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Wird das Herrchen zum begossenen Pudel?

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Wird das Herrchen zum begossenen Pudel?
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Das stille Örtchen sollte vorübergehend das Zuhause eines Vierbeiners werden, dessen Herrchen ohne ihn ausgehen wollte. So sperrte das Herrchen - seinerseits Mieter in einem Haus mit mehreren Wohnparteien - seinen Hund in die Gästetoilette. Obwohl Wuffi schon mehrfach eingesperrt worden war und sich jedes Mal ganz artig benommen hatte, entfernte sein Herrchen sicherheitshalber jegliche Gegenstände aus dem Raum. Doch genau hier lag der Hund begraben, denn eine Kleinigkeit hatte er übersehen...

Bello, in seiner Hundeehre verletzt und ziemlich sauer, dass er sein Herrchen nicht begleiten durfte, ließ sich etwas einfallen. Er suchte sich etwas, um sich die Wartezeit zu vertreiben, und schnappte sich kurzerhand die von seinem Herrchen übersehene Toilettenpapierrolle. Das darauf aufgewickelte Papier ließ sich herrlich leicht abrollen und wunderbar mit den Zähnen in kleine Stücke zerfetzen.

Da das Papier aber nicht halb so gut schmeckte wie angenommen, entschied sich Wauzi dazu, die Papierfetzen im Abfluss des Waschbeckens zu entsorgen. Als schlauer Hund wusste er natürlich, dass das Papier nicht von allein im Abfluss verschwindet, aber Wasser dabei helfen kann, es wegzuspülen. Er öffnete den Wasserhahn, doch er hatte nicht damit gerechnet, dass das Wasser nicht wie sonst im Abfluss verschwinden würde, sondern sich im Waschbecken mehr und mehr ansammelte. Das war wahrlich zum junge Hunde kriegen! Bello war mit seinem Hundelatein am Ende und wartete vertrauensvoll auf sein Herrchen, das sicher guten Rat wusste.

Leider verursachte Bello mit seinem unbedachten Vorgehen eine Sintflut, die schließlich in drei Wohnungen des Wohnhauses Wasserschäden zur Folge hatte. Zwar stürzte sich die Wohngebäudeversicherung vorerst in die Fluten. Doch in ihren Augen hatte der Zweibeiner den Wasserschaden grob fahrlässig verursacht, weshalb sie Schadensersatzansprüche stellte.

Die Richter des Landgerichts (LG) Hannover erwiesen sich jedoch als echte Tierfreunde und sprachen sich für den armen Tropf aus: Damit, dass der Hund das Klopapier zerfetzt, hätte man rechnen müssen. Dass das Fellknäuel die Papierfetzen in den Abfluss des Waschbeckens stopft und auch noch den Wasserhahn öffnet, war nicht vorhersehbar. Grobe Fahrlässigkeit konnte dem Mieter also nicht zur Last gelegt werden. Er hatte ja zusätzlich zum Leerräumen des Badezimmers noch Nachbarn um Benachrichtigung über das Handy gebeten, sollte es Probleme geben.

In diesem Fall ist der Mieter zwar der begossene Pudel, aber auf den Hund gekommen ist doch wohl eher der Versicherer.

(LG Hannover, Urteil v. 23.03.2000, Az.: 19 S 1986/99)

(HEI)

Foto : ©iStockphoto.com


Rechtstipp vom 12.06.2012
aus der Themenwelt Umwelt, Tiere und Pflanzen und dem Rechtsgebiet Recht rund ums Tier

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