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Was muss ich beachten, wenn ich mein früheres Testament widerrufen möchte?

Rechtstipp vom 26.11.2018
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Rechtstipp vom 26.11.2018
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Der Erblasser kann sein Testament entsprechend den gesetzlichen Regelungen auf vier unterschiedliche Arten widerrufen. Auch ein notarielles Testament kann durch ein privatschriftliches Testament widerrufen werden und umgekehrt. 

Selbstverständlich muss der Erblasser die Formalien der Testamentserrichtung des § 2247 BGB einhalten und zum Zeitpunkt des Widerrufes, wie schon bei der Testamentserrichtung, testierfähig sein. Verfassen Sie den Widerruf also vollständig handschriftlich, vergessen Ort und Datum nicht und unterschreiben das Dokument. Vertraglich kann dieses Widerrufsrecht nicht beschränkt werden, § 2303 BGB. 

Für unter Ehegatten gemeinsam errichtete Testamente sind wegen möglicher Wechselbezüglichkeiten die Besonderheiten der §§ 2271, 2296 BGB zu beachten.

Widerruf durch ein isoliertes Widerrufstestament, § 2254 BGB

§ 2254 BGB stellt lapidar fest, dass der Widerruf durch Testament erfolgt. Nach § 2253 BGB kann der Erblasser jederzeit das gesamte Testament als auch einzelner Verfügungen seines Testamentes widerrufen. 

So ein Widerrufstestament muss keinen besonderen Inhalt haben. Es reicht aus, zu schreiben: „Ich widerrufe hiermit das Testament vom … Ort, Datum“ und Ihre Unterschrift nicht vergessen. 

Wenn Sie das Widerrufstestament selbst widerrufen, § 2257 BGB, dann wird im Zweifelsfall das ursprüngliche Testament, das Sie widerrufen wollten, wieder wirksam. 

Widerruf durch Vernichtung oder Veränderung des Testamentes, § 2255 BGB.

Vernichten Sie das von Ihnen errichtete Testament oder nehmen daran Veränderungen vor, dann ist nach § 2255 S. 2 BGB zu vermuten, dass die Aufhebung des Testamentes beabsichtigt war. Unter Vernichtung kann man unterschiedliche Handlungen verstehen wie beispielsweise zerreißen oder verbrennen. Veränderungen können in Form von Streichungen von Teilen oder des gesamten Testamentes oder Wegschneiden eines Teils des Testamentes vorgenommen werden. 

Auch für die Wirksamkeit dieser Handlungen muss der Erblasser testierfähig gewesen sein. 

Zu beachten ist, dass ein stark eingerissenes Testament für die Vermutung spricht, dass der Erblasser dies selbst gemacht hat. Wer sich also auf die Wirksamkeit dieses eingerissenen Testamentes berufen möchte, der muss beweisen, dass der Erblasser keinen Widerruf beabsichtigt hatte. Fällt Ihnen als Erblasser eine starke Beschädigung des von Ihnen errichteten Testamentes auf, sollten Sie es sicherheitshalber neu verfassen. Vielleicht denken Sie darüber nach, Ihr Testament in amtliche Verwahrung zu geben, was auch bei handschriftlich errichteten Testamenten möglich ist. 

Wird ein Testament wirksam widerrufen, dann wird im Zweifel das frühere Testament oder, wenn es ein solches nicht geben sollte, die gesetzliche Erbfolge wirksam. Sie sollten also gut hinschauen, ob Sie vor dem von Ihnen zu widerrufenden Testament bereits ein oder mehrere Testamente erstellt hatten und entscheiden, ob Sie dann klarstellend alle bisher erstellten Testamente widerrufen möchten und ob dann tatsächlich die gesetzliche Erbfolge gelten soll.

Bitte beachten Sie, dass Sie ein zerrissenes Testament nicht einfach wieder zusammenkleben dürfen, damit es wieder gültig wird, denn § 2257 BGB ist der Rechtsprechung zufolge auf solche Fälle nicht anwendbar. Da hilft nur nochmaliges schreiben und unterschreiben. 

Kompliziert wird es, wenn Sie zwei Ausfertigungen Ihres Testamentes gefertigt haben und nur eine Fassung verändern. Welche Fassung gelten soll, überlassen Sie dann wahrscheinlich Richtern, die Ihren Willen durch Auslegung ermitteln müssen. Streit ist in solchen Fällen vorprogrammiert.

Widerruf durch Rücknahme aus der amtlichen Verwahrung, § 2256 BGB

Hinsichtlich der Folgen der Rücknahme Ihres Testamentes aus amtlicher Verwahrung ist zu unterscheiden zwischen einem notariellen und einem handschriftlichen Testament.

Geben Sie ein notariell oder handschriftlich erstelltes Testament in amtliche Verwahrung des Amtsgerichtes, dann erhalten Sie einen Hinterlegungsschein. Ihr Testament können Sie persönlich aber jederzeit herausverlangen, § 2256 Abs. 2 BGB. 

Lassen Sie sich ein notariell erstelltes Testament zurückgeben, dann gilt dieses Testament nach § 2256 Abs. 1 BGB nach Rückgabe als widerrufen.

Lassen Sie sich Ihr handschriftlich erstelltes und in öffentliche Verwahrung gegebenes Testament zurückgeben, dann hat die Rückgabe nach § 2256 Abs. 3 BGB keinen Einfluss auf die Wirksamkeit des Testamentes! Sie müssten dann Ihren Willen beispielsweise durch Vernichtung oder Veränderung zusätzlich zum Ausdruck bringen.

Wenn Sie Ihr amtlich hinterlegtes Testament noch einmal studieren wollen, steht Ihnen ein Einsichtsrecht zu. Lassen Sie Ihr Testament aus der amtlichen Verwahrung holen und studieren es auf der Geschäftsstelle und geben es sofort zurück, dann dürfte eine Rückgabe tatsächlich nicht vorliegen. Anders verhält es sich, wenn Sie das Testament mit nach Hause nehmen. Ein notarielles Testament gilt dann als widerrufen und müsste für eine erneute Hinterlegung neu errichtet werden. 

Widerruf durch ein späteres widersprechendes Testament, § 2258 BGB

Entsprechend § 2258 BGB wird ein früher durch ein neu erstelltes Testament nur insoweit widerrufen, als das neue Testament mit dem früheren in Widerspruch steht. Wollen Sie das frühere Testament insgesamt widerrufen, so sollten Sie dies auch klarstellend in das neu errichtete Testament aufnehmen.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Erbrecht

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