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Zahnprothese weggekippt: Versicherung reagiert verbissen

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Zahnprothese weggekippt: Versicherung reagiert verbissen
anwalt.de kurios - skurrile Ereignisse zum Thema Recht

Der Zahn der Zeit macht auch vor den zweiten Zähnen nicht halt. Ein unaufhaltbarer Prozess, bei dem das strahlende und unwiderstehliche Lächeln doch etwas ins Wanken gerät. Rettung versprechen da die dritten Zähne. Doch Vorsicht: Kinder und ein künstliches Gebiss vertragen sich nicht. Diese Erfahrung musste ein Opa machen, der seine Beißerchen mit dem Enkelsohn allein ließ.

Gebissspülung einmal anders

Was war passiert? Ein zwölfjähriger Junge übernachtete bei seinen Großeltern. Er wachte auf, weil er durstig war, und begab sich immer noch geistig umnachtet ins Bad. Dort angekommen war er noch immer so von Müdigkeit überwältigt, dass er nicht bemerkte, wie er nicht nach seinem eigenen Zahnputzbecher griff, sondern den Zahnprothesenbecher seines Opas an sich nahm. Um den Becher mit Leitungswasser befüllen zu können, kippte er das trotz der vielen Zähne wehrlose Gebiss in die Toilette und drückte die Spülung. Da musste das Gebiss wohl oder übel die Zähne zusammenbeißen, landete es doch im örtlichen Abwassersystem der Stadt. Das Fehlen der Zähne blieb aber nicht lange unbemerkt: Als der Großvater seinem Enkel auf den Zahn fühlte, gab dieser die unbeabsichtigte Gebissspülung zu. Nun sollte die Haftpflicht seiner Mutter einen Teil der Kosten für die Anfertigung einer neuen Prothese übernehmen. Doch die Versicherung zeigte Zähne und verweigerte jegliche Zahlung: Das Gebiss sei nicht beschädigt worden, sondern nur abhandengekommen. In diesem Fall bestehe keine Leistungspflicht. Der Streit endete vor Gericht.

Versicherung beißt sich die Zähne aus

Das Landgericht (LG) Paderborn verpflichtete die Versicherung zur Zahlung. Schließlich weiß jeder Beteiligte ganz genau, wo das Gebiss gelandet ist: in der Kläranlage. Von Abhandenkommen - bei dem niemand weiß, wo die Sache geblieben ist - kann daher gar keine Rede sein. Es wäre theoretisch sogar möglich, die Prothese zu bergen. Vom hinterbliebenen Nutzer könne dann aber nicht verlangt werden, das Gebiss nach seinem Kurzausflug ins Abwassersystem wieder in den Mund zu nehmen. Auch wenn das der Haftpflicht Zahnschmerzen bereitet, so kommt das Verhalten des Enkels sogar einer Vernichtung der künstlichen Zähne gleich. Das wiederum führt dazu, dass die Versicherung dem Opa - wenn auch zähneknirschend - brandneue und unbewanderte Zähne zahlen muss.

(LG Paderborn, Urteil v. 07.03.1991, Az.: 1 S 381/90)

(VOI)

Foto : ©iStockphoto.com


Rechtstipp vom 25.06.2013
aus dem Rechtsgebiet Versicherungsrecht

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