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Wenn schon krank, dann richtig!

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Die widersinnige Verpflichtung, sofort eine AU-Bescheinigung vorlegen zu müssen 

Häufig findet sich in Arbeitsverträgen die Regelung, dass der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber bereits am oder für den ersten Tag der Erkrankung eine ärztliche Bescheinigung vorlegen muss.  

Was steckt hinter dieser Regelung? Meist ist es das Misstrauen des Chefs, seine Mitarbeiter würden dann und wann unter dem Vorwand der Erkrankung blau machen. Dem will er vorbeugen, indem er eben vom Mitarbeiter verlangt, möglichst schon für den ersten Tag der Erkrankung eine ärztliche Bescheinigung seiner Arbeitsunfähigkeit vorzulegen. Seine Überlegung: Der Mitarbeiter, der blau machen will, wird sich kaum zum Arzt begeben, um dort stundenlang auf eine AU-Bescheinigung zu warten. 

Ob er sein Ziel damit wirklich erreicht, kann dahingestellt bleiben. Meine Überlegung ist eine andere. Und dabei will ich mal auf die Interessenlage des Arbeitgebers abstellen. Was bringt es einem Arbeitgeber, wenn seine Mitarbeiter schon beim erstbesten Unwohlsein zum Arzt müssen? Antwort: Nichts! Der Mitarbeiter wird den ganzen Vormittag mit Warten in einer Arztpraxis verbringen. Wenn er schließlich untersucht worden ist, wird der Arzt ihn mindestens für eine Woche krankschreiben. Der Mitarbeiter fällt für den Arbeitgeber also mehrere Tage aus, die Arbeit bleibt liegen oder muss von anderen übernommen werden.  

Was aber wäre, wenn der Mitarbeiter erst am 4.Tag der Erkrankung eine AU-Bescheinigung vorlegen muss, so wie es das Entgeltfortzahlungsgesetz vorsieht? Er wird dem Chef sagen, dass er krank ist und heute nicht kommen könne. Vielleicht ist er auch noch am zweiten Tag krank. Dann aber wird er - wenn Kopfweh, Bauchweh, Halsweh, Halsverrenkung und dergleichen ausgestanden sind, wieder in der Firma erscheinen. Statt einer Woche ist er nur einen Tag oder zwei Tage ausgefallen. Danach steht er aber der Firma wieder zur Verfügung. 

Meine Empfehlung daher an alle Arbeitgeber: Belassen Sie es bei der gesetzlichen Regelung, wonach die AU-Bescheinigung erst am vierten Tag der Erkrankung vorzulegen ist. Diese Regelung ist im Interesse beider Seiten, des Arbeitgebers und seiner Mitarbeiter. Nützlicher Nebeneffekt: Das wäre auch ein Beitrag zur Senkung der Kosten im Gesundheitswesen und Deutschland wäre nicht mehr Weltmeister bei der Anzahl der Arztbesuche.  

Gerhard Greiner

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht


Rechtstipp vom 02.04.2012
aus dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

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