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Wer erbt den Facebook-Account? Der digitale Nachlass

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28 Millionen Menschen nutzen Facebook in Deutschland, um nur eine Nutzungsmöglichkeit des Internets zu nennen. Es gibt inzwischen unzählige Online-Plattformen, Verkaufsportale und Online-Shops. Angesichts der riesigen Auswahl im Internet und der großen Nutzerzahlen erschreckt jedoch die Tatsache, dass sich nur die wenigsten Menschen Gedanken um ihre digitalen Daten nach ihrem Ableben machen. Immer wieder kommt es für die Erben zum bösen Erwachen, wenn es um die Frage geht, welche digitalen Daten eigentlich vorhanden sind und wie mit ihnen umzugehen ist. Warum das digitale Vermächtnis eine wichtige Rolle im Erbfall spielt und was es beim Vererben des digitalen Nachlasses zu beachten gilt, möchten wir Ihnen im folgenden Artikel erläutern.

Der Begriff „digitales Vermächtnis“ – was ist das überhaupt?

Grundsätzlich erben Erben immer alles. Das bedeutet, was allseits bekannt ist, natürlich materielle Gegenstände aller Art, Immobilien und Geld aber auch Verbindlichkeiten sowie den digitalen Nachlass. Zum digitalen Nachlass gehören sämtliche digital erfassten Aufzeichnungen bzw. Inhalte, Websites des Verstorbenen, E-Mail-Konten, Accounts in sozialen Medien, Online-Datenspeicher, laufende Verträge mit Internet-Anbietern, sowie Newsletterabonnements, Kunden- und Online-Banking-Accounts und Abos eher anrüchiger Dienstleister. In allen digitalen Angelegenheiten tritt daher der Erbe mit allen Konsequenzen in die rechtliche Stellung des Verstorbenen ein. Da es sich hierbei nicht immer nur um kostenlose Accounts, sondern auch kostenpflichtige Verträge handelt, ist ein schnelles Handeln des Erben erforderlich.

Probleme beim digitalen Vermächtnis

Ein schnelles Handeln ist insbesondere dann nicht möglich, wenn zum einen unbekannt ist, welchen Umfang das digitale Erbe hat, also welche Verträge bzw. Accounts überhaupt bestehen und zum anderen sämtliche Benutzerdaten und Passwörter fehlen. Der Gesetzgeber sieht jedoch vor, dass mit dem digitalen Nachlass ebenso umgegangen wird wie mit Fotos, Briefen oder Aufzeichnungen. Daher ist der erste Schritt für den Erben stets die Sichtung und Aufstellung der digitalen Erbmasse samt Passwörter, was jedoch ein umfangreiches Unterfangen werden kann, wenn diese fehlen.

Ärgerlich wird es gerade dann, wenn der Erbe in die Internet-Aktivitäten des Erblassers eintritt, was auch bedeutet, dass er bestellte Ware annehmen muss bzw. als Verkäufer ausliefern muss. Es gilt auch hier der Grundsatz: Vertrag ist Vertrag.

Insbesondere im Zusammenhang mit der Löschung von Internetdaten und Accounts können Probleme mit dem Internetdienstbetreiber auftreten. Dieser beruft sich oftmals auf seine AGB, in die der Erblasser zu Lebzeiten eingewilligt hat. In diesen kann schlimmstenfalls stehen, dass der Erbe bestehende Verträge übernehmen oder gesondert kündigen muss. Andernfalls kann in den AGB auch stehen, dass der Vertrag mit dem Tode des Vertragsnehmers erlischt, sodass es dann auch besonders schwer für die Erben ist, ihre Rechte an den digitalen Hinterlassenschaften des Erblassers geltend zu machen. In allen Fällen ist daher juristische Hilfe empfohlen, um zügig handeln zu können und eine einvernehmliche Lösung mit den Internetdiensten zu erlangen.

Regeln Sie Ihren digitalen Nachlass schon zu Lebzeiten!

Dieser Rat gilt sowohl für das übliche Testament als auch das digitale Testament. Nur eine frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema verhindert spätere Streitigkeiten.

  1. Erstellen Sie ein Verzeichnis Ihres digitalen Nachlasses!
  2. Listen Sie alle Benutzerdaten, Passwörter, Zugangsdaten von Diensten etc. auf und bewahren dieses an einem sicheren Ort auf.
  3. Schreiben Sie ein digitales Testament.

Ein Bestandteil des digitalen Testaments ist die Auflistung aller digitalen Daten. Zudem sollten Sie in dem Testament auch aufschreiben, wie mit diesen Daten umzugehen ist und wer den digitalen Nachlass verwalten soll. Verwahren Sie das digitale Testament zusammen mit dem „normalen“ Testament auf.

Tipp

Unterschätzen Sie nicht die Fallstricke in den AGB der Internetdienste im Zusammenhang mit dem Tode des Internetnutzers. Wir raten Ihnen daher frühzeitig Ihren digitalen Nachlass zu sichten und zu regeln. Unser Erbrechtsexperte Rechtsanwalt Oliver Abel berät Sie umfassend sowohl bei der Errichtung eines Testaments als auch bei streitigen Auseinandersetzungen mit Internetdiensten, wenn der Erbfall bereits eingetreten ist.

Gerne können wir Sie in Ihrer Angelegenheit beraten und anwaltlich vertreten. Ausdrücklich möchten wir jedoch darauf hinweisen, dass wir keine kostenlose Beratung anbieten. Aufgrund der Vielzahl von Anfragen aus dem Internet können wir auch keine Nachfragen zu diesem Artikel kostenlos beantworten.

Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme. 

Ihre KGK Rechtsanwälte


Rechtstipp vom 17.01.2017
Aktualisiert am 26.09.2018
aus der Themenwelt Erbe und Nachlass regeln und dem Rechtsgebiet Erbrecht

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