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Wie nach vermissten Personen gesucht wird

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Wie nach vermissten Personen gesucht wird
Das Verschwinden von Menschen kann viele Ursachen haben.

Die vierteilige Serie „The Missing – Wo ist Oliver?“ läuft aktuell immer sonntags im ZDF und zeigt die Ermittlungen nach dem plötzlichen Verschwinden eines fünfjährigen Jungen. Doch auch in der realen Welt werden immer wieder sowohl Kinder als auch Erwachsene vermisst. Was können Angehörige oder Freunde aber tun, wenn jemand einfach so verschwunden ist?

Vermisstenmeldung bei der Polizei

Falsch ist die Annahme, dass jede Person dann als vermisst gilt, wenn sie mehr als 24 Stunden nicht mehr gesehen wurde.  Stattdessen müssen die folgenden drei Kriterien vorliegen, damit die Polizei von einem Vermisstenfall ausgeht:

  • Die Person hat ihren gewohnten Lebenskreis verlassen.
  • Der aktuelle Aufenthaltsort ist unbekannt.
  • Es kann eine Gefahr für Leib oder Leben der Person angenommen werden.

Eine entsprechende Gefahr liegt beispielsweise vor, wenn eine Straftat wie Entführung oder gar Mord oder ein Unfall zu vermuten ist. Auch bei Personen mit schwerer Krankheit oder Behinderung besteht eventuell ein Risiko, dass sie hilflos und daher in Gefahr sind. In solchen Fällen wird die Polizei eine Fahndung zur Aufenthaltsermittlung einleiten.

Allgemein gilt aber für Erwachsene, dass sie ihren Aufenthaltsort frei wählen können und rechtlich nicht verpflichtet sind, sich bei Angehörigen oder Freunden abzumelden. Wenn also keine begründeten Anhaltspunkte vorliegen, dass eine Gefahr besteht, wird die Polizei nicht tätig. Angehörige oder Freunde können sich in solchen Fällen nur an private Einrichtungen wie eine Detektei oder Suchdienste im Internet wenden. Gegebenenfalls muss aber auch akzeptiert werden, wenn jemand sein altes Leben hinter sich lassen will. Von eventuellen rechtlichen Verpflichtungen, wie Verträgen oder Pflichten zum Unterhalt, wird er dadurch allerdings nicht befreit.

Vermisste Kinder

Anders ist die Situation bei Minderjährigen. Sie dürfen sich nicht einfach aufhalten, wo sie wollen. Stattdessen haben die Eltern oder ein Vormund das gesetzliche Aufenthaltsbestimmungsrecht. Das kann gegebenenfalls auch von staatlichen Stellen durchgesetzt werden. Zudem wird bei Kindern im Zweifel immer eine Gefahr angenommen und entsprechende Maßnahmen werden durch die Polizei getroffen.

Wird ein vermisstes Kind aufgefunden, kann es zunächst in die Obhut des Staates wie beispielsweise ein Kinderheim genommen werden, bevor es dann aber an die sorgeberechtigten Eltern zurückgegeben wird. Zum Glück wird der überwiegende Teil der vermissten Kinder innerhalb kurzer Zeit gefunden oder kommt einfach so zurück nach Hause. Laut Bundeskriminalamt (BKA) werden über 99 Prozent der Fälle vermisster Kinder zeitnah aufgeklärt.

Fahndung zur Aufenthaltsermittlung 

Die Polizei nimmt nach einer Vermisstenanzeige zunächst eine Gefahreneinschätzung vor und entscheidet dann, welche konkreten Maßnahmen getroffen werden. Bei besonderer Gefahr, wie beispielsweise einer vorangegangenen Drohung mit Selbstmord, wird schnellstmöglich die Suche eingeleitet.

Je nach Einzelfall können dazu auch Einheiten der Bereitschaftspolizei, Rettungsdienst oder Suchhunde herangezogen werden. Gleiches gilt für technisches Gerät wie Wärmebildkamera oder Hubschrauber. In Fällen mit internationalem Bezug nimmt die örtliche Polizeidienststelle Kontakt zum BKA auf, das auf internationaler Ebene wiederum mit den ausländischen Interpol-Dienststellen zusammenarbeitet.

Wird ein Vermisster gefunden, geht eine Information an den Anzeigensteller. Der aktuelle Aufenthaltsort des Gesuchten wird dabei aber nur mit dessen Einverständnis mitgeteilt. Soweit der Untergetauchte keine Straftat begangen hat oder selbst Opfer einer Straftat geworden ist, endet die Arbeit der Polizei an dieser Stelle.

Internationaler Tag der Verschwundenen

Der jährlich am 30. August stattfindende „Internationale Tag der Verschwundenen" beschäftigt sich mit einer besonderen Art von Vermissten. Er ist ein Gedenktag für diejenigen Personen, die durch staatliche Gewalt verschleppt und eingesperrt wurden, wobei die Angehörigen über ihr Schicksal im Unklaren gelassen werden. Nicht selten erfolgt das Verschwindenlassen in Zusammenhang mit Folter oder gar Tötung der Betroffenen. Letztlich geht es aber gerade darum, dass niemand genau wissen kann, was mit den Verschwundenen tatsächlich passiert ist.

Derartiges sollte in Deutschland heute jedenfalls nicht mehr vorkommen. Auch wenn eine Inhaftierung oder Einweisung in die Psychiatrie rechtlich oder medizinisch umstritten sein mag, so darf sie nicht im Geheimen erfolgen. Angehörige und Vertraute sollten zumindest wissen, wo sich der Betroffene befindet.

(ADS)

Foto : ©Fotolia.com/Tinichan


Rechtstipp vom 30.08.2016
Aktualisiert am 24.04.2017
aus dem Rechtsgebiet Öffentliches Recht

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