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Werbungskosten bei einem Sprachkurs im Ausland

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Der BFH hat entschieden, dass die Kosten für einen Sprachkurs im Ausland in der Regel nur anteilig als Werbungskosten abgezogen werden können. Bei der Ermittlung der abziehbaren Kosten komme es nicht auf den zeitlichen Anteil des Sprachunterrichts an der Dauer des Auslandsaufenthalts an (BFH, Urteil v. 24.2.2011 - VI R 12/10; veröffentlicht am 18.5.2011).

Hintergrund: Die mit einer beruflichen Fortbildung verbundenen Reisekosten sind als Werbungskosten uneingeschränkt abziehbar, wenn die Reise ausschließlich oder nahezu ausschließlich der beruflichen Sphäre zuzuordnen ist. Ist die Reise auch privat mitveranlasst, kann eine Aufteilung der Kosten und der Abzug des beruflich veranlassten Teils der Reisekosten in Betracht kommen. Die Aufteilung ist grds. nach dem Verhältnis der beruflichen und privaten Zeitanteile vorzunehmen (vgl. BFH, Beschluss v. 21.9.2009 - GrS 1/06).

Sachverhalt: Im Streitfall hatte der Kläger, im fraglichen Zeitraum Zugführeroffizier bei der Bundeswehr, an einem Englischsprachkurs in Südafrika teilgenommen. Finanzamt und Finanzgericht ließen die mit der Sprachreise verbundenen Kosten nicht zum Werbungskostenabzug zu. Der BFH hob diese Entscheidung auf und verwies den Rechtsstreit an das Finanzgericht zurück.

Hierzu führte der BFH u.a. aus: Bei einem Sprachkurs im Ausland sind die reinen Kursgebühren als Werbungskosten absetzbar, wenn ein konkreter Zusammenhang zum Job besteht. Dies kann auch dann der Fall sein, wenn der Sprachkurs nur Grundkenntnisse oder allgemeine Kenntnisse in einer Fremdsprache vermittelt, diese aber für die berufliche Tätigkeit ausreichen. Ob die mit dem Sprachkurs verbundenen Reisekosten daneben ebenfalls beruflich veranlasst und demzufolge als Werbungskosten abziehbar sind, ist im Rahmen einer Gesamtwürdigung zu bestimmen. Dabei darf der touristische Wert des Aufenthalts am Kursort nicht unbeachtet bleiben. Anders als bei sonstigen Reisen besteht bei Sprachreisen für die Wahl des auswärtigen Kursortes regelmäßig keine unmittelbare berufliche Veranlassung. Deshalb wird die Ortswahl in diesen Fällen auch von privaten, in der Regel touristischen Interessen des Steuerpflichtigen bestimmt sein. Davon ist insbesondere auch im Streitfall auszugehen. Die Teilnahme an einem Sprachkurs in englischer Sprache in Südafrika ist außergewöhnlich und indiziert bereits, dass der Kläger die Reisekosten auch aus privaten Erwägungen auf sich genommen hat. Daher kann auch bei einem Intensivsprachkurs, der dem Steuerpflichtigen - wie im Streitfall - unter der Woche wenig Zeit für touristische Aktivitäten belässt und diese deshalb im Wesentlichen auf das Wochenende beschränkt sind, eine Aufteilung der mit dem auswärtigen Aufenthalt verbundenen Kosten gerechtfertigt sein. Sofern weder Finanzamt noch der Steuerpflichtige einen anderen Aufteilungsmaßstab substantiell vortragen und nachweisen, bestehen im Streitfall keine Bedenken, von einer hälftigen Aufteilung sämtlicher mit der Reise verbundenen Kosten auszugehen.

Anmerkung: Der BFH hat mit der o.g. Entscheidung klargestellt, dass ein anderer als der zeitliche Aufteilungsmaßstab in Betracht zu ziehen ist, wenn die beruflichen und privaten Veranlassungsbeiträge nicht zeitlich nacheinander sondern gleichzeitig verwirklicht werden. Das sei bei einer sog. Sprachreise i.d.R. der Fall. Die Wahl eines Sprachkurses im Ausland sei im Übrigen regelmäßig privat mitveranlasst.

Alexander Scholl RA/FAStR


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Steuerrecht

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