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Weitere vier Irrtümer über Ehe und Scheidung

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1. Mein/-e Ex hat einen neuen Partner, also muss ich keinen Unterhalt mehr zahlen

So ärgerlich das für den Betroffenen oft ist, auch wenn der oder die Ex eine neue Beziehung eingeht, muss der Unterhalt weiter gezahlt werden. Ziehen die beiden zusammen, so mindert sich der Unterhalt oft, da der Bedarf des Unterhalt Begehrenden sich um die Ersparnisse, die eine gemeinsame Lebensführung mit sich bringt, mindert. Das ist im Einzelfall jedoch sehr unterschiedlich. Das Einkommen des neuen Partners spielt erst dann wirklich eine Rolle, wenn die beiden in einer sogenannten „verfestigten Lebensgemeinschaft“ leben. Davon ist grundsätzlich frühestens nach einem Jahr des Zusammenlebens auszugehen. Dann kann, wenn der neue Partner über ein entsprechendes Einkommen verfügt um den Unterhaltsbedarf auch des oder der Ex zu sichern, eine Unterhaltspflicht entfallen.

Immer wieder kommen vor allem Männer in meine Kanzlei und erklären mir aufgebracht, dass ihre Noch-Frau mit einem neuen Partner zusammengezogen ist und sie dann „natürlich“ die Unterhaltszahlungen eingestellt haben. Jetzt sei die Ex so dreist und habe einen Anwalt beauftragt, der ihn nun auffordert, den Unterhalt weiter zu zahlen. Dem solle ich nun mal klarmachen, dass dafür jetzt der Neue zuständig sei.

Menschlich kann ich es verstehen, dass der Mann, gerade dann, wenn er von der Frau wegen einem anderen verlassen wurde und diese nun auch noch mit demjenigen zusammenzieht, wenig Ambitionen hat, diese neue Partnerschaft aus seiner Sicht mitzufinanzieren. Umgekehrt wäre ich als Frau ja auch nicht glücklich darüber, wenn ich meinem Ex, der mit seiner neuen Flamme zusammenlebt, noch Unterhalt zahlen müsste.

Doch zu dem Scheitern einer Ehe haben, das muss man sich halt eingestehen, beide Eheleute ihren Anteil beigetragen. Wenn ein Ehegatte dann nach der Trennung unterhaltsbedürftig ist, liegt das zumeist daran, dass während der Ehe beide Partner einvernehmlich entschieden haben, dass – meistens immer noch die Frau – um die gemeinsamen Kinder zu betreuen, oder weil der Mann gerne möchte, dass seine Frau den Haushalt führt und da ist, wenn er nach Hause kommt und die Frau diesen Wunsch teilt, diese nicht oder nur in Teilzeit gearbeitet hat. Da muss man dann eben auch die Folgen tragen und dieser Frau die Zeit und Möglichkeit geben, – soweit möglich – erst einmal wieder finanzielle Unabhängigkeit zu erwerben.

2. Die Kinder bleiben bei mir

Dies ist für viele Frauen eine Selbstverständlichkeit. Meist haben sie ja die Kinder überwiegend betreut und großgezogen.

Doch inzwischen gibt es halt auch viele ambitionierte Väter, die bei einer Trennung das Kind oder die Kinder gerne bei sich behalten und die Verantwortung für sie übernehmen wollen.

Grundsätzlich gilt: Beide Elternteile haben gleiche Rechte und Pflichten in Bezug auf die Kinder. Es besteht das gemeinsame Sorgerecht.

Wenn sich die Eltern nicht darüber einigen können, wo das Kind oder die Kinder in Zukunft leben, entscheidet im Streitfall das Familiengericht. Allein maßgeblich ist für das Gericht das Wohl des jeweiligen Kindes, d. h., der Richter oder die Richterin prüft, bei wem die Kinder es unter Berücksichtigung mehrerer Kriterien am besten haben. Die Kinder selbst werden, soweit sie alt genug sind (meist so ab 4 Jahren), angehört und auch ihr Wunsch ist ein Entscheidungskriterium. Kinder ab 14 Jahren dürfen grundsätzlich selbst entscheiden, bei wem sie zukünftig leben möchten. Nur in Ausnahmefällen, wenn das Gericht zu dem Schluss kommt, dass diese Entscheidung dem Wohle des Kindes eklatant widerspricht, weicht es von dem Wunsch ab.

Kinder sind leider oft bei einer Trennung der größte Zankapfel der Eltern. Im Zuge verletzter Gefühle ist es für den jeweiligen Elternteil oft schwer, Entscheidungen, die die Kinder betreffen, nur unter dem Gesichtspunkt zu treffen, was für diese am besten ist. Gerade Mütter, die zu mir kommen, haben oft Angst, dass ihnen nun auch noch die Kinder vom Mann „weggenommen“ werden und reagieren panisch, wenn ein Kind, nachdem es den Vater gesehen hat, sagt, dass es ihm dort gut gefallen hat.

Diese Angst ist fast immer unbegründet. Kinder, die die Mutter während der Ehe als Hauptbezugsperson erlebt haben, werden nicht so ohne Weiteres den Wunsch verspüren, nun beim Vater zu leben, auch wenn dieser über größere finanzielle Mittel verfügt.

Umgekehrt (der Vater war die Hauptbezugsperson) gilt das natürlich ebenso.

Ganz wichtig ist es zu respektieren, dass die Kinder mit der neuen Situation, dass nämlich ihre Eltern nun getrennt leben, auch erst einmal zurechtkommen müssen. So emotional belastend die Trennung für Sie als Eltern ist, sollten sie nie aus den Augen verlieren, dass ihre Kinder mindestens ebenso belastet und zudem von Ihnen und Ihren Entscheidungen abhängig sind.

3. Ich höre auf zu arbeiten, dann muss ich keinen Unterhalt zahlen

Diese fatale Auffassung ist noch recht verbreitet.

Wenn nicht anders, so muss man es der/dem Ex doch wenigstens über das Zudrehen des Geldhahnes heimzahlen können. Da das nur Erfolg verspricht, wenn man nicht mehr über genug Einkommen verfügt wird, streng nach dem Motto „Greif mal einem nackten Mann in die Tasche“ die Arbeit aufgegeben.

Doch wer das tut, für den gibt es ein böses Erwachen. Verliert ein Unterhaltsschuldner schuldhaft seinen Arbeitsplatz, so wird er unterhaltsrechtlich so behandelt, als hätte er die Arbeit noch. Der Unterhalt wird dann nach dem aus dieser Tätigkeit erzielbaren Einkommen „fiktiv“ berechnet. Das hat zur Folge, dass der Unterhalt trotzdem in voller Höhe weiter geschuldet ist. Zum Schluss sitzt derjenige meist auf einem gewaltigen Schuldenberg.

Darüber hinaus ist dieses Verhalten auch strafbar.

Nach § 170 StGB wird derjenige, der seine Unterhaltspflicht verletzt, mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft.

4. Mir gehört die Hälfte des Vermögens des Partners

Auch wenn sie in dem sogenannten gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben, gehört zunächst einmal jedem Ehepartner das Vermögen, das er erwirtschaftet hat. Bei der Scheidung wird dann das während der Ehe hinzugewonnene Vermögen der Eheleute ausgeglichen im Rahmen des sogenannten Zugewinnausgleichs.

Das, was sie vor der Ehe schon hatten und Erbschaften, die sie während der Ehe erhalten, sind nicht ausgleichspflichtig. Sie werden ihrem Anfangsvermögen (Vermögen bei Eheschließung) hinzugerechnet und vermindern daher ihren Vermögenszuwachs in der Ehezeit (Endvermögen – Anfangsvermögen = Zugewinn) .

Natürlich gibt es auch noch andere häufig auftretende Irrtümer. Meine Aufzählung erhebt da keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Doch dies sind die Irrtümer, die mir gegenüber am Häufigsten von Mandanten geäußert wurden.

Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass jeder, der sich trennt, oder dessen Ehepartner sich von ihm getrennt hat, gut beraten ist, so schnell wie möglich einen Anwalt aufzusuchen. Genauso, wie ich mit dem Erkennen eines Fehlers an dem Motor meines Autos hoffnungslos überfordert wäre, ist es auch für Sie praktisch unmöglich, alle ihre Rechte und Pflichten zu kennen. Außerdem erkennt man ja, wenn man emotional betroffen ist, selbst oft den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Ich spreche da aus Erfahrung, da ich selbst eine Trennung hinter mir habe.

Auch diese eigene Erfahrung lehrt mich, dass es wichtig ist, dass einem jemand zur Seite steht, der objektiv ist und gleichzeitig erkennt, was für einen selbst in dieser Situation am wichtigsten ist. Das herauszubekommen und für Sie im Rahmen des rechtlich und tatsächlich Möglichen schnell durchzusetzen, sehe ich als meine Aufgabe an.

Gerne tue ich das auch für Sie!

Ihre Fachanwältin für Familienrecht in Heidelberg, Mannheim, Schwetzingen, Walldorf, Wiesloch, Leimen, Nußloch und natürlich Sandhausen und Umgebung.


Rechtstipp vom 03.03.2016
aus der Themenwelt Familie und Beziehung und dem Rechtsgebiet Familienrecht

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