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Welche Rechtsform passt zu meinem zukünftigen Unternehmen?

Rechtstipp vom 14.08.2018
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Rechtstipp vom 14.08.2018
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Sie haben eine Idee, mit der Sie sich selbständig machen wollen? Sie sehen die Möglichkeit, sich mit dieser Idee eine Existenz aufzubauen, aber sind sich unsicher, welche rechtlichen und steuerlichen Aspekte die unterschiedlichen Unternehmensformen mit sich bringen?

Im nachfolgenden Artikel erhalten Sie eine Übersicht über die Vor- und Nachteile der am häufigsten für Gründungen verwendeten Rechtsformen.

Ein schneller und kostengünstiger Weg allein ein Unternehmen zu gründen, ist als Einzelunternehmer. Es wird kein Mindestkapital zur Gründung benötigt, jedoch muss die Finanzierung für den Unternehmensaufbau selbst übernommen werden. Der Gründer ist alleiniger Inhaber und Geschäftsführer seines Unternehmens. Das bringt den Vorteil mit sich, dass der Gründer als einziger am Gewinn berechtigt ist. Darüber hinaus können Entscheidungen selbst schnell getroffen werden. Beim Einzelunternehmer ist die Eintragung ins Handelsregister nicht zwingend notwendig. Lässt sich der Unternehmer jedoch eintragen, wird er zum Kaufmann kraft Eintragung. Kaufmann ist auch, wer ein Handelsgewerbe mit nach Art oder Umfang eingerichteten Geschäftsbetrieb betreibt. Der Einzelkaufmann ist von der Buchführung und Inventaraufstellung befreit, sofern an Stichtagen zweier aufeinanderfolgender Geschäftsjahre nicht mehr als 600.000 € Umsatz und nicht mehr als 60.000 € Gewinn erwirtschaftet wurde.

Als Einzelkaufmann oder Einzelunternehmer muss man sich aber auch der Tatsachen bewusst sein, dass man mit seinem gesamten Vermögen für das Unternehmen haftet. 

Wenn man als Einzelkaufmann einen Gewerbebetrieb führt, muss die Gewerbesteuer abgeführt werden. Die Gewerbesteuer des Einzelkaufmanns wird zum Teil auf die Einkommensteuer angerechnet.

Wenn man nicht allein, sondern mit einem oder mehreren Partnern ein Unternehmen gründen will, ist die unkomplizierteste Rechtsform die GbR – die Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Sie entsteht automatisch, wenn sich mehrere Personen zusammenschließen und einen gemeinsamen Zweck verfolgen. Sie stellt eine unkomplizierte Form der Geschäftspartnerschaft dar. Sofern im Gesellschaftsvertrag nichts anderes vereinbart wurde, sind alle Gesellschafter auch zur Geschäftsführung befugt. Die Gesellschafter müssen ihre Entscheidungen aber überwiegend mehrheitlich treffen, außer es wird etwas anderes vereinbart.

Hauptsächlich sind die Vorteile dieser Rechtsform in der einfachen Gründung zu sehen. Ein schriftlicher Vertrag ist für diese Gesellschaft nicht unbedingt notwendig, aber empfehlenswert. Für die Gründung gibt es kein gesetzlich vorgeschriebenes Mindestkapital. Ein weiterer Vorteil der GbR besteht darin, dass entstandene Verluste aus der Startzeit der Gesellschaft mit anderen Einkünften verrechnet werden können. Außerdem muss die GbR erst ab einem Gewinn von 60.000 € eine Bilanz erstellen, sodass unter dieser Grenze nur eine einfache Einkommensüberschussrechnung durchgeführt werden muss.

Nachteilig ist die unbeschränkte Haftung der Gesellschafter mit ihrem privaten Vermögen. Bei der Wahl des Firmennamens sollten immer alle Nachnamen und mindestens ein Vorname der Gesellschafter enthalten, aber eine Fantasiebezeichnung kann auch enthalten sein.

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts ist nur für Kleingewerbe geeignet und nur bis zu einer Umsatzgrenze von 250.000 € anwendbar. Wenn der Umsatz über dieser Grenze liegt, wird eine Eintragung ins Handelsregister erforderlich.

Wenn mit der GbR ein Handelsgewerbe, also ein Gewerbebetrieb, der nach Betriebszweck und Betriebsgröße einen Geschäftsbetrieb erfordert, betrieben wird, wird diese automatisch zur offenen Handelsgesellschaft.

Die OHG besteht aus mindestens zwei Gesellschaftern, die sowohl natürliche als auch juristische Personen sein können. Für den Gesellschaftsvertrag gibt es nur wenige Vorschriften, sodass dieser relativ frei gestaltet werden kann. Wenn im Gesellschaftsvertrag nichts anderes festgehalten ist, beteiligen sich alle Gesellschafter zu gleichen Teilen an der OHG. Es wird jedoch kein vorgeschriebenes Mindestkapital benötigt. Der Firmenname der OHG kann frei gewählt werden.

Die Eintragung der Gesellschaft ins Handelsregister ist deklaratorischer Natur. Das bedeutet, dass die OHG auch schon vor der Eintragung im Rechtsverkehr auftreten kann.

Im Geschäftsalltag der OHG sind alle Gesellschafter zur Geschäftsführung befugt. Diese kann in Einzelgeschäftsführung, bei der jeder Gesellschafter das Unternehmen im gewöhnlichen Betrieb nach außen vertritt, und in Gesamtgeschäftsführung, bei der alle gemeinsam entscheiden, unterschieden werden.

Die Gesellschafter einer OHG erhalten grundsätzlich vier Prozent ihrer Stammkapitaleinlage vergütet; der restliche Gewinn wird dann nach Köpfen aufgeteilt.

Ebenso wie bei der GbR ist auch bei der OHG der größte Nachteil bei der persönlichen, uneingeschränkten, direkten und gesamtschuldnerischen Haftung der Gesellschafter im Außenverhältnis zu sehen. Deshalb sollten vor der Gründung des Unternehmens potenzielle Haftungsrisiken abgewogen werden. Ein weiterer Nachteil für die einzelnen Gesellschafter ist, dass nach einem Ausscheiden aus der Gesellschaft noch für weitere fünf Jahre für alle Verbindlichkeiten gehaftet werden muss.

Anders als bei der Gesellschaft bürgerlichen Rechts besteht bei der offenen Handelsgesellschaft die doppelte Buchführungspflicht und es muss ein Jahresabschluss erstellt werden.

Eine weitere in Deutschland vertretene Rechtsform ist die Kommanditgesellschaft. Sie stellt eine Sonderform der OHG dar, bei der es mindestens einen vollhaftenden Komplementär und mindestens einen teilhaftenden Kommanditisten gibt.

Wie bei der OHG muss auch die KG eine doppelte Buchführung durchführen und einen Jahresabschluss erstellten. Eine weitere Parallele zur OHG ist, dass kein Mindestkapital zur Gründung benötigt wird. Das Firmenkapital besteht aus den einzelnen Einlagen der Gesellschafter. Durch die Aufnahme neuer Kommanditisten kann das Eigenkapital der Gesellschaft schnell und einfach erhöht werden. 

Zur Unternehmensführung der KG haben die Komplementäre das alleinige Recht. Der Komplementär haftet persönlich und unbeschränkt.

Die Kommanditisten sind nicht verpflichtet in der KG mitzuarbeiten, aber haben auch nur wenig oder gar keine Kontrollmöglichkeit der Geschäftsführung. Als Kommanditist haftet man auch nur in Höhe seiner Einlagen. 

Eine weitere Gemeinsamkeit von GbR, OHG und KG ist die Gewerbesteuerpflicht, die einen Freibetrag von 24.500 € einräumt, sobald ein Gewerbe betrieben wird.

Um die unbeschränkte Haftung zu umgehen, besteht die Möglichkeit eine GmbH & Co. KG zu gründen. 

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist eine juristische Person, die nur in Höhe ihres Stammkapitals haftet.

Zur Gründung einer GmbH bedarf es mindestens einer Person und einem Mindestkapital von 25.000 €, welches bei der Gründung mindestens zur Hälfte eingezahlt sein muss. Eine Sachgründung ist auch möglich. Diese ist jedoch oft kostenintensiver, da Sachverständige zur Ermittlung des wahren Wertes der Sache herangezogen werden müssen. Bei der Gründung muss der Gesellschaftsvertrag notariell beurkundet werden und die Gesellschaft muss ins Handelsregister eingetragen werden. Später muss auch die Abtretung von Anteilen notariell beurkundet und im Handelsregister eingetragen werden.

Es ist auch möglich Fremdgeschäftsführer ohne Gesellschaftsanteile anzustellen. Bei Verstößen gegen die Pflichten aus dem GmbH-Gesetz drohen dem Geschäftsführer strafrechtliche Konsequenzen und die Haftung aus seinem privaten Vermögen. 

Bei einer GmbH besteht keine Gewinnausschüttungspflicht, sondern die Gesellschafter können frei entscheiden wie der Gewinn verwendet wird. Wird sich für die Ausschüttung entschieden, wird der Gewinn nicht nach Köpfen verteilt, sondern nach Höhe der Einlage der Gesellschafter. Wenn ein Gesellschafter eine Kapitalgesellschaft ist, wird der Gewinn mit fünf Prozent besteuert. Eine natürliche Person muss die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent abführen, sofern die Anteile im Privatvermögen gehalten werden. Man muss jedoch beachten, dass es einen Steuervorteil bringt, wenn der Gewinn im Unternehmen verbleibt. 

Steuerlich sind auch bei der Gründung die unterschiedlichen Vorformen der GmbH zu beachten. Von der Entscheidung zur Gründung bis zur notariellen Beurkundung besteht die sogenannte Vorgründungsgesellschaft. Diese ist steuerrechtlich von der GmbH zu unterscheiden und wird zivilrechtlich als Einzelunternehmen gesehen.

Ab der notariellen Beurkundung des Gesellschaftsvertrags besteht die Vorgesellschaft, auch Vor-GmbH genannt. Die Vor-GmbH stellt eine Einheit mit der späteren GmbH dar und bereits getätigte Geschäfte gehen später auf die GmbH über. Sobald die Eintragung ins Handelsregister erfolgt ist, besteht die GmbH vollends, welche körperschaftsteuerpflichtig ist. Bei der Körperschaftsteuer wird der Gewinn der betreffenden Gesellschaft in vierteljährlichen Vorauszahlungen, die mit der Jahressteuerschuld verrechnet werden, versteuert.

Wie die Personengesellschaften, muss auch die GmbH als Kapitalgesellschaft die Gewerbesteuer abführen, ohne den Freibetrag in Höhe von 24.500 € angerechnet zu bekommen.

Wer in Erwägung zieht eine GmbH zu gründen, aber nicht genug Startkapital aufbringen kann, hat die Möglichkeit eine Mini-GmbH bzw. eine Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) zu gründen. Dies ist eine Sonderform der GmbH und wurde mit der Modernisierung des GmbH-Gesetzes im Jahr 2008 eingeführt.

Die UG stellt den „kleinen Bruder“ der GmbH dar. Bereits bei der Gründung führt die Verwendung des Musterprotokolls zu einer Kostenersparnis. Eine Zeitersparnis entsteht zusätzlich, da die Anträge bei Behörden parallel zum Verfahren beim Handelsregister erfolgen können. Der größte Vorteil der UG ist aber in dem sehr kleinen Stammkapital von mindestens einem Euro zu sehen. Außerdem müssen nur vereinfachte Jahresabschlüsse erstellt werden, wenn die Umsatzerlöse 700.000 € und die Bilanzsumme 350.000 € nicht übersteigen und durchschnittlich 10 Arbeitnehmer angestellt sind. Wenn diese Voraussetzungen auf die UG zutreffen, kann auf den Anhang zur Bilanz verzichtet, ein vereinfachtes Gliederungsschema genutzt und zwischen der Veröffentlichung oder der Hinterlegung der Bilanz entschieden werden.

Nachteilhaft an dieser Unternehmensform ist die Zwangsthesaurierung. Diese verpflichtet aus einem Viertel des Jahresumsatzes Rücklagen zu bilden, bis das vorgeschriebene Stammkapital einer GmbH in Höhe von 25.000 € erreicht ist. Außerdem sind bei der UG keine Sacheinlagen als Stammkapital erlaubt. Durch das geringe Mindestkapital kann die Mini-GmbH buchhalterisch schnell überschuldet sein und es droht die Gefahr einer Insolvenzverschleppung.

Steuerlich wird die UG wie die GmbH behandelt.

Egal welche der Rechtsformen man für sich selbst als am geeignetsten sieht, so haben alle einige steuerliche Aspekte gemein. Mit jeder Unternehmensform ist die Gewerbesteuer abzuführen, wenn ein Gewerbe betrieben wird. Ein Gewerbebetrieb zeichnet sich nach § 15 Abs. 2 EStG durch eine auf Dauer angelegte wirtschaftliche Tätigkeit mit Gewinnerzielungsabsicht aus. Eine Kapitalgesellschaft muss immer Gewerbesteuer zahlen.

Sollten Sie ihr Unternehmen gegründet und eine gewisse Unternehmensgröße erreicht und daher Mitarbeiter angestellt haben, muss mit der Zahlung des Lohns auch die Lohnsteuer abgeführt werden.

Wollen Sie weitere Informationen und Details zum Thema Unternehmensgründung und Rechtsformen, sowie deren rechtliche und steuerliche Besonderheiten, dann kontaktieren Sie uns.

Kanzlei Dr. Senger und Senger


Rechtstipp aus der Themenwelt Rechtsform und den Rechtsgebieten Handelsrecht & Gesellschaftsrecht, Steuerrecht, Zivilrecht

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