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Welche Kosten hat ein Hörgeräteakustiker?

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Welche Kosten ein Hörgeräteakustiker hat, zeigt sich, wenn es um Schadensersatz geht. Wer den Schaden ersetzen muss, der einem Hörgeräteakustiker für den Verlust entliehener Hörgeräte entstanden ist, hat nicht den vollen Verkaufspreis zu erstatten. Denn im Verkaufspreis ist ein Gewinnanteil enthalten, für den der Schädiger, dem die Hörgeräte nur leihweise überlassen worden waren, nicht haftet. Entscheidend ist der eherne Grundsatz der „Naturalrestitution“, womit folgendes gemeint ist: Der Geschädigte soll nachträglich so gestellt werden, als wäre der Schaden gar nicht eingetreten. Maßgeblich ist ein Zustand, der demjenigen Zustand unmittelbar vor Eintritt des zu ersetzenden Schadens angenähert ist. Den hierzu erforderlichen Geldbetrag kann der Geschädigte verlangen. Die Höhe dieses Betrages richtet sich nach den Kosten der Wiederbeschaffung gleichwertiger Hörgeräte. Aber wie hoch sind für den Hörgeräteakustiker diese Wiederbeschaffungskosten? Viele Kunden, denen nur der Verkaufspreis genannt wird, wüssten gern eine Antwort auf diese Frage.

Zu den Wiederbeschaffungskosten gehört der Einkaufspreis der Hörgeräte. Abzuziehen ist davon ein firmenspezifischer Preisnachlass, soweit ein solcher vom Akustiker ohne besonderen Aufwand erzielbar ist. Hinzuzurechnen sind hingegen Materialgemeinkosten. Darunter versteht man die durchschnittlichen Kosten der Beschaffung, Lagerung und Bewirtschaftung des vom Hörgeräteakustiker angeschafften Materials. Diese Kosten müssen im Streitfall von einem Sachverständigen geschätzt werden.

In einem Fall, den das Landgericht Köln (Urteil vom 2. Mai 2007, Az.: 9 S 324/06) zu entscheiden hatte, ging es im Wesentlichen um folgende Beträge:

Einkaufspreis eines Hörgerätes („Siemens Triano S“ im Jahr 2004):    1.050,00 Euro

Firmenspezifischer Preisnachlass in Höhe von 15 %:                              - 157,50 Euro

Materialgemeinkosten (Schätzung eines Sachverständigen):               + 441,97 Euro

Maßohrpassstück u.a.:                                                                                   + 77,87 Euro

Summe (Schadensersatz für ein Hörgerät):                                             1.412,34 Euro

Schadensersatz für zwei Hörgeräte:                                                          2.824,68 Euro

In dieser Höhe - 2.824,68 Euro - verurteilte das Landgericht Köln zur Zahlung von Schadensersatz. Auf den Verkaufspreis in Höhe von 3.348,00 Euro, zu dem diese Hörgeräte angeboten worden waren, kam es nicht an. Auch auf die zusätzlichen Kosten des Services, der Nachsorgeleistungen und einer Garantie - diese Leistungen hatte der Akustiker für insgesamt weitere 1.272,00 Euro angeboten - kam es bei der Ermittlung des Schadensersatzbetrages nicht an.


Rechtstipp vom 15.11.2017

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            Rechtsanwalt Dr. Robert Weber Rechtsanwalt Dr. Robert Weber

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