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Wie schlägt man ein Erbe aus?

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Nicht jeder Erbfall ist ein Grund zur Trauer. In vielen Fällen kommt eine Erbschaft völlig überraschend, nachdem über einen langen Zeitraum, zum Teil mehrere Jahrzehnte, kein Kontakt mehr zu dem Verstorbenen bestanden hatte. Ein Erbfall kann auch erhebliche finanzielle Konsequenzen für die potentiellen Erben haben.

Achtung: Die Ausschlagungsfrist beträgt nur 6 Wochen!

Die Frist zur Ausschlagung ist kurz. Es ist daher wichtig, dass ein Erbe, wenn er vom Erbfall erfährt, sehr kurzfristig prüft, ob er möglicherweise nur Schulden erbt, oder aus anderen Gründen nicht Erbe sein möchte. Dann ist es sinnvoll eine Ausschlagung der Erbschaft in Betracht zu ziehen.

Erbe wird derjenige, der entweder vom Erblasser durch Testament oder Erbvertrag zum Erben bestimmt worden ist oder aufgrund gesetzlicher Erbfolge, wenn keine letztwillige Verfügung vorhanden sein sollte. Zu beachten ist, dass die Erbfolge automatisch eintritt, also keine Zustimmung des Erben erforderlich ist.

Es kann ganz unterschiedliche Motive geben, weshalb jemand nicht Erbe sein möchte. Diese Entscheidung sollte gleichwohl gut durchdacht werden. Zu beachten ist zunächst, dass eine Ausschlagung nicht unter einer Bedingung erklärt oder auf bestimmte Teile des Nachlasses beschränkt werden kann, etwa nach dem Motto: „Ich schlage aus, falls das Erbe überschuldet sein sollte…“ Mit der Ausschlagung entfällt die Erbenstellung in ihrer Gesamtheit.

Jeder Erbe kann die Ausschlagung persönlich beim Nachlassgericht – erforderlichenfalls auch im Namen seiner minderjährigen Kinder – erklären. Es ist möglich, dass in Bezug auf die Kinder eine Genehmigung des Vormundschaftsgerichts eingeholt werden muss. Diese kann aber auch später nachgereicht werden. Alternativ besteht die Möglichkeit, dies über einen Notar umzusetzen. Wichtig ist, dass die Ausschlagung nur wirksam ist, wenn sie innerhalb von 6 Wochen nach Kenntnis vom Erbfall erfolgt.

Nach Ablauf dieser Frist ist die Ausschlagung nicht mehr möglich. In besonders gelagerten Fällen besteht die Möglichkeit die Versäumung der Ausschlagungsfrist anzufechten. Diese Anfechtung wegen eines „rechtlich relevanten Irrtums“ muss gut begründet sein, wenn sie Erfolg haben soll.

Wenn Sie die Ausschlagungsfrist versäumt haben sollten, sollten Sie sich bei einem im Erbrecht spezialisierten Rechtsanwalt über die Anfechtungsmöglichkeit beraten lassen. Falls dies nicht mehr erfolgversprechend sein sollte, müssten rechtliche Maßnahmen eingeleitet werden, um Ihre Haftung auf den Nachlass zu beschränken, damit Sie nicht ihr eigenes Vermögen für Nachlassschulden verwenden müssen.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Erbrecht

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