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Werbevideo für den Arbeitgeber – und was ist nach der Kündigung?

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Findige Unternehmen präsentieren sich mit einem Werbevideo, um beispielsweise einen zeitgemäßen Onlineauftritt abzugeben. Werden darin Mitarbeiter des Unternehmens gezeigt, stellt sich die Frage, was mit diesen Filmaufnahmen passiert, wenn die gezeigten Mitarbeiter nicht mehr im Unternehmen angestellt sind. Wir zeigen auf, was bei Werbevideos für die Firma aus Mitarbeitersicht zu beachten ist, und welches interessante Urteil das Bundesarbeitsgericht erst kürzlich dazu gefällt hat.

Werbevideo und Arbeitsvertrag?

Wenn der Chef den Mitarbeiter darum bittet, im firmeneigenen Werbevideo aufzutauchen, stellt sich die Frage: Muss man das? Im Arbeitsvertrag wird meistens bezüglich solcher Einsätze der Arbeitskraft nichts geregelt sein. Dem Arbeitgeber steht rein rechtlich gesehen das sogenannte Direktionsrecht zu, welches besagt, dass der Arbeitgeber die Arbeitsleistung möglichst effizient dadurch einsetzen kann, dass er die Arbeitnehmer anleitet, gewisse Aufgaben zu gewissen Zeitpunkten zu erfüllen. Diesen Direktionen des Arbeitgebers müssen Arbeitnehmer grundsätzlich auch nachkommen. Grenzen dieses Direktionsrechts sind allerdings die Regelungen des Arbeitsvertrags. Ist dort nichts zu Auftritten in Werbevideos geregelt, kann dies auch nicht von einem Arbeitnehmer verlangt werden. Ist beispielsweise ein Schlosser angestellt, wird auch keine noch so weite Auslegung des Arbeitsvertrags dazu führen, dass per Direktionsrecht ein Videoauftritt gefordert werden kann.

Werbevideo und Zustimmung

Allerdings kann der Angestellte selbstverständlich dennoch in einem Werbevideo der Firma auftreten, wenn er das möchte. Insbesondere wenn sich Mitarbeiter stark mit der Firma identifizieren, scheint es kein großes Problem zu sein, Mitarbeiter dazu zu bewegen, im Werbevideo aufzutauchen. Wichtig ist nur, umfassend darüber aufzuklären, wo und in welcher Form das Video später ausgestrahlt wird.

Und nach der Kündigung?

Was aber geschieht, wenn das Arbeitsverhältnis beendet wird – sei es durch Kündigung, oder durch einen Aufhebungsvertrag. Kann der Mitarbeiter dann verlangen, dass das Werbevideo gelöscht bzw. nicht mehr aufrufbar ist? Für den Mitarbeiter stellt sich die Situation wie folgt dar: Er ist aus dem Unternehmen ausgeschieden und möchte sich daher auch nicht mehr in einem Video mit dieser Firma assoziiert wissen. Insbesondere wenn man „unschön“ auseinandergegangen ist, wird dieser Wunsch wohl noch verstärkt sein. Andererseits hat der Arbeitgeber schon Geld in das Werbevideo investiert und fragt sich, ob wegen eines Mitarbeiters ein ganz neues Werbevideo gedreht werden muss.

Es kommt auf den Einzelfall an. Ist in dem Werbevideo tatsächlich nur ein einziger Mitarbeiter zu sehen, der beispielsweise ein Produkt anpreist, und ist das Werbevideo sozusagen getragen vom persönlichen Auftritt des Einzelnen, dann wird wohl das Allgemeine Persönlichkeitsrecht des Ex-Angestellten überwiegen. Ein dauerhaftes Auftauchen in einem Werbevideo, auch nach „unschöner Trennung“ kann keinem zugemutet werden (außer es wurden spezielle Verträge darüber geschlossen, dass der Arbeitnehmer sozusagen als Darsteller auftritt).

Ist das Werbevideo jedoch nicht auf einen einzelnen Arbeitnehmer fokussiert, sondern taucht der Ex-Angestellte mit einer Vielzahl von weiteren Mitarbeitern darin auf, ist die Sachlage eine andere.

Bundesarbeitsgericht hat geurteilt (Az. 8 AZR 1011/13)

Genau einen solchen Fall hatte das BAG zu entscheiden. Ein Arbeitnehmer wollte den Arbeitgeber auf Entfernung seiner Person aus dem Werbevideo in Anspruch nehmen, bzw. verhindern, dass das Video, welches ihn zeigt, weiterhin aufrufbar ist. In dem Video waren allerdings auch viele andere Mitarbeiter zu sehen und es handelte sich nicht um eine spezielle Einzelaufnahme des Ex-Angestellten.

Das Bundesarbeitsgericht entschied, dass der Arbeitnehmer seine Zustimmung erteilt hatte und diese nicht deswegen erlischt, nur weil das Arbeitsverhältnis ein Ende fand. Nur wenn ein wichtiger Grund vorliegt, kann diese Zustimmung widerrufen werden (siehe Fallbeispiel oben, wenn einzelner Mitarbeiter das gesamte Video trägt). Ein wichtiger Grund lag im Falle des BAG nicht vor: Der Arbeitnehmer wollte schlicht nicht mehr im Werbevideo zu sehen sein, hatte aber seine Zustimmung wirksam erteilt. Ein Widerruf konnte nicht begründet werden.


Rechtstipp vom 13.10.2016
aus der Themenwelt Arbeitsverhältnis und dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

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