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Wildunfall – Herausforderung für die Teilkaskoversicherung

Rechtstipp vom 08.10.2018
Rechtstipp vom 08.10.2018

In der aktuellen dunklen Jahreszeit häufen sich erfahrungsgemäß die Zahlen der Wildunfälle. Tiere, die in der Dämmerung aktiv sind, wechseln auf vertrauten und oft seit langem bestehenden Pfaden von einem Einstand zum anderen. Diese Wege sind für Autofahrer naturgemäß nicht erkennbar und das Wild erkennt umgekehrt Straßen nur bedingt als Gefahr. Dieses Konfliktpotential sichert eine Kfz-Teilkaskoversicherung ab.

Wenn es zu einem Unfall gekommen ist, gelten die üblichen Regeln:

  • Unfallstelle sichern
  • Verletzten Personen helfen
  • Polizei / Rettungsdienst rufen

Unsere Tipps

  • Bestehen Sie darauf, dass auch der für die Unfallstelle zuständige Jagdausübungsberechtigte (das kann der Förster oder auch der Jagdpächter sein) hinzu gerufen wird. Lassen Sie sich eine Wildunfallbescheinigung geben. 
  • Nehmen Sie das Wild, falls es noch an der Unfallstelle ist, auf keinen Fall mit. Sie begehen sonst Jagdwilderei (§ 292 StGB). 
  • Lassen Sie verletztes Wild liegen und nähern sich nicht. Das Tier empfindet durch die Nähe von Menschen starken Stress, wenn es verletzt ist. So traurig es erscheint: Die Fahrt zum Tierarzt ist vor dem Hintergrund des Tierschutzes noch schlimmer.
  • Dokumentieren Sie die Unfallstelle und Schäden an Fahrzeugen (und ggf. Straße) mit dem Handy.

Ihre Versicherung wird prüfen, ob es sich um einen Wildunfall gehandelt hat. Gerade in Fällen, bei denen es nur zu einer leichten Berührung gekommen ist, wird für Sie die obige Bescheinigung besonders wichtig. Was Wild ist, steht im Bundesjagdgesetz (§ 1 BJagdG): Das sind alle wildlebenden Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen. Dies kann von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sein. Außerdem muss es sich um Haarwild handeln. Ein Unfall, der durch das Ausweichen vor einer (wilden) Gans entsteht, wäre z. B. nicht versichert, selbst wenn das Tier jagbar wäre.

Zum Ausweichen gib es übrigens eine Vielzahl an Rechtsprechung, welche zu noch wilderen Fantasien geführt hat. Laut Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) kann die Versicherung die Leistung mindern, wenn eine Obliegenheitspflichtverletzung kausal für den Schadeneintritt geworden ist. Die Höhe der Minderung kann bis auf Null gehen und hängt von der Schwere der Verletzung (im Sinne des Grades der Fahrlässigkeit) ab.

Es gibt zwar keine Regel, wonach das Ausweichen vor einem Fuchs immer den Versicherungsschutz kostet. Schließlich handelt es sich stets um Einzelfallentscheidungen. Sprechen Sie Ihren Fachanwalt für Verkehrsrecht aber immer an, bevor Sie den Schaden melden und eventuell unüberlegte Angaben machen.


Rechtstipps aus den Rechtsgebieten Verkehrsrecht, Versicherungsrecht

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