstaltungen teilzunehmen und der Anwaltskammer hierüber einen Nachweis zu erbringen. Alternativ ist die Veröffentlichung von Fachaufsätzen oder die Tätigkeit als Dozent möglich.

Warum also zum Fachanwalt?

Wenn Sie auf der Suche nach einem Spezialisten für Ihr Rechtsproblem sind, sollten Sie sich immer an einen Fachanwalt auf dem jeweiligen Rechtsgebiet wenden. Der Fachanwaltstitel gewährleistet eine Beratung und Vertretung auf fachlich höchstem Niveau.


Rechtstipp vom 14.03.2018
aus der Themenwelt Fachanwalt und dem Rechtsgebiet Strafrecht

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