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Wenn es ums Erben geht – wie läuft das Verfahren beim Nachlassgericht ab?

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Trotz des großen Schmerzes müssen Sie im Todesfall in der Familie einen klaren Kopf bewahren und einige rechtliche Dinge angehen. Früher oder später stellt sich die Frage, was das Nachlassgericht ist und wie es tätig wird, wenn ein Sterbefall vorliegt. Fragen über Fragen, die Sie bei einem Todesfall vergegenwärtigen und bei denen Sie am besten rechtlichen Rat einholen sollten.

Dabei ist das Nachlassgericht eine Abteilung im Amtsgericht für Nachlasssachen. Hierbei wird es tätig, wenn ein Todesfall eingetreten ist und alles Rechtliche geklärt werden muss.

Ein Sterbefall wird bekannt

Von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ist die Herangehensweise des Nachlassgerichts. Das bedeutet, entweder wird das Nachlassgericht von sich aus tätig oder nur, wenn ein entsprechender Antrag gestellt wird. So wird das Nachlassgericht in Baden-Württemberg und Bayern von Amts wegen, das heißt von sich aus, tätig.

Testament oder Erbvertrag wird bekannt gegeben

Letztwillige Verfügungen (z. B. Testamente, Erbverträge) müssen dem Nachlassgericht vorgelegt werden, § 2259 BGB. Im Todesfall wird dann der Inhalt des Testaments oder des Erbvertrages bekannt gegeben. Zur Testamentseröffnung werden die Beteiligten in der Regel nicht geladen, sondern das Nachlassgericht erstellt eine Eröffnungsniederschrift und benachrichtigt schriftlich die im Testament genannten Erben sowie die Ehegatten oder Verwandte, die gesetzliche Erben sind.

Kein Testament vorhanden

Ist kein Testament vorhanden, tritt die gesetzliche Erbfolge ein. Ob Sie gesetzlicher Erbe geworden sind, können Sie gem. §§ 1924 ff. BGB entnehmen und sich ggf. bei Unklarheiten anwaltlich beraten lassen. Grundsätzlich sind die Abkömmlinge des Erblassers Erben erster Ordnung und erben vor entfernteren Verwandten, wie etwa den Eltern und Geschwistern des Verstorbenen. Wie oben erwähnt, werden in Bayern und Baden-Württemberg die gesetzlichen Erben angeschrieben.

Keine gesetzlichen Erben bekannt

Ist nicht klar, wer gesetzliche Erbe ist, muss das Nachlassgericht nachforschen. Bei aufwendigen Recherchen kann das Nachlassgericht auf Kosten des Nachlasses einen Nachlasspfleger beauftragen, um die gesetzlichen Erben zu ermitteln. Auch Erbensucher werden für solche Nachforschungen, wenn erforderlich, beauftragt.

Antrag für Erbschein

Für Behörden, Versicherungen oder Banken müssen Sie nachweisen, dass Sie Erbe und neuer Rechtsinhaber geworden sind. Hierfür benötigen Sie oft einen Erbschein. Evtl. können Sie Ihre Erbenstellung auch durch ein notarielles Testament oder einen notariellen Erbvertrag bescheinigen. Es wird also nicht immer ein Erbschein benötigt, sodass das Nachlassgericht nur auf Antrag hin tätig wird. Dabei ist zu beachten, dass die Antragstellung auf einen Erbschein gleichzeitig die Annahme der Erbschaft bedeutet. Seien Sie sich also im Klaren, ob Sie die Erbschaft annehmen oder nicht doch ausschlagen möchten. Bei der Ausschlagung sollten Sie unbedingt die Frist von sechs Wochen beachten.


Rechtstipp vom 11.06.2018
aus der Themenwelt Erbe und Nachlass und dem Rechtsgebiet Erbrecht

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