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Wölbern-Skandal: Prozessbeginn gegen Schulte - Anwalt mitbeteiligt?

Rechtstipp vom 20.05.2014
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19.05.2014: das Handelsblatt berichtet in seiner heutigen Ausgabe über den Prozessbeginn gegen den seit 2013 in Untersuchungshaft sitzenden langjährigen Wölbern-Chef, Heinrich Maria Schulte, vor dem Landgericht Hamburg (Az. 630 KLS 1/14). Nach einer Reihe von medizinisch-technischen Institutsgründungen sowie der Eröffnung mehrerer Kliniken hatte der Mediziner 2006 das Hamburger Geldhaus Wölbern übernommen, zu dem unter anderem auch das Emissionshaus Wölbern Invest gehörte. Im Zuge der Finanzkrise musste die Bank abgewickelt werden, das Fondsgeschäft wurde abgespalten und verblieb als einziger Teil bei dem mittlerweile 60-jährigen Mediziner. Allein, die Erträge hier sorgten offensichtlich für wenig Freude bei dem zwischenzeitlich an üppigen Luxus gewöhnten Unternehmer und Investor: das Neugeschäft brach ein, die durch die Fonds generierten Mieteinnahmen flossen an Schulte vorbei, viele der durch ihn neu aufgelegten Projekte waren erfolglos, verursachten aber trotzdem hohe Kosten. 2011 geriet der Unternehmer dann auf Abwege und begann selbstherrlich, über die Einführung eines „Liquiditätsmanagements“ und eine Art „Cashpool-System“ Gelder zwischen den einzelnen Fonds zu verschieben beziehungsweise in andere ihm gehörende Unternehmen abzuzweigen. Im Großen und Ganzen lief diese Praxis trotz massiven Widerspruchs der betroffenen Anleger weiter bis in den September 2013, als die Hamburger Staatsanwaltschaft in einer groß angelegten Razzia Privaträume und Firmenbüros durchsuchte und Schulte in Untersuchungshaft nahm.

Das Handelsblatt berichtet nun über die der Redaktion wenigstens in Teilen vorliegenden Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Für die rechtliche Konstruktion, Durchführung und Absicherung bzw. entsprechende Gutachten im Hinblick auf den Cashpool verpflichtet wurde offensichtlich Rechtsanwalt Frank Moerchen, damals Partner der renommierten Anwaltskanzlei Bird & Bird. Und dieser Frank Moerchen spielte offensichtlich eine bedeutende Rolle als einer der Helfer Schultes bei der Verschiebung der Gelder - das jedenfalls legten die Anwürfe der Staatsanwälte dar. Moerchens anfangs noch als tatsächliche Rechtsgutachten verstehbare Arbeiten mutierten laut der dortigen Darstellung im Laufe der Jahre zu bloßen Beschreibungen der bereits stattgefundenen Transaktionen. Und diese sorgten im Laufe der Jahre dafür, dass fast 150 Millionen € Anlegergelder verschwanden. Zwar konnten rund 40 Millionen davon rückgeführt werden, um den Rest ist es aber schlecht bestellt: Schulte hat Privatinsolvenz angemeldet, dieser Tage kamen respektive kommen die von ihm privat besessenen Luxusimmobilien unter anderem in Hamburg und auf Sylt unter den Hammer. Auch das Emissionshaus Wölbern Invest ist insolvent, genau wie Schultes niederländische Wölbern Invest B. V., in die ein Großteil der über die Landesgrenzen verschobenen Millionen geflossen waren.

Für die betroffenen Anleger dürfte interessant sein, dass weder Rechtsanwalt Moerchen noch seine damalige Kanzlei Bird & Bird zu den Vorgängen Stellung nehmen wollen respektive überhaupt erreichbar sind. Aus unserer Sicht scheint in diesem Zusammenhang mindestens der Prüfungsbereich dahingehend eröffnet, ob hier nicht möglicherweise Beihilfe zu den im Raume stehenden massiven strafrechtlich relevanten Tatverhalten gegeben sein könnte. Dies würde ggf. Schadensersatzansprüche auch gegen Moerchen sowie Bird & Bird begründen können. Geschädigte sollten aus unserer Sicht möglichst umgehend mit entsprechend erfahrener anwaltlicher Vertretung Rückgriffsmöglichkeiten auch in diese Richtung überprüfen und etwaig nachdrücklich einfordern bzw. durchsetzen.

Die auf Wirtschafts-, Banken- und Kapitalmarktrecht spezialisierte Kanzlei Wittmann & Schmitt in Kooperation mit Prof. Dr. jur. habil. Jürgen Rath führt ständig hunderte von laufenden Verfahren in diesen Bereichen und hat sich insbesondere auch auf dem Gebiet der nachhaltigen und effektiven Durchsetzung bestehender Ansprüche eine ausgezeichnete Expertise erarbeitet. Gerne dürfen Sie uns in dieser Hinsicht kontaktieren, Ansprechpartner innerhalb der Kanzlei auch für eine unverbindliche kurze telefonische Bestandsaufnahme ist Rechtsanwalt Wolfgang Wittmann.


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