Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Wirecard-Skandal -Bank muss zahlen, wenn negative Presse verschwiegen wird-

  • 2 Minuten Lesezeit
  • (3)

Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen gegen Banken, die ihren Kunden noch nach der negativen Presseberichterstattung empfohlen haben, die Wirecard Papiere zu kaufen.

Unsere Empfehlung:

Wirecard-Anleger sollten unbedingt prüfen, wann Sie Aktien oder Derivate erworben haben. Liegt der Zeitpunkt des Erwerbs nach Bekanntwerden der negativen Presse, muss die Bank informieren. Sagt die Bank dazu nichts, bestehen gute Chancen das eingesetzte Kapital zurückzufordern.

Der Fall:

Der Kunde erwarb im Dezember 2019 aufgrund einer Vermittlung durch die Bank 10 Zertifikate „DZ Memory Express Stepdown ST mit Airbag 20/26 auf Wirecard 19.01.2026“.

Das Zertifikat basiert auf der Wirecard-Aktie. Bekanntlich dürfte aufgrund der Insolvenz der Wirecard AG, und diversen weiteren Unternehmen der „Wirecard-Gruppe“ ein Totalverlust bei dem Kunden eingetreten sein.

Bei dem Gespräch zwischen der Bank und dem Kunden am 18.12.2019 erfolgte keine Information darüber, dass bereits seit Anfang des Jahres 2019 eine Vielzahl von negativen Presseberichten zu Wirecard (House of Wirecard) veröffentlich worden waren. Zu dieser Information war die Bank allerdings verpflichtet.

Wegen dieser Unterlassung haben wir für den Kunden Schadenersatzansprüche in Höhe des eingesetzten Kapitals von 10.150,00 Euro und die Kosten unserer Beauftragung geltend gemacht.

Zur negativen Presseberichterstattung im Einzelnen:

Bereits am 30.01.2019 veröffentlichte die Financial Times negative Berichte zu zweifelhaften Geldströmen, die ihr aus einer ihr vorliegenden Präsentation bekannt geworden seien. Aufgrund dessen brach die Aktie um mehr als 21% ein. Es seien Belege für schwere Straftaten gefunden worden, aus denen sich unter anderem ergebe, dass Fälschungen in der Rechnungslegung existierten. Am 07.02.2019 berichtet die Financial Times abermals über Unregelmäßigkeiten. Danach soll der Finanzchef für Asien seinen „Leuten“ gezeigt haben, wie die Buchhaltung manipuliert werden könne, um die Voraussetzungen für die Erteilung einer Lizenz zu erfüllen. Zu diesem Zweck seien Zahlungsströme in der Form eines Zahlungskarussels kreiert worden, um Kundenumsätze vorzutäuschen. Von dieser Praxis, so der Bericht weiter, sollen auch deutsche Führungskräfte Kenntnis gehabt haben. Am 15.10.2019 veröffentlichte die Financial Times einen weiteren Bericht nachdem Umsätze und Gewinne in Dubai und Irland zu hoch ausgewiesen sein könnten.

Im Rahmen des Vermittlungsvertrages war die Bank verpflichtet, ihren Kunden auf diese negative Berichtserstattung hinzuweisen. Dies hatte die Bank pflichtwidrig unterlassen.

Bei einer Anleihe muss über zeitnahe und gehäufte negative Berichte in der Börsenzeitung, der Financial Times, dem Handelsblatt und der FAZ berichtet werden (Assmann, Schütze, Handbuch des Kapitalanlagerechts, 4. Auflage, Seite 88, RN 36 mwN).

Die Berichterstattung in der Financial Times hat sich im Nachhinein nicht nur bewahrheitet, sie wurde durch die Wirklichkeit sogar noch übertroffen.

Hätte die Bank unseren Mandanten über diese Berichterstattung informiert, wäre der Kauf über die Zertifikate nicht zustande gekommen.

Die Bank war daher zur Zahlung von Schadensersatz verpflichtet.

Kurze Zeit nach Geltendmachung der Ansprüche bot die Bank eine hohe Vergleichssumme an. Zur Vermeidung eines Rechtsstreits nahm der Mandant diesen Vergleich an.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Bankrecht & Kapitalmarktrecht

Artikel teilen:


Sie haben Fragen? Jetzt Kontakt aufnehmen!

Weitere Rechtstipps von Rechtsanwalt Jan-Henning Ahrens

Anleger bei P&R müssen bis zum Jahresende 2021 handeln! Andernfalls sind Ansprüche gegen Banken und Vermittler verjährt und können dann nicht mehr durchgesetzt werden! Aufgrund der Insolvenz ... Weiterlesen
Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen gegen Banken, die ihren Kunden noch nach der negativen Presseberichterstattung empfohlen haben, die Wirecard Papiere zu kaufen. Unsere Empfehlung: ... Weiterlesen
Neues zum Diesel-Skandal Der Bundesgerichtshof stellte vor geraumer Zeit einen Hinweisbeschluss fest, illegale Abschalteinrichtungen bei der Abgasreinigung von VW-Dieselmotoren sind als ... Weiterlesen

Beiträge zum Thema

(12)
06.10.2020
Tausenden Inhabern von Zertifikaten und Aktienanleihen auf die Aktie der Wirecard AG droht der (fast) vollständige ... Weiterlesen
(3)
27.01.2021
Nachdem bekannt wurde, dass Mitarbeiter der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (kurz: BaFin) mit ... Weiterlesen
(5)
21.10.2020
Viele Stimmen haben nach dem Wirecard-Skandal schärfere Regeln für Anlagebetrug und Bilanzfälschung gefordert. ... Weiterlesen