Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Was sollten Arbeitgeber bei der Genehmigung von Bürohunden beachten?

Rechtstipp vom 16.04.2019
(3)
Rechtstipp vom 16.04.2019
(3)

Immer mehr Arbeitnehmer entscheiden sich dafür, ihren Hund mit ins Büro zu nehmen. Der Vierbeiner kann positive Auswirkungen auf das Betriebsklima, die Gesundheit der Angestellten sowie auf ihre Motivation haben. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Arbeitnehmer seinen Vierbeiner ohne Absprache mitnehmen kann. 

Aus gesetzlicher Sicht ist die Mitnahme eines Hundes ins Büro ist zwar weder erlaubt noch verboten, aber der Arbeitgeber darf nicht umgegangen werden. Dies ergibt sich aus § 106 der Gewerbeordnung (GewO), die das Weisungsrecht des Arbeitgebers beschreibt. Danach kann er die Ordnung innerhalb des Betriebs festlegen.

Doch was sollte der Arbeitgeber beim Genehmigen der Mitnahme beachten?

Entscheidung liegt einzig beim Arbeitgeber

Grundsätzlich entscheidet allein der Arbeitgeber, ob ein Mitarbeiter seinen Hund ins Büro mitnehmen darf oder nicht. Der Arbeitnehmer kann somit nicht einfach ohne Erlaubnis des Chefs sein Haustier mitbringen. 

Der Arbeitgeber muss die Interessen seiner übrigen Mitarbeiter abwägen. Fühlt sich ein Kollege durch den Vierbeiner gestört oder verstößt dieser gegen die Hygienevorschriften, muss er zu Hause bleiben. 

In manchen Fällen kann auch der Arbeitnehmer einen Anspruch haben

Ist das Mitnehmen des Vierbeiners im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag durch den Arbeitgeber zugesagt worden, hat der Arbeitnehmer grundsätzlich Anspruch darauf. Außerdem darf er seinen Hund mitnehmen, wenn auch ein Kollege seinen Vierbeiner ins Büro an den Arbeitsplatz mitbringen darf. Denn grundsätzlich darf der Arbeitgeber nicht willkürlich einzelnen Angestellten die Mitnahme eines Hundes erlauben und anderen nicht. Das verbietet der arbeitsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz. 

Mitnahme schriftlich festlegen

Der Arbeitgeber und der Tierhalter sollten die Mitnahme des Bürohundes in einem separaten Vertrag festhalten. Das kann zum Beispiel im Rahmen einer Betriebsvereinbarung erfolgen. Beide Parteien können bestimmen, in welchen Räumen sich der Vierbeiner aufhalten darf und ob eine Haftpflichtversicherung besteht. Außerdem sollte der Arbeitgeber mit seinem Mitarbeiter festlegen, wie oft der Vierbeiner vor die Tür muss, da das Gassigehen Auswirkungen auf die Arbeitszeit hat.

Haftung regeln

Bevor der Hund im Büro Platz nehmen darf, sollten einige Fragen bezüglich der Haftung geklärt werden, wie beispielsweise, wer für den Schaden aufkommt, wenn der Vierbeiner Büromöbel zerstört oder gegebenenfalls einen Kollegen verletzt hat.

Grundsätzlich muss der Tierhalter – und nicht der Arbeitgeber – für einen Personen-, Vermögens- oder Sachschaden, den der Bürohund verursacht hat, in unbegrenzter Höhe aufkommen. Um dies abzuwenden, kann eine sogenannte Tierhalterhaftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Empfehlenswert ist es, dass der Arbeitgeber mit seinem Angestellten in der schriftlichen Vereinbarung zur Hundemitnahme festlegt, dass eine solche Haftpflichtversicherung besteht.

In einigen Bundesländern wie in Schleswig-Holstein, Thüringen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Hamburg und Berlin ist der Abschluss einer Tierhalterhaftpflichtversicherung gesetzlich vorgeschrieben. 

Genehmigung kann auch wieder entzogen werden

Der Arbeitgeber kann seinem Mitarbeiter die Erlaubnis zur Mitnahme seines Tieres jederzeit entziehen – auch wenn diese im Arbeitsvertrag schriftlich festgelegt ist. Das ist beispielsweise der Fall, wenn der Bürohund Mitarbeiter angeknurrt, sich aggressiv verhalten oder sogar zugebissen hat. Auch genügen bereits sachliche Gründe für den Entzug, beispielsweise wenn ein Kollege eine Hundehaarallergie hat oder unter Hundeangst leidet.

Bringt man den Hund trotzdem mit, kann das arbeitsrechtliche Folgen haben

Verstößt der Arbeitnehmer gegen das Verbot der Mitnahme, muss er zunächst mit einer Abmahnung rechnen. Im Wiederholungsfall muss er sogar mit einer verhaltensbedingten Kündigung rechnen.

Philipp Nacke, LL. M.

AfA Arbeitsrecht für Arbeitnehmer

Nürnberg  I Bamberg  I  Frankfurt  I  Berlin  I  Rostock


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.