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Wieviel Nähe verträgt das Anwalt-Mandanten-Verhältnis? (Deutsche und Englische Version)

Rechtstipp vom 18.04.2018
Aktualisiert am 19.04.2018
(16)
Rechtstipp vom 18.04.2018
Aktualisiert am 19.04.2018
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Die Frage nach dem „richtigen“ Näheverhältnis zwischen Anwalt/Anwältin und Mandant – und wie viel Nähe braucht und verträgt ein Mandat?

Eine Kurzausführung

Diese Frage stellt sich uns (Anwältinnen und Anwälten) früher oder später ständig oder wiederkehrend, der oder dem einen deutlicher und kritischer, jedenfalls aber jeder und jedem Einzelnen mit weitreichenden Folgen. 

Unser Beruf ist geprägt von einem besonders vertraulich geschützten und intensiven Gesprächsaustausch von Informationen, die meist noch nicht einmal Freunde, enge Vertraute oder Angehörige des Mandanten kennen. Was sich im Laufe eines Mandats auf dem gemeinsamen Weg des Anwalts (der Anwältin) mit dem Mandanten offenbart, kann womöglich respektive auch dazu führen, dass man das Mandat nun unter einem anders gelagerten Blickwinkel betrachten muss und sich nun in der kritischen Selbstreflexion ertappt. Und dennoch, oder gerade deswegen ist auch eine Bekanntschaft oder Freundschaft, die zwischen Anwalt/Anwältin und Mandanten entsteht, ethisch nicht zu missbilligen. 

Aus welchem Grund? Der Anwalt/die Anwältin ist Mensch, hat durch alle Lebenslagen und Interessen Freunde und Bekannte und erwirbt im Laufe des Lebens auch immer wieder neue hinzu. Eine Steuerung von Freundschaften oder freundschaftlicher Verbundenheit muss und kann es nicht geben. Im Übrigen wäre es auch grundsätzlich nicht verwerflich oder gar unethisch, die Verteidigung von Freunden zu übernehmen. Genauso wenig ist es unethisch, eine Freundschaft zu unterhalten, die sich im Mandatsverhältnis entwickelt.

Jedoch und dies kann objektiv tatsächlich als Maßstab unseres Berufsethos zu verstehen sein, ist in beiden Fällen besonders darauf zu achten, dass die persönliche Verbundenheit nicht die Integrität und Sachlichkeit der anwaltlichen Berufsausübung einerseits und deren Qualität und Nutzen für den Mandanten andererseits negativ beeinflusst. Das notwendige Maß an kritischer Distanz ist zu wahren, wenn die Sache gut geführt und die Interessen gut vertreten sein wollen. 

Es gibt das bekannte Sprichwort, dass ein Anwalt in eigener Sache einen Narren zum Mandanten hat. So tut gut daran, wer sich in eigener Sache nicht verteidigt, wenn die nötige Kühlheit nicht mehr gegeben sein kann.

Ethisch vertretbar kann auch sein, diese persönliche Beziehung nach außen offenbar werden zu lassen, wenn die Authentizität hierunter nicht leidet. Wer beispielsweise seinem Mandanten bis zum Verfahren und im Prozess das Gefühl geben will, nicht allein dazustehen und wer erkennt, dass dafür der Mandant das „Du“ und die Nähe dringend braucht, handelt berufsethisch, wenn er es verwendet. Dazwischen gibt es eine Spannbreite von Persönlichkeits- und Geschmackfragen, die sich jeder Anwalt/jede Anwältin selbst zu stellen hat. Diese sind nicht mit Ethik zu verwechseln.

Wenn und erst dann wenn das erforderliche Maß an Sachlichkeit und Distanz nicht mehr gegeben ist, sollte man als Anwalt/Anwältin erwägen, das Mandat niederzulegen.

Rechtsanwältin Vera Mueller-Lehnert

English version:

The question of the „right“ relationship between lawyer and client and how much closeness needs and tolerates a mandate?

A short version:

This question arises for us (lawyers) sooner or later constantly or recurrently one or more clear and critical but in any case each and every one with reaching consequences.

Our profession is characterized by a particularly confidential and intensive exchange of information most of which do not even know friends, close confidants or relatives of the client. What emerges in the course of a mandate on the common path of the lawyer (*she or he) with the client may or may also mean that you have to look at the mandate now under a different angle and caught in the critical self-reflection. And yet or just because of this an acquaintance or friendship that arises between lawyer and client is ethically not to be frowned upon.

For what reason? The lawyer is a human being, has friends and acquaintances through all situations and interests and in the course of life he also acquires new ones. A control of friendships or friendly ties must not and cannot exist. Incidentally it would also be fundamentally not reprehensible or even unethical to take over the defense of friends. Nor is it unethical to have a friendship that develops in a client relationship.

However and this can actually be objectively understood as a measure of our professional ethos, in both cases particular attention must be paid to the fact that personal attachment does not adversely affect the integrity and objectivity of the profession and on the other hand its quality and benefits to the client. The necessary degree of critical distance must be maintained if the cause is well managed and the interests well represented.

There is the well-known saying that a lawyer is a fool in his own rights to the client. So it is better recommended for those who do not defend themselves in their own right when the necessary professionalism can no longer exist.

It can also be ethically justifiable to make this personal relationship outwardly manifest if the authenticity of this does not suffer. For example, if you want to give your client a feeling that she or he does not face the trial alone and who realizes that the client urgently needs this personal „you“ and its closeness she or he acts ethically when using and behaving like it. In between there is a range of personality and taste issues that every lawyer has to face. These are not to be confused with ethics.

If and only if the required level of objectivity and distance is no longer available one as a lawyer should consider acting to resign from the mandate.

Vera Mueller-Lehnert

lawyer


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Zivilrecht

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