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Was tun bei lügenden Zeugen? Gibt es Lügensignale?!

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In manchen Fällen lügen Zeugen. Manchmal absichtlich, manchmal unabsichtlich. Was ist dagegen zu tun? Das Gericht muss herausfinden, ob ein Zeuge lügt. Denn das Urteil darf nur auf „wahren Tatsachen“ beruhen: Was kann und muss also geprüft werden?

Bei der Überprüfung einer Zeugenaussage muss das Gericht sich mit folgenden Faktoren unter Umständen auseinandersetzen:

  • Größe und Veränderung eines Reizes
  • Vorrangigkeit des Reizes (Intensität, z. B. auch in Abhängigkeit von Licht oder Witterungsverhältnissen)
  • Wiederholung und Dauer der Beobachtung
  • Organische Bedingungen beim Wahrnehmenden (Funktionstüchtigkeit der Wahrnehmungsorgane, aber auch Hunger, Durst etc.) 
  • Interessenlage des Wahrnehmenden (sog. Aufmerksamkeitszuwendung, z. B. weil das Geschehen auch Auswirkungen auf den Zeugen selbst, Verwandte oder Bekannte hat)
  • Vorbesetzungen, Vorurteile und Langzeiteinstellungen des Zeugen

Denn die Fehlerquellen liegen in der Wahrnehmung, der Speicherung, der Reproduktion (Aussagetüchtigkeit im engeren Sinne) und schließlich dem Wahrheitsgehalt der Aussage (Glaubhaftigkeit i.e.S.) insgesamt. 

Es wird manchmal von Lügensignalen gesprochen, die so beschrieben werden als

  • Verlegenheit und Zurückhaltung bis hin zu Verweigerungs- oder Fluchttendenzen, auch in der Körpersprache 
  • Verbalsprachliche Kriterien (z. B. Freudsche Versprecher) 
  • Unterwürfigkeit oder – genau umgekehrt übertriebene Bestimmtheit des aussagenden Vorwegverteidigungs- („Wenn Sie mir vorwerfen würden, dass ich ...“) und Entrüstungssymptom („Unverschämtheit, mir zu unterstellen“) 
  • Kargheit, Abstraktheit und Detailarmut der Darstellung 
  • Glattheit (Aussage ohne Schilderung von Komplikationen) und Strukturbrüche.

Das Problem besteht aber darin, dass die „Lügensignale“ auch häufig anders gedeutet werden können. 

Notwendig ist eine genaue Analyse einer Aussage. In Zweifelsfällen müssen Sachverständigengutachten durch die Verteidigung beantragt werden. Ohne Rechtsanwalt wird es dann sicherlich nicht mehr gehen.


Rechtstipp vom 27.07.2017

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