Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Wie hoch ist die Abfindung bei einer Kündigung?

(8)

Das Wichtigste vorweg: 

Es gibt meistens keinen automatischen Anspruch auf eine Abfindung. Auch dann nicht, wenn Sie als Arbeitnehmer schon lange im Betrieb Ihres Arbeitgebers gearbeitet haben.

Aber: 

In vielen Fällen ist es möglich, eine Abfindung mit dem Arbeitgeber auszuhandeln. Und das geht so:

Der Arbeitnehmer hat von seinem Arbeitgeber eine Kündigung erhalten. Gegen diese Kündigung muss vor dem Arbeitsgericht innerhalb von drei Wochen Kündigungsschutzklage eingereicht werden. Im Prozess wird dann verhandelt. Und dabei kommt in den meisten Fällen eine Abfindung heraus.

Es ist zwar auch möglich, eine Abfindung ohne Klage auszuhandeln. Hierbei kommt es aber oft zu Schwierigkeiten beim Arbeitslosengeld. Deshalb geht in der Regel kein Weg an einer Klage vorbei.

Wie hoch ist die Abfindung?

Das kommt auf das Verhandlungsgeschick an. Als Anhaltspunkt und Ausgangspunkt der Verhandlungen wird oft von einem Betrag in Höhe von einen halben Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr ausgegangen. Dieser Wert ist regional unterschiedlich. So gibt es Gerichte, die in der Verhandlung von höheren oder niedrigeren Werten ausgehen.

Es wird dann zusätzlich bewertet, welches Risiko beide (Arbeitnehmer und Arbeitgeber) im Prozess haben. Dabei kommt es darauf an, ob die Kündigung rechtens erscheint oder nicht. Hierbei spielen viele Fragen eine Rolle: Hat es vorher Abmahnungen gegeben? Hat der Richtige gekündigt? Gibt es ein Kündigungsverbot? Wurden alle Formalien eingehalten? Wurde der Betriebsrat beteiligt? Gibt es überhaupt einen Kündigungsschutz? U. v. m.

Beispielsberechnung: Sie sind 5 Jahre bei Ihrem Arbeitgeber beschäftigt und Ihr letztes Bruttogehalt beläuft sich auf 3.000 €.

Abfindung: 5 Jahre x 3.000 € : 2 = 7.500 € brutto.

Von diesem Betrag werden dann Zu- oder Abschläge gemacht. Ausgehend von diesem Wert müssen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer dann über die tatsächliche Abfindungshöhe einigen. 

Wichtig: 

Gibt es keine Einigung, dann gibt es auch keine Abfindung. Will einer von beiden nicht, muss das Gerichtsverfahren durchgeführt werden. Am Ende eines solchen Verfahren wird dann entschieden, ob die Kündigung wirksam ist oder nicht. Es wird nicht über eine Abfindung entschieden.

Zum Hintergrund:

Warum ist das so kompliziert? Das deutsche Arbeitsrecht sieht bei einer Kündigung nur eine Möglichkeit vor, sich zu wehren, nämlich die Kündigungsschutzklage. Diese sieht immer vor, dass die Kündigung für unwirksam erklärt und das Arbeitsverhältnis fortgesetzt wird. Das ist in vielen Fällen weder vom Arbeitnehmer noch vom Arbeitgeber gewünscht. Deshalb kommt es in den meisten Fällen zu einer Einigung, die eine Abfindung vorsieht.

Eine Abfindung ist formal im Arbeitsrecht nur in Ausnahmefällen vorgesehen: z. B., wenn der Arbeitgeber eine Abfindung im Kündigungsschreiben anbietet oder sie in einem Arbeitsvertrag, Tarifvertrag, Sozialplan oder Interessenausgleich vorgesehen ist.

Wenn Sie eine Kündigung erhalten haben, ist es deshalb klug, schnell fachkundigen Rat einzuholen. Am besten vom Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Rechtsanwalt und Notar Roland Horsten, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Wetzlar


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Newsletter

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.