Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Wechselmodell – sinnvoll oder nicht?

(11)

Trennung – was nun?

Wenn Eltern getrennt leben, müssen sie sich Gedanken darüber machen, wo zukünftig die Kinder leben sollen und wie und in welchem Maße sie sich als Eltern beide auch zukünftig bei der Betreuung ihrer Kinder einbringen können.

Hier trifft beide Eltern als Ex-Partner die große Verantwortung, losgelöst von eigenen Befindlichkeiten eine Lösung zum Wohle ihrer Kinder zu finden, die Kontakt zu beiden Elternteilen gewährleistet und gleichzeitig die Belastungen für die Kinder so klein wie möglich hält.

Residenzmodell – Wechselmodell – Nestmodell

In den weitaus überwiegenden Fällen vereinbaren die Eltern das sogenannte „Residenzmodell“: Die Kinder haben ihren Lebensmittelpunkt fest bei einem Elternteil und besuchen den anderen an festgelegten Tagen und in den Ferien. Beim „Wechselmodell“ teilen sich die Eltern die Betreuung in etwa hälftig auf, die Kinder wechseln also beispielsweise einmal wöchentlich vom einen Elternteil zum anderen. Das sogenannte „Nestmodell“ spielt in der Praxis die geringste Rolle: Hier wechseln sich die Eltern ebenfalls in der Betreuung ab. Während aber die Kinder (meist in der vorherigen Familienwohnung) ihren festen Wohnsitz haben, kommen hier die Eltern im Wechsel zu den Kindern.

Das Residenzmodell ist nach wie vor der Klassiker schlechthin und wird von den meisten Familien favorisiert, sei es aus strukturellen, sei es aus persönlichen oder finanziellen Gründen. Das Nestmodell ist die teuerste Variante und lässt sich darüber hinaus nur verwirklichen, wenn das persönliche Verhältnis der getrennten Partner nach wie vor so gut ist, dass man sich gerne den Wohnraum teilt und sei es auch nur im Wechsel. Hier soll unser Hauptaugenmerk aber auf dem Wechselmodell liegen.

Wechselmodell – pro und contra

Als vor Jahren das Wechselmodell (oder Paritätsmodell) vermehrt vereinbart wurde, konnte man den Eindruck gewinnen, man habe den Stein der Weisen gefunden. Kinder halten sich nun, teilweise von klein auf, in immer mehr Familien hälftig oder nahezu hälftig bei beiden Elternteilen auf, pendeln also in festgelegten Zeiträumen zwischen zwei Haushalten. Positiv erscheint, dass sich nun auch die Väter, die sich in der Vergangenheit häufig als bloße „Zahlväter“ degradiert fühlten, in den Alltag mit einbringen können, auf der anderen Seite aber eben auch zuständig sind für Hausaufgabenbetreuung, Fahrdienste, Betreuung kranker Kinder, und nicht nur für sogenannte „Highlights“. Das Modell passt auch gut in eine emanzipierte Welt, in der Mütter ebenfalls berufstätig sind und sich der traditionellen Rollenverteilung verwehren.

Soweit die Theorie. In der Praxis verlangt das Wechselmodell von den Kindern erhebliche Anpassungsleistungen ab. Je nach vereinbartem Turnus bewältigt das Kind regelmäßig einen kleinen Umzug. Zwei Kinderzimmer und zwei Zuhause bedeuten, dass all diejenigen Dinge, die Geborgenheit vermitteln, zeitweise nicht verfügbar sind. Logistisch kommen alle Beteiligten an ihre Belastungsgrenze, man denke an Schulsachen, Sportzeug, Musikinstrumente. Viele Dinge werden die Eltern doppelt anschaffen müssen, Kleidung, Fahrrad etc. Die soziale Einbindung ist ebenfalls erschwert, zumindest wenn die Eltern nicht in unmittelbarer Nachbarschaft leben und die Kinder noch nicht mobil sind. Und nicht zuletzt müssen die Eltern sehr gut miteinander kommunizieren können, für viele Ex-Partner ein eher schwieriges Unterfangen. Verschiedene Erziehungsstile sind von beiden Ex-Partnern zu tolerieren, was bisweilen ebenfalls schwerfallen mag.

Zudem wirkt sich die Vereinbarung eines Wechselmodells auch in finanzieller Hinsicht aus: wenn tatsächlich die Betreuungsanteile hälftig sind und die beiderseitigen Einkünfte ähnlich hoch, wird kein Kindesunterhalt mehr gezahlt, sondern beide Elternteile kommen zusammen finanziell für den Gesamtbedarf auf. Auch wenn Ersparnisse durch den Aufenthalt beim anderen Elternteil gegeben sein mögen, laufen doch auch viele Kosten weiter und müssen trotzdem aufgebracht werden.

Wie kann es trotzdem gehen?

Letztendlich kann ein solches Modell funktionieren, soweit die Eltern finanziell bessergestellt sind, nicht zu weit voneinander entfernt wohnen, miteinander noch sehr gut kommunizieren können und vor allem wenn die Kinder es in vollem Umfang unterstützen. Hier müssen Eltern, unabhängig von ihren eigenen Vorstellungen, das Wohl ihrer Kinder sehr genau im Blick haben. Alle Beteiligten müssen immer eine für sie passende und individuelle Lösung finden. Und zum beteiligten Kreis gehören eben auch die Kinder. Bei Kommunikationsschwierigkeiten kann eine Mediation hilfreich sein. Nie darf man jedoch aus dem Blick verlieren, dass das Wechselmodell der Pflege der Eltern-Kind-Beziehung dienen soll und kein Machtinstrument im Verhältnis der getrennten Partner zueinander sein darf.


Rechtstipp vom 27.02.2017
aus der Themenwelt Sorgerecht und Umgangsrecht und dem Rechtsgebiet Familienrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Informationen über aktuelle Gesetzesänderungen, neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter

Ihre E-Mail-Adresse wird nur für den anwalt.de-Newsletter verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können den anwalt.de-Newsletter jederzeit wieder abbestellen.