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Wer darf Osteopathie ausüben?

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Die Osteopathie ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die vom amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still im 19. Jahrhundert entwickelt wurde. Es handelt sich um eine sogenannte manuelle Therapieart, bei welcher der Therapeut die Patienten ausschließlich mit den Händen behandelt, ohne in den Körper einzudringen oder Medikamente einzusetzen.

Es herrscht häufig Rechtsunsicherheit darüber, welche Berufsgruppen osteopathisch tätig sein dürfen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass manuelle Therapiearten auch von Physiotherapeuten angewendet werden – der Übergang von Physiotherapie zu Osteopathie ist an einigen Stellen sehr fließend.

Fest steht: Osteopathie ist eine eigenständige Form der Heilkunde. In jedem Fall dürfen daher Ärzte und Heilpraktiker Osteopathie ausüben. Der Arzt ist gem. § 2 Abs. 5 Bundesärzteordnung (BOÄ) berechtigt, heilkundlich tätig zu sein. Der Heilpraktiker ist gem. § 1 HeilpraktikerG berechtigt, die Heilkunde auszuüben, ohne über eine ärztliche Approbation zu verfügen.

Häufig wird man als Anwalt mit der Frage konfrontiert, ob auch Physiotherapeuten, welche keine Heilpraktikerzulassung haben, ggf. nach ärztlicher Delegation berechtigt sind, osteopathische Behandlungen anzubieten. Dies muss nach hiesiger Auffassung verneint werden. Grund hierfür ist folgender: Zur (selbstständigen) Ausübung der Heilkunde sind in Deutschland nur Ärzte und Heilpraktiker berechtigt. Hinzu kommen noch die Zahnärzte auf dem Gebiet der Zahnheilkunde sowie die Psychotherapeuten auf dem Gebiet der Psychotherapie. Physiotherapeuten hingegen sind gem. § 8 Masssuer- und Physiotherapeutenegsetz (MPhG) befähigt und berechtigt,

 „... durch Anwenden geeigneter Verfahren der Physiotherapie in Prävention, kurativer Medizin, Rehabilitation und im Kurwesen Hilfen zur Entwicklung, zum Erhalt oder zur Wiederherstellung aller Funktionen im somatischen und psychischen Bereich zu geben und bei nicht rückbildungsfähigen Körperbehinderungen Ersatzfunktionen zu schulen (Ausbildungsziel).“

Die Osteopathie ist kein Teilbereich der Physiotherapie, da die Osteopathie weitergehend ist als die Physiotherapie. Dass es teilweise zu Überschneidungen zwischen den beiden Therapiearten kommen kann, spielt indes keine Rolle.

Es stellt sich die Frage, ob ein Physiotherapeut Osteopathie ausüben darf, wenn hierfür eine ärztliche Verordnung bzw. die Verordnung eines Heilpraktikers vorliegt. Allerdings muss auch das verneint werden. Eine Verordnung berechtigt nicht dazu, heilkundlich tätig zu sein, ohne über eine Approbation bzw. Heilpraktikererlaubnis zu verfügen. Die Voraussetzungen selbstständig heilkundliche tätig zu sein müssen in der Person vorliegen, welche die Maßnahme durchführt. Es spielt auch keine Rolle, wenn ein Physiotherapeut eine entsprechende osteopathische Ausbildung absolviert hat und die Osteopathie möglicherweise beherrscht. Denn hier gilt: Ein „Können“ der Osteopathie macht eine Erlaubnis nicht entbehrlich. Denn man muss auch berechtigt sein, eine entsprechende Therapieart auszuüben. Insoweit ist das tatsächliche Können streng vom rechtlichen Dürfen zu unterscheiden.

Allenfalls in den Bereichen, wo sich die Osteopathie und Physiotherapie überschneiden, kommt eine entsprechende Behandlung für den Physiotherapeuten in Betracht. Allerdings muss man an dieser Stelle sagen, dass der Physiotherapeut in diesem Falle eben nicht ausschließlich osteopathisch tätig wird, sondern zumindest auch physiotherapeutisch und sich damit auch innerhalb seines Kompetenzbereichs – nämlich der Physiotherapie – bewegt.

Wer keine Heilpraktikererlaubnis hat, setzt sich als Physiotherapeut potenziell folgenden Risiken aus:

  • Gefahr einer Abmahnung durch Wettbewerber
  • Verlust des Versicherungsschutzes im Fall von Haftungsfällen
  • Unter Umständen stehen behördliche Maßnahmen sowie eine Strafbarkeit im Raum

Ob hier der Gesetzgeber für Klarheit sorgen wird oder auch Physiotherapeuten den Zugang zur Osteopathie ebnet, kann man nicht vorhersehen. Wer die Osteopathie derzeit als Physiotherapeut also rechtssicher ausüben möchte, sollte eine Heilpraktikerüberprüfung durchführen. Dann ist man auch als Physiotherapeut rechtlich auf der sicheren Seite.


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Medizinrecht, Verwaltungsrecht

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