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Wechselmodell als Regelfall?

Rechtstipp vom 15.02.2019
Rechtstipp vom 15.02.2019

Im Bundestag wird derzeit über die Einführung des Wechselmodells als Regelfall bei einer Scheidung diskutiert. Derzeit gibt es im Gesetz keine Festlegung, wo das Kind nach der Scheidung leben soll. Der Gesetzgeber setzt hier auf individuelle Lösungen, die Familien können und sollen eine Regelung für den Aufenthalt der Kinder selbst bestimmen.

Die Betreuung der Kinder wird auch in einer intakten Ehe von den Eheleuten sehr unterschiedlich gehandhabt. Es gibt auf der einen Seite Familien, bei denen die Mutter ganz zu Hause bleibt und sich zu 100 % um die Kinder kümmert, es gibt aber auch auf der anderen Seite Familien, in denen sich die Eltern die Betreuung und Berufstätigkeit teilen. Dazwischen gibt es viele Abwandlungen, die in den Familien vereinbart und von den Familien gelebt werden.

Das geltende Recht sieht vor, den Eltern diese Vielfalt an Betreuungsmöglichkeiten nach der Trennung zu erhalten und hat keinen Regelfall formuliert. Alles kann vereinbart werden.

Dabei orientieren sich diese Regelungen an der bisherigen Praxis, also daran, worauf die Familien sich während der Ehezeit verständigt haben. In jedem Fall ist das Kindeswohl das entscheidende Kriterium, nach dem Gerichte im Streitfall entscheiden müssen. Aber auch der Wille des Kindes ist ein wichtiges Kriterium.

Im Wechselmodell werden die Kinder eine Woche von der Mutter und dann eine Woche vom Vater betreut, sie wechseln jede Woche hin und her.

Dies setzt eine räumliche Nähe zwischen den getrennten Eltern voraus und zumindest eingerichtete Kinderzimmer in jeder Wohnung, Spielsachen, und Kleider müssen in größerer Menge angeschafft werden, damit die Kinder nicht jede Woche Koffer packen müssen. Die Betreuung der Kinder muss gesichert sein und beide Elternteile müssen sich die Verantwortung für die Kinder teilen, aber auch für die Finanzen für das Kind im Rahmen der Leistungsfähigkeit aufkommen.

In jedem Fall setzt dies aber eine Kommunikationsfähigkeit der Eltern voraus, um sich kurzfristig über die Belange der Kinder abzustimmen.

Der BGH hat bereits 2017 entschieden, dass das Wechselmodell nach den geltenden gesetzlichen Regelungen gerichtlich angeordnet werden kann. Voraussetzung ist, dass diese Regelung dem Kindeswohl in dem konkreten Fall am ehesten entspricht. Hierfür ist eine Kommunikations- und Kooperationsbereitschaft der Eltern festzustellen. Wenn die Eltern größere Konflikte haben, ist danach eine Anordnung des Wechselmodells nicht im Interesse des Kindes. In jedem Fall ist nach dem BGH für die Entscheidung, was dem Kindeswohl entspricht, das Kind anzuhören.

Es gibt heute also schon die Möglichkeit, das Wechselmodell zu vereinbaren, ca. 10 % der getrennten Familien entscheiden sich derzeit dafür.

Ein wichtiges Kriterium ist die Kommunikationsfähigkeit und die Kooperationsbereitschaft zwischen den Eltern. Diese kann mit einem Mediationsverfahren herbeigeführt und verstärkt werden. Ziel der Mediation ist es dann, die Interessen der Kinder in den Vordergrund zu stellen und eine einvernehmliche Regelung für die Kinder zu vereinbaren.


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