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Wer haftet bei Unfällen mit Linksabbiegern?

Rechtstipp vom 22.02.2019
Rechtstipp vom 22.02.2019

Immer wieder kommt es zu Unfällen, wenn ein vorausfahrendes Fahrzeug nach links abbiegt und der Fahrer oder die Fahrerin des nachfolgenden Fahrzeugs den Abbiegevorgang falsch eingeschätzt hat und überholt. In solchen Unfallsituationen stellt sich immer die Frage, wie die Unfallschäden zu regulieren sind.

Die Rechtsprechung neigt dazu in diesen Fällen eine Quote von jeweils 50 % für die Schadensregulierung anzusetzen. Das führt dazu, dass die eigene Versicherung 50 % des Schadens am gegnerischen Fahrzeug übernimmt und man selbst nur 50 % seines eigenen Schadens gegenüber der gegnerischen Versicherung einfordern kann. Die meisten Gerichte gehen davon aus, dass der vorausfahrende Fahrer gegen die Verpflichtung zur zweiten Rückschau verstoßen hat und der nachfolgende Fahrer bei unklarer Verkehrslage überholt hat.

Das gilt jedenfalls dann, wenn auch durch Zeugen der Unfallhergang nicht eindeutig geklärt werden kann. Die Quote kann sich zugunsten des ersten und des zweiten Fahrers verändern, wenn durch Zeugenbeweis oder durch Schadensgutachten ein anderer Unfallhergang bewiesen werden kann. Dann kann das Gericht unter Umständen zu einer Quote von 75:25 bewegt werden.

Bei einspurigen Fahrbahnen wurden typische Unfallsituationen bereits mehrfach ausgeurteilt. So haftet der abbiegende Fahrer höher, wenn der Blinker erst kurz vor dem Abbiegen gesetzt wird und sich erst rechts einordnet. Andersherum haftet der nachfolgende Fahrer höher, wenn sich der vorausfahrende bereits den Blinker gesetzt hat und sich in die Mitte der Fahrbahn eingeordnet hat.

Wieder anderes gilt bei mehrspurigen Fahrbahnen, z. B. mit einem Linksabbieger-Streifen und einem Geradeaus-Streifen. Hier kann der Fahrer auf der Linksabbiegerspur darauf vertrauen, dass andere Verkehrsteilnehmer auf der Geradeausspur nicht einfach die Spur wechseln. Hier kann sogar eine 100%ige Haftung des Spurwechslers infrage kommen, vorausgesetzt, der andere Fahrer hat die Geschwindigkeitsbegrenzung eingehalten. Dann kommt es auf die weiteren Straßen-, Verkehrs- und Sichtverhältnisse an.

Wie Sie hieraus ersehen können, kann eine einfache Unfallsituation schnell zu einer komplizierten Abwicklungs- und Regulierungsfrage werden. Entscheidend sind mehrere Umstände, die gegebenenfalls durch Zeugenbefragung oder ein Schadensgutachten zu klären sind.

Bitte beachten Sie, dass dieser Rechtstipp nur der Übersicht dient. Er kann nur den jetzigen Gesetzesstand und Stand der Rechtsprechung darlegen.

Eine einzelfallbezogene Beurteilung ist nur möglich, wenn auch Einsicht in eine polizeiliche Akte genommen wird. Dann können etwaige Zeugenaussagen beurteilt werden.

Bei einer individuellen Beratung und Vertretung entstehen Gebühren. Diese werden zum Teil durch Rechtsschutzversicherungen abgedeckt. Ansonsten kann unter Umständen beim örtlich zuständigen Amtsgericht Beratungshilfe für das Forderungsverfahren und im Falle der Klage Prozesskostenhilfe beantragt werden.

Bei verkehrsrechtlichen Verfahren und Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Verkehrsrecht

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