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Wenn das stille Örtchen zum schlimmen Örtchen wird

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Wenn das stille Örtchen zum schlimmen Örtchen wird
anwalt.de kurios - skurrile Ereignisse zum Thema Recht

Verdauungsprobleme – das ist kein Scherz – verursachen zuweilen nicht nur Schmerz. Sie können auch juristische Folgen haben. Gerichte müssen sich zuweilen mit solchen „Geschäften“ der eher unappetitlichen Art beschäftigen. Da es bislang noch kein Geruchsinternet gibt und eine gewisse Sicherheit vor Geruchsbelästigungen gegeben ist, stellen wir einige der kuriosesten Fälle zu der Örtlichkeit vor, zu der sogar der Kaiser zu Fuß geht.

Historische Verortung

Bereits um 2800 v. Chr. hat man in Mesopotamien gut ausgebaute Latrinen sehr geschätzt, wobei diese damals weniger zur Erledigung der Notdurft, sondern eher für die Gewinnung von Urin zum Gerben benutzt worden sein dürften. Auf der Welt gibt es inzwischen unzählige Toilettenarten – vom vollautomatischen Lokus in Japan bis hin zu der Steh- bzw. Hocktoilette, wie sie beispielsweise in nordafrikanischen Ländern oft genutzt wird. Wer auf Reisen geht, sollte sich also auch diesbezüglich über die Landesgepflogenheiten informieren. Sonst kann dies übel enden.

Unsachgemäße WC-Benutzung

Mit einer unsachgemäßen Toiletten-Benutzung musste sich das Amtsgericht (AG) Hannover auseinandersetzen. Dem Gast eines asiatischen Restaurants war offenriechbar nicht geläufig, wie man das hier geläufige WC benutzt. Er hatte seine Notdurft bei geschlossenem Toilettendeckel erledigt. Es stank zum Himmel. Schon nach kurzer Zeit bekamen die ersten Gäste Wind von der Sache, ihnen verging der Appetit und sie verließen fluchtartig das Restaurant. Drei Stunden mussten die Restaurantmitarbeiter die Toilette reinigen. Der Restaurantbesitzer forderte vom Schmutzfink die Reinigungskosten plus entgangenen Gewinn. Die Richterin sprach ihm als Entschädigung für diese Stinkbombe der anderen Art 245,- Euro zu (AG Hannover, Urteil v. 14.01.2014, Az.: 438 C 10337/13).

In freier Wildbahn

Es gibt jedoch auch dringliche Situationen, in denen bedauerlicherweise keine Toilette vorhanden ist. Wer seinem menschlichen Bedürfnis in freier Wildbahn freien Lauf lässt, muss jedoch mit Konsequenzen rechnen. Denn es gibt Städte und Gemeinden, deren Verordnungen das „Wildpinkeln“ ausdrücklich untersagen. Ein Verstoß kann dann als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld von 5 bis zu 1000 Euro geahndet werden. Man sollte also besser davon Abstand nehmen, sich auswärts das Geld für die Toilettennutzung sparen zu wollen.

Auf fremdem Grund

Blöd laufen kann es auch für denjenigen, der sich auf fremdem Grund und Boden Erleichterung verschaffen will. Diese schmerzhafte Erfahrung musste auch ein Mann aus Gera machen. Nachdem er eine Menge Alkohol genossen hatte, wollte er sich diesem wieder auf einem fremden Grundstück entledigen. Dabei lehnte er sich an einen morschen Zaun, der brach ein, sodass der „Wildpinkler“ etliche Meter eine Böschung hinunterrollte. Für die dabei erlittenen Blessuren forderte er vom Grundstückseigentümer Schadensersatz. Das geht zu weit, befand das Landgericht (LG) Gera und wies seine Schadensersatzklage ab (LG Gera, Beschluss v. 24.02.2002, Az.: 4 O 1292/01).

Auf eigenes Risiko

Kommt ein Autofahrer in die missliche Lage, dass ihn die Notdurft plagt, so ist dies keinesfalls eine Rechtfertigung, wenn er deshalb ordentlich aufs Gaspedal drückt (siehe anwalt.de-Rechtstipp „In rasender Fahrt aufs stille Örtchen“). Sucht er sich allerdings im Freien Ersatz, kann dies für ihn ebenfalls böse Folgen haben. Ein Fahrer, der auf der Landstraße unterwegs war, wollte sich in der Scheune eines Bauernhofs erleichtern. Das war eine strohdumme Idee. Denn aus vier Metern Höhe löste sich ein 200 kg schwerer Strohballen und verletzte den Mann schwer. Daraufhin verklagte er den Landwirt wegen Verletzung seiner Verkehrssicherungspflicht. Das Oberlandesgericht (OLG) Jena lehnte das jedoch ab. Der Landwirt war für den Unfall nicht verantwortlich, weil er nicht damit rechnen musste, dass ein Unbefugter in seinem Strohlager seine Blase entleert (OLG Jena, Urteil v. 10.11.2009, Az.: 5 U 31/09).

(WEL)

Foto : ©iStockphoto.com


Rechtstipp vom 02.10.2014

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