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Was ist ein Pflichtteil?

  • 3 Minuten Lesezeit

Kinder, Ehegatten und Eltern des Verstorbenen können einen Pflichtteilsanspruch geltend machen, wenn sie durch Verfügung von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen wurden. Das Testament muss also vorsehen, dass der Erblasser den Ausgeschlossenen entgegen der gesetzlichen Folge nichts zuwenden möchte.

1. Entstehung
Der Pflichtteilsanspruch entstehtim Zeitpunkt des Erbfalls. Die Höhe richtet sich nach dem Wert des gesamten Nachlasses zum Zeitpunkt der Erbschaft.

„Der Berechnung des Pflichtteils wird der Bestand und der Wert des Nachlasses zur Zeit des Erbfalls zugrunde gelegt.“ ( § 2311 Absatz 1 Satz 1 BGB)

Der Pflichtteil ist lediglich ein auf Geldzahlung gerichteter Leistungsanspruch und begründet keinerlei sonstige Rechte am Nachlass des Verstorbenen.
Etwaige Früchte, zum Beispiel Mieteinnahmen oder Wertsteigerungen, bis zur Auseinandersetzung des Nachlasses unter den Erben bleiben daher unberücksichtigt. Der Pflichtteilsberechtigte ist also auch nicht an der Erbengemeinschaft beteiligt und kann damit nicht an etwaigen Entscheidungen über die Verwertung des Nachlasses teilhaben.


2. Höhe
Die Höhe des Erbteils richtet sich nach dem Wert des gesetzlichen Pflichtteils. Der Anspruch beläuft sich auf die Hälfte der gesetzlichen Erbquote vom gesamten Nachlass. Entscheidend ist damit der Wert des Nachlasses. Zum Nachlass gehören alle Vermögenswerte, z.B. Grundstücke, Wertgegenstände und Forderungen, sowie in Abzug zubringende Verbindlichkeiten, wie Kredite, Grunddienstbarkeiten und sonstige Schulden des Verstorbenen.

Nicht selten stellt es für die Pflichtteilsberechtigten eine enorme Hürde dar, überhaupt Informationen zum Wert des Nachlasses zu erhalten. Schon die Enterbung als solche geht häufig mit einem Ausschluss aus der familiären Kommunikation und Teilhabe einher. In diesem Fall steht den Pflichtteilsberechtigten ein Auskunftsrecht gegen die Erben zu. Die Erben sind auf Verlangen der Pflichtteilsberechtigten verpflichtet, ein Verzeichnis über alle zum Vermögen gehörenden Rechtspositionen anzulegen und vorzulegen. Dabei kann der Pflichtteilsberechtigte insbesondere verlangen, zu der Erstellung des Verzeichnisses zugezogen zu werden und den Wert einzelner Gegenstände bestimmen zu lassen. Die Kosten dafür trägt nicht der Pflichtteilsberechtigte, sondern diese fallen dem Nachlass zur Last.

3. Pflichtteilsergänzungsanspruch
Ein Anspruch auf den Pflichtteil kann nicht nur durch eine Enterbung im Sinne eines völligen Ausschlusses von der Erbfolge entstehen.

Sieht das Testament etwa keine ausdrückliche Enterbung vor, sondern wird der gesetzliche Erbteil eines Erben durch die Verfügung auf weniger als den Pflichtteil reduziert, steht diesem ein sogenannter Pflichtteilsergänzungsanspruch in Höhe der Differenz zwischen dem Erbteil und dem eigentlichen Pflichtteil zu.
Beispiel: Der Wert des Nachlasses beträgt 100.000 €. Von vier Kindern soll eines nur ein Zehntel des Nachlasses, im Wert von 10.000 €, erben. Der gesetzliche Erbteil würde bei vier Kindern eigentlich 1/4 betragen. Der Pflichtteil in Höhe von 1/8 der Erbschaft beträgt damit 12.500 €.
In dem Beispiel ergebe sich damit ein Pflichtteilsergänzungsanspruch in Höhe von 2.500 € gegen die übrigen Erben.


Solche Konstellationen treten häufig auf, wenn Testamente im Rahmen von Teilungsanordnungen oder ähnlichem einzelnen Kindern Gegenstände etwa Grundstücke von teils erheblichem Wert hinterlassen. Um langen Auseinandersetzungen unter den Erben über die Höhe etwaiger Pflichtteilsergänzungsansprüche vorzubeugen, empfiehlt sich eine sorgsame Gestaltung des Testaments und gegebenenfalls eine frühzeitige Erstellung eines Nachlassverzeichnisses.

4. Fazit
Der Pflichtteil lässt insbesondere Kinder an dem Nachlass partizipieren, wenn sie durch Testament von der Erbschaft ausgeschlossen werden. Allerdings handelt es sich nur um einen Zahlungsanspruch und bietet keinerlei Teilhabe an der Verwaltung und Auseinandersetzung der Erbschaft. Die Pflichtteilsberechtigten haben dafür weitreichende Auskunftsrechte, um zu gewährleisten, dass der Anspruch der Höhe nach richtig ermittelt wird. Vorsicht ist insbesondere bei der Gestaltung von Testamenten geboten, wenn man beabsichtigt von der gesetzlichen Erbfolge zugunsten einzelner Abkömmlinge oder Verwandter abzuweichen.

Wir helfen Ihnen gerne bei der Gestaltung von Testamenten sowie der Erstellung von Nachlassverzeichnissen, um Ihnen und Ihren Liebsten Streit und Kosten in schweren Zeiten zu ersparen.



Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Erbrecht

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